Nach den schweren Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erfährt die Moderatorin Collien Fernandes viel Unterstützung von anderen Prominenten – auch aus Baden-Württemberg.

In Deutschland läuft eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen. Hintergrund ist eine „Spiegel“-Recherche über Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes, die ihren Ex-Mann, den Schauspieler und Produzenten Christian Ulmen, laut dem Nachrichtenmagazin wegen „Anmaßung des Personenstands, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwerer Bedrohung“ angezeigt hat.

 

Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, wie es in einem veröffentlichten Informationsschreiben heißt. Eine Anfrage unserer Zeitung zu den erhobenen Vorwürfen ließ die Kanzlei unbeantwortet. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sowohl die Unschuldsvermutung als auch das damit einhergehende Verbot, Christian Ulmen vorzuverurteilen, sind selbstverständlich auch bei allen Solidaritätsbekundungen von Prominenten für Collien Fernandes zu beachten. Fernandes‘ Vorwürfe gegen Ulmen sind ernst zu nehmen, sind aber juristisch noch nicht geprüft und unbewiesen und begründen insofern nur einen Verdacht.

Grünen-Politikerin Ricarda Lang: „Das Ganze hat System“

Prominente solidarisieren sich mit der Moderatorin – auch aus Baden-Württemberg: Bei der Demonstration gegen digitale sexuelle Gewalt am vergangenen Wochenende in Berlin zeigten sich auch die beiden Politikerinnen Ricarda Lang (Grüne, Wahlkreis Backnang – Schwäbisch Gmünd) und Saskia Esken (SPD, Wahlkreis Calw).

Lang hatte sich bereits zuvor zu dem Fall geäußert: „Mir fehlen die Worte dafür, wie schlimm das ist, was Collien Fernandes passiert ist. Ihr mutiger Schritt an die Öffentlichkeit, zeigt Betroffenen, dass sie nicht allein, geschweige denn Schuld sind. Das Ganze hat System. Die Scham muss die Seiten wechseln. Und wir müssen Gesetzeslücken schließen, die Frauen schutzlos zurück lassen“, schrieb die Grünen-Bundestagsabgeordnete bei X.

Auch Ulmens Schauspiel-Kollege Fahri Yardim äußert sich

Auch langjährige Weggefährten von Christian Ulmen wie der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre wählten deutliche Worte: „Es fällt mir sehr schwer, leicht ist nichts daran, aber es ist simpel: Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren, muss das deutlich benennen, weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung. Gerade weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag“, heißt es in einem Statement, das dem „Spiegel“ vorliegt.

Auch Ulmens langjähriger Schauspiel-Kollege Fahri Yardim aus der Comedyserie „jerks“ meldete sich zu Wort und schrieb bei Instagram, dass er „genauso geschockt wie viele andere“ sei – und den Mut von Collien Fernandes bewundere. Sie habe seine volle Solidarität. Jetzt zu schweigen, fühle sich falsch an, schrieb der Musiker Johannes Oerding in einem Statement auf Instagram. Der Fall mache ihn „wütend, traurig und nachdenklich zugleich“.

ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt: „Mir fehlen die Worte“

Die Vorwürfe zeigten, „wie tief verankert Respektlosigkeit, Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch in unserer Gesellschaft noch immer sind“. Er schäme sich „in solchen Moment und bei solchen Offenbarungen, ein Mann zu sein“. Männer dürften sich jetzt „nicht wegducken. Es reicht nicht, ‚nicht so zu sein’“. Man müsse hinschauen, zuhören, Verantwortung übernehmen und klar widersprechen, so Oerding.

ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt wünschte Fernandes via Instagram „alle Kraft dieser Welt“. Es sei „so verstörend, zu lesen, was dir angetan wurde, dass mir ehrlich gesagt die Worte fehlen. Ich kann nicht mal erahnen, wie es sich für dich anfühlen muss, aber ich finde es so stark von dir, dass du es öffentlich machst“, so Winterscheidt.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer fordert klare Gesetze gegen Deepfakes

Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter René Adler machte auf Instagram deutlich, dass es sich um ein strukturelles Problem handle. Männer seien in der Verantwortung, dass sich etwas ändere: „Ich schäme mich für uns Männer. Ich glaube, ich kenne kaum eine Frau, die nicht schon mindestens einmal in ihrem Leben Erfahrung mit sexualisierten Übergriffen oder sexualisierter Gewalt gemacht hat.“

Klimaaktivistin Luisa Neubauer forderte mit Blick auf die Demonstration in Berlin am vergangenen Wochenende „klare Gesetze gegen digitalisierte, sexualisierte Gewalt – gegen „Deepfakes“, Fake-Profile, nicht-einvernehmliche Verbreitung, Drohungen und digitale Kontrolle und für Zustimmung und Selbstbestimmung“. Der Schutz für Betroffene durch Gesetze sei in Deutschland „unzureichend“.