Die Hängepartie geht für viele Familien auch diese Woche weiter. 146 Kinder waren von der fristlosen Kündigung des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB)Stuttgart als Träger für Schulbegleitungen betroffen. Für alle 146 hat die Stadt Stuttgart nach eigenen Angaben inzwischen neue Träger verpflichtet. Doch wann alle 146 Kinder wieder in die Schule gehen können, ist derzeit weiterhin offen.
Die Stadt Stuttgart arbeitet „mit Hochdruck“, so wird wiederholt betont, an der möglichst schnellen Rückkehr aller Kinder. Das Staatliche Schulamt hat ermittelt, bei wie vielen Kindern das Anfang der Woche geklappt hat: Demnach konnten 45 Kinder wieder in den Schulen begleitet werden (Stand Montagabend), rund ein Drittel werde betreut.
Zwei Drittel der Kinder sollen weiterhin zu Hause sein
Das deckt sich mit den Zahlen des Gesamtelternbeirats (GEB). Der GEB informiert, dass zwei Drittel der Kinder weiterhin zu Hause seien. Wer komme, sei in der Notbetreuung. Nur in vereinzelten Fällen hätten Kinder bereits wieder eine Eingliederungshilfe an ihrer Seite, berichtet die Gesamtelternbeiratsvorsitzende der sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), Anna Linder. Auch der Geschäftsführende Schulleiter der SBBZ, Michael Hirn, berichtet, dass es „nicht so gut“ aussehe. Eine Schule habe zum Beispiel noch keine Eingliederungshilfen, die Kinder kämen tageweise in einer Art Wechselbetrieb zum Unterricht.
Der GEB hat Ende vergangener Woche ein Stimmungsbild bei den Eltern eingeholt. „Die Verunsicherung ist sehr groß“, sagt Anna Linder. Man habe das Staatliche Schulamt gebeten, ob es offizielle Bestätigungen ausstellen kann, dass ein Schulbesuch fürs jeweilige Kind aktuell nicht möglich ist, um sie dem Arbeitgeber vorlegen zu können. Auch einige Schulen stellen solche Bescheinigungen aus.
Ehemalige ASB-Schulbegleiter starten im März bei neuen Trägern
Der GEB geht davon aus, dass sich die Situation für viele Familien noch länger hinzieht und Kapazitäten an den ohnehin belasteten Schulen bindet, die unter massivem Lehrkräftemangel leiden. Am Montag, 2. März, könnten zumindest die Assistenzkräfte starten, bei denen die Übernahme vom ASB durch andere Träger geklappt habe. Das seien die „besten, einfachsten Fälle“, so Linder. Bei den früheren ASB-Kräften ist keine Hospitation nötig. Eine Mutter, deren Kind die Margarete-Steiff-Schule besucht, hat von ihrer Schulleiterin erfahren, dass ihr Sohn vom 15. März an wieder eine Schulbegleitung haben soll. Der geschäftsführende Schulleiter Michael Hirn weiß sogar von einer Schule, die erst ab dem 1. April mit neuen Eingliederungshilfen rechnet.
Die für Bildung zuständige Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) hat derweil gegenüber den Fraktionen „Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse“ angekündigt, sobald die Schulbegleitung wieder regulär sichergestellt sei. „Alle relevanten Kapazitäten der beiden Referate sind jetzt für die Sicherstellung der Betreuung gebunden“, berichtet Fezer in dem Brief, der uns vorliegt. Ziel der Aufarbeitung sei, Klarheit über den bisherigen Sachverhalt und die diesbezügliche Kommunikation herzustellen. Man wolle „solche komplexen Verfahren“ in der Stadtverwaltung künftig optimieren.
Stadt will „vergleichbare Unstimmigkeiten“ in Zukunft vermeiden
Die Bürgermeisterin hatte sich schon im vergangenen Schulbeirat – wie auch Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) – bei den anwesenden Familien entschuldigt. Nun äußert sie sich im Brief an die Fraktionen selbstkritisch: „Dabei streben wir vor allem an, dass künftig vergleichbare Unstimmigkeiten zwischen der Stadt und einzelnen Trägern als Vertragspartner nicht zu Lasten der Kinder, der Jugendlichen und deren Familien gehen“, schreibt Fezer. Über die Aufarbeitung und die Konsequenzen werde man „alsbald“ ausführlich informieren.