Nach Brand in Dagersheim Dämmplatten glimmten immer weiter – „Das sieht die Wärmebildkamera nicht“

, aktualisiert am 10.04.2026 - 15:26 Uhr
Glutnester haben sich in Holzfaserdämmplatten festgesetzt. Diese müssen entfernt und dann am Boden gelöscht werden. Foto: SDMG

An Gründonnerstag hat es in Böblingen-Dagersheim gebrannt. Der Einsatz dauerte ungewöhnlich lange. Grund dafür war die Dachdämmung.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Kurz vor Ostern hat ein heftiger Brand Dagersheim erschüttert. In dem Böblinger Teilort brannte aus noch ungeklärter Ursache eine Garage, die Flammen griffen auf das benachbarte Wohnhaus über. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und verhinderte, dass das Feuer in dem eng bebauten Gebiet auf weitere Häuser übersprang.

 

Allerdings war sie nicht nur schnell, sondern auch lang vor Ort. Am Donnerstag bekämpfte sie den Brand bis in den Abend. An Karfreitag rückte sie erneut aus, um Glutnester in der Dach-Dämmung zu löschen. Dann war klar: Die Dämmplatten glimmen immer noch und müssen runter. Also montierte die Feuerwehr auf einer Dachhälfte alle Platten ab und ließ sie beim Waldstadion vollends ausbrennen.

Der Brand hat einen hohen Schaden angerichtet. Foto: Anke Kumbier

Brand in Dagersheim: Was ein Brandschutzbeauftragter dazu sagt

Die Dämmung bestand aus Holzfasern, einem Material, das nicht schnell brennt, dafür lange und teils im Verborgenen glimmt. Diese Art der Dämmung gilt als nachhaltig und wird seit einigen Jahren verstärkt verwendet. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Feuerwehren – auch in Zukunft – bei Bränden damit zu tun haben.

Für die Feuerwehren bringt der Baustoff allerdings Herausforderungen mit sich. Weil er gefährlich ist? „Nein“, betont Friedrich Wein. Er ist Brandschutzbeauftragter der Stadt Böblingen und selbst bei der Feuerwehr. Aber: Sind Holzfaserdämmungen im Spiel, seien die Einsätze meist aufwendiger.

Beim Brand in Dagersheim war die Feuerwehr insgesamt 30 Stunden beschäftigt. Als 2024 in Herrenberg-Gültstein zwei Scheunen und Teile eines Wohnhauses brannten und wie in Dagersheim ein Millionenschaden entstand, war die Feuerwehr hingegen „nur“ circa 15 Stunden im Einsatz.

Dachdämmung: Brandverhalten unterscheidet sich „massiv“

Friedrich Wein ist wichtig zu betonten, dass in Dagersheim niemand etwas falsch gemacht habe – weder die Feuerwehr noch die Hauseigentümer. Holzfaserplatten hätten eine „bauaufsichtliche“ Zulassung und würden immer häufiger eingebaut.

Für Wein aus gutem Grund. „Dämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen tragen zum Klimaschutz und zur Energiesicherheit bei.“ Andere, zulässige Dämmungen, wie Wärmeverbundsysteme – landläufig als Styropor bekannt – basierten auf Erdöl. Mineralwolle nicht, dafür benötige sie in der Produktion vergleichsweise viel Energie und sei teurer als Holzfasern oder Wärmeverbundsysteme.

Im Brandverhalten wichen die verschiedenen Dämmungen „massiv voneinander ab.“ Mineralwolle gelte als nicht brennbar, Styropor hingegen, „brennt meist so schnell, das ist weg, bis die Feuerwehr da ist“, formuliert Wein überspitzt.

Brennende Dachdämmung: Wasser oder Schaum helfen nicht

Holzfaserplatten seien „schwer entflammbar“. Allerdings können sie bei großer Hitze zu Glimmen beginnen. Da reiche bei einem Brand im Zweifelsfall schon die Hitze einer der Schrauben, mit der die Platten befestigt sind, aus.

Entwickeln sich Glutnester im Innern der Platten, sind sie für die Feuerwehr nur schwer erkennbar. „Das sieht die Wärmebildkamera nicht“, sagt der Brandschutzbeauftragte. Hinzu kommt: Die Platten sind laut Wein mit einem wasserabweisenden Material geschützt. Das Löschwasser dringt also nicht ins Innere vor. Auch Schaum aufzutragen führe nicht weiter.

Die Feuerwehr folgt daher einem Leitfaden des Deutschen Feuerwehrverbands: Erkennt sie glimmende Stellen, schneidet sie Schneisen, damit sich das Glimmen nicht weiter ausbreitet. Reicht das nicht aus, muss die Feuerwehr die Dämmung abbauen, in voller Montur und mit Atemschutzmasken. „Das hat dann massive Auswirkungen auf die Dauer“, sagt Wein – so wie in Dagersheim.

Trotz des möglichen höheren Aufwands spricht sich Wein nicht gegen die Verwendung von Holzfaserdämmungen aus. So lange es nicht brennt, sei das ein ganz toller Baustoff – und immerhin weiß die Feuerwehr im Zweifelsfall damit umzugehen.

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