Nach ASB-Kündigung in Stuttgart Fasnet-Umzug mit ernster Botschaft – „Ich möchte lernen, aber wo?“

Mit bunten Protestplakaten hat die Schulgemeinschaft der Helene-Schoettle-Schule auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Viele Kinder der Helene-Schoettle-Schule können nicht zum Unterricht kommen, weil sie keine Schulbegleitung haben. Und Lehrkräfte, Eltern sowie Kinder prangern noch mehr Missstände an.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Eigentlich ist der Fasnet-Umzug der Helene-Schoettle-Schule immer ein großer Spaß für alle Beteiligten. Aber diesmal war es den Lehrkräften, den Eltern und auch den Kindern ernst. Darum waren bei der Veranstaltung am Freitagvormittag nicht nur viele bunte Verkleidungen, sondern auch Protestplakate zu sehen. „Gleiches Recht für alle!“, stand auf einem Schild, „Ich möchte lernen, aber wo?“ auf einem anderen. „Wir wollen nicht ausgeschlossen werden“, so die Botschaft auf einer weiteren großen bemalten Pappe.

 

„Wir möchten auf unsere Situation aufmerksam machen“, sagt Sonja Kirschbaum. Sie ist Lehrerin an dem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum in Stuttgart-Steinhaldenfeld. Schon seit Langem liege viel im Argen. „Wir haben viel mehr Schülerinnen und Schüler als früher. Uns fehlen Räume und Personal“, sagt Sonja Kirschbaum und richtet ihre Kritik damit sowohl an die Stadt als auch an das Land. Doch das Schlimmste sei, dass aktuell viele Kinder keine Schulbegleitung mehr haben, seit die Stadt dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als Träger für Schulbegleitungen gekündigt hat.

Ohne Schulbegleitung können diese Mädchen und Jungen nicht zur Schule. 146 Kinder mit Behinderung waren zunächst betroffen, für einige gibt es inzwischen eine Lösung. Der Grund für die Kündigung sind nach Aussagen der Stadt falsche Abrechnungen. Die Stadt hat Strafanzeige gestellt. Der ASB erklärt hingegen, es habe zu keinem Zeitpunkt eine vorsätzliche oder systematische Falschabrechnung gegeben und geht seinerseits juristisch gegen die Stadt vor.

Eltern fordern eine schnelle Lösung

Der Schulgemeinschaft der Helene-Schoettle-Schule geht es vor allem darum, dass schnellstmöglich alle Kinder wieder in die Schule können. „Je länger mein Sohn zu Hause bleiben muss, desto schwieriger wird es“, sagt Dragana Stojanovic. Ihr Sohn brauche einen geregelten Tagesablauf und verlässliche Strukturen. Das könne die Schule ihm am besten bieten. Zudem habe er seine Schulbegleitung gemocht. Doch er werde sie voraussichtlich nicht wieder sehen. Es werde dauern, bis er Vertrauen zu einem neuen Menschen aufgebaut habe, erzählt die betroffene Mutter.

Auch Thomas Mästle, der Konrektor der Helene-Schöttle-Schule, geht davon aus, dass noch Wochen vergehen werden, bis für jedes Kind eine Lösung gefunden ist – auch wenn im Hintergrund viel gearbeitet werde, wofür man dankbar sei. Mit dem besonderen Fasnet-Umzug habe man deutlich machen wollen, dass es nicht nur um Zahlen gehe, sondern um Menschen. Um Kinder mit Behinderung, die aktuell vom Schulbesuch ausgeschlossen sind.

Ohne Schulbegleitung können viele Kinder mit Behinderung nicht am Unterricht teilnehmen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auch die Narren nahmen Anteil. Die Neugereuter Zunft der Ägger-Orks war nach einigen Jahren Pause wieder bei dem Umzug dabei. „Das ist heute ein wichtiges Thema. Dass Kinder nicht in die Schule gehen können, das geht gar nicht“, sagte der Zunftmeister Heiko Hanselmann. Im Waldheim Steinhaldenfeld wurden die Mädchen und Jungen von den Cannstatter Küblern und Guggenmusik empfangen.

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