Nach dem doppelten Rauswurf Wer wird in den Porsche-Vorstand aufrücken? Das sind die Kandidaten

Porsche-Chef Oliver Blume (li.) und Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sind Schlüsselfiguren, wenn es um die Neuordnung des Vorstands von Porsche geht. Foto: Imago/Eventpress Kochan

Beim Porsche-Beben verloren zwei Mitglieder des Vorstands ihre Posten. Wir stellen mögliche Kandidaten für die Nachfolge vor – auch für den Fall, dass es im Vorstand noch weitere Veränderungen geben wird.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Bei Porsche wackeln die Wände – offenbar sehr kurzfristig beschloss der Aufsichtsrat des Unternehmens am Samstag den Rauswurf von Vizechef und Finanzvorstand Lutz Meschke. Auch Vertriebschef Detlev von Platen muss gehen, nachdem das Unternehmen in China rasant an Marktanteilen verloren hatte.

 

Mitten in der Krise muss das Unternehmen somit zwei wichtige Positionen neu besetzen und benötigt dafür Kräfte, denen man vieles zugestehen mag – nicht aber eine lange Einarbeitungszeit. Schon deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass die Positionen intern besetzt werden. Intern – das bedeutet im VW-Konzern, dass nicht nur Porsche-Manager zum Zug kommen können, sondern auch solche von Konzernmarken wie Audi oder Škoda.

Eine typische Karriere im Volkswagen-Konzern führt aber ohnehin durch verschiedene Marken. Schon deshalb hat VW einen großen Pool an Managern, aus denen sich die Vorstandspositionen rekrutieren lassen. Zu ihnen zählen unter anderem folgende Köpfe:

Holger Peters

Holger Peters verantwortet bei Škoda die Finanzen. Foto: Škoda

Peters ist gewissermaßen ein gebürtiger Porscheaner, denn 1996 begann dort seine Karriere. Nach gut 20 Jahren wechselte er innerhalb des Unternehmens zu den Finanzdienstleistungen, dann leitete er das Controlling. Vor drei Jahren organisierte er für Volkswagen den Erwerb des Mobilitätsunternehmens Europcar, seit eineinhalb Jahren ist er Finanzvorstand der erfolgreichen Konzernmarke Škoda. Damit empfiehlt er sich für eine Nachfolge von Finanzvorstand Lutz Meschke.

Stefan Weckbach

Stefan Weckbach ist zuständig für die Strategie von VW. Foto: Volkswagen

Stefan Weckbach ist derzeit Chefstratege von Volkswagen, wo er in große Fußstapfen trat: Er wurde Nachfolger von Gernot Döllner, der auf den Chefposten von Audi wechselte. Das Thema seiner Doktorarbeit lautete: „Finanzieller Stress in Unternehmen“ – überaus passend in diesen Zeiten.

Auch er war lange Jahre bei Porsche – unter anderem in der Assistenz des Vorstandsvorsitzenden und in der Leitung der Geschäftsstelle des Vorstands sowie als Leiter der Produktstrategie und der Baureihen Boxster/Cayman. Auch der Super-E-Sportwagen Taycan und damit das erste E-Auto des Konzerns fiel in seiner Verantwortung, ebenso die für den Cayenne. Er gilt als Strategie, dem der Posten des Finanzvorstands zuzutrauen ist.

Jürgen Rittersberger

Jürgen Rittersberger ist bei Audi verantwortlich für die Finanzen. Foto: Audi

Jürgen Rittersberger ist Finanzvorstand der Marke Audi und mit der Thematik, die bisher von Lutz Meschke verantwortet wird, bestens vertraut. Er folgte bei Audi auf Arno Antlitz, der in die gleiche Position beim Gesamtkonzern berufen wurde. Zuvor war er in Wolfsburg Chefstratege und Leiter des Generalsekretariats gewesen. Auch er ist ein langjähriger Porscheaner – von 2002 bis 2018 arbeitete er für das Zuffenhausener Unternehmen, zuletzt als Generalbevollmächtigter. Damit empfiehlt er sich als möglicher Meschke-Nachfolger.

Martin Sander

Martin Sander führt den Vertrieb der Marke Volkswagen. Foto: Volkswagen/Nils Hendrik Müller

Martin Sander ist ein Manager, der in der Autoindustrie auch außerhalb des Volkswagen-Konzerns Karriere gemacht hat. Von Mitte 2022 bis Mitte 2024 leitete er die Ford-Werke GmbH und verantwortete außerdem die Entwicklung von E-Fahrzeugen und digitalen Technologien für Europa. Zuvor war er bereits lange Jahre im Volkswagen-Konzern tätig gewesen, zuletzt als Vertriebschef für Audi in Europa. Seit gut einem halben Jahr ist er Vertriebschef der Marke Volkswagen und empfiehlt sich damit für das Amt des Porsche-Vertriebsvorstands.

Marco Schubert

Marco Schubert ist bei Audi für den Vertrieb verantwortlich. Foto: Audi

Marco Schubert ist derzeit für Vertrieb und Marketing von Audi verantwortlich, praktisch also das Pendant zum Porsche-Vorstandsmitglied Detlev von Platen, der nun gehen muss. Auch er ist ein ehemaliger Porscheaner; vor seiner Zeit im Audi-Vorstand war er in Zuffenhausen Vertriebschef für Europa. Einen großen Teil seines beruflichen Lebens verbrachte er bei Audi, wo er von 2000 an ein Traineeprogramm absolvierte – nachdem er zuvor fünf Jahre bei Mercedes tätig gewesen war.

Seine Karriere verlief global und vielfältig – sie führte ihn über das Produktmarketing des VW-Konzerns in Großbritannien über die Verantwortung für das Nordeuropageschäft von Audi bis zur Position als Vertriebschef für Škoda in Asien. Für Audi war er ebenfalls schon als Vertriebschef in Asien tätig. Angesichts der Probleme von Porsche in Asien bringt er somit einiges mit, das ihn für den Posten des Vertriebschefs empfiehlt.

Alexander Pollich

Alexander Pollich leitet den Porsche-Vertrieb in China. Foto: Porsche

Alexander Pollich gilt als versierter Vertriebsmann, dem strategische und konzeptionelle Stärke nachgesagt werden. Er gilt als geschickter Verhandlungspartner im Umgang mit den selbstbewussten Händlern, bei denen er ungeachtet aller Interessengegensätze Respekt genießt. Wegen dieser Erfahrungen schickte ihn Porsche erst vor wenigen Monaten nach China, um dort den Absatz zu stabilisieren. Nun muss sein Chef von Platen gehen, und Pollich zählt zu den Kandidaten als Vertriebsvorstand. Die Lücke, die er als China-Chef hinterlässt, müsste er dann vermutlich selbst füllen.

Peter Bosch

Peter Bosch führt das Software-Unternehmen Cariad. Foto: Volkswagen

Peter Bosch ist Chef des zum VW-Konzern gehörenden Software-Unternehmens Cariad. Dieses hat zwar vor allem dadurch Schlagzeilen gemacht, dass Modellanläufe wie der vollelektrische Porsche Macan sich wegen Softwareproblemen um Jahre verzögerten, was jedoch nicht Bosch angelastet wird. Dieser wurde schließlich als Krisenmanager geholt und ist dabei, nicht nur gegen den Rückstand bei der Entwicklung, sondern auch gegen Verunsicherung in der Belegschaft anzukämpfen. Der krisenerprobte Bosch gilt als Kandidat für das Amt des Finanzchefs, mit dem auch die Verantwortung für die IT einhergeht, die für Porsche elementare Bedeutung hat.

Falls Blume gehen sollte...

Womöglich steht bei Porsche ein noch größerer Konzernumbau an – in diesem Fall ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass sich auch auf dem Posten des Vorstandschefs eine Veränderung ergibt und Oliver Blume sich auf sein Amt als Chef des Volkswagen-Konzerns konzentriert. Der Rauswurf des potenziellen Blume-Rivalen Meschke zeigt, dass Blume das Vertrauen der Eigentümerfamilien Porsche und Piech genießt. Diese würden ihn kaum gegen seinen Willen von einem seiner beiden Chefposten abberufen. Wenn Blume bei Porsche aufhört, dann freiwillig.

Klaus Zellmer

Klaus Zellmer ist Chef der Konzernmarke Skoda. Foto: Škoda

In diesem Fall könnte Klaus Zellmer Porsche-Chef werden, der Chef der erfolgreichen Konzernmarke Škoda. Zellmer begann 1997 bei Porsche, machte dort Karriere und verantwortete unter anderem den Vertrieb in Nordamerika sowie die Ansiedlung des riesigen Werks in Leipzig. 2020 wurde er Vertriebschef der Marke Volkswagen PKW, bevor er vor knapp drei Jahren Škoda-Chef wurde.

Gernot Döllner

Gernot Döllner führt die Konzernmarke Audi. Foto: Audi/Bernhard Huber Munich

Ein Kandidat wäre auch Audi-Chef Gernot Döllner, der 1998 zu Porsche kam und elf Jahre später bereits Projektleiter für den Technologieträger 918 Spyder wurde. Danach wurde er Chef der Produktstrategie und dann Leiter der Baureihe Panamera. Anschließend beförderte ihn VW zum Chefstrategen, ehe er vor eineinhalb Jahren Audi-Chef wurde.

Falls es zu einer Rochade kommt...

Nicht ausgeschlossen ist auch, dass es neben Neubesetzungen auch zu einer Rochade im Vorstand kommt, ähnlich wie vor kurzem bei der Mercedes-Benz Group.

Barbara Frenkel ist im Porsche-Vorstand für die Beschaffung verantwortlich. Foto: Simon Granville

Denkbar ist zum Beispiel, dass Einkaufschefin Barbara Frenkel das Ressort wechselt und Vertriebschefin wird. Für sie wäre dies alles andere als Neuland – trug sie doch vor ihrer Berufung in den Vorstand bereits Verantwortung für den Porsche-Vertrieb in Europa.

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