Nachdem die Kögel-Pläne vom Tisch sind, soll die Esslinger Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof runderneuert werden. Foto: privat
Nach dem klaren Bürgerentscheid ist nun wieder die Modernisierung der Esslinger Stadtbücherei im Pfleghof aktuell. Pläne dafür liegen seit 2022 in der Schublade.
Die Esslinger Bürgerschaft hat am Sonntag mit Zweidrittelmehrheit festgelegt, dass die Stadtbücherei im Bebenhäuser Pfleghof bleiben soll. Die Pläne des Oberbürgermeisters, das frühere Modehaus Kögel für die Bücherei zu kaufen und zu sanieren, fanden keine Mehrheit. Damit rückt ein Gemeinderatsbeschluss vom Dezember 2022 wieder in den Fokus: Damals war die bereits geplante großzügige Erweiterung und Modernisierung der Bücherei zu den Akten gelegt und stattdessen das beschlossen worden, was OB Matthias Klopfer als „kleine, feine Sanierung“ des Pfleghofs bezeichnet. Die soll nun angegangen werden.
Der Beschluss vom Dezember 2022 sieht vor, die Stadtbibliothek im laufenden Betrieb zu sanieren und dafür rund 17,4 Millionen Euro zu investieren. Insgesamt gliedert sich die damals beschlossene und nun wieder aus der Schublade geholte Sanierung in 37 Bausteine – einige dieser Bausteine wie die Erneuerung der Brandmeldeanlage oder die Ertüchtigung des bestehenden Aufzugs wurden nach Angaben der Stadtverwaltung bereits umgesetzt.
„Wir werden die nächsten Schritte nun zügig vorbereiten“, verspricht der OB. „Gleichzeitig werden wir uns intensiv um Landesfördermittel bemühen.“ Eine Vorlage zum weiteren Vorgehen will die Verwaltung am 27. April in den Gemeinderat einbringen. Außerdem strebt Klopfer einen Grundsatzbeschluss zum Verkauf des Gebäudes Heugasse 11 an. Über die Zukunft dieses Nachbarhauses, das seit 30 Jahren als Erweiterungsoption für den Pfleghof im Gespräch ist, war beim Ratsbeschluss 2022 noch nicht entschieden worden.
Modernisierung in drei Stufen
Erste Verbesserungen hat es bereits gegeben wie diesen Hublift zum Kutschersaal. Foto: privat
Die Ende 2022 beschlossene „kleine, feine Sanierung“ der Stadtbücherei im Pfleghof sieht einen Sanierungsplan in drei Stufen vor. Stufe 1 nennt Maßnahmen zur Instandsetzung von Baukonstruktion und technischen Anlagen. „Dieser Baustein muss zum weiteren Betrieb der Bücherei zwingend und vollständig umgesetzt werden“, betonte der Eigenbetrieb städtische Gebäude (SGE) damals. Damit sollten alle bautechnisch und brandschutzrechtlich nötigen Maßnahmen abgedeckt werden. Die damals genannten Sanierungsmaßnahmen umfassen Bauteile des Dachs, der Fassade, Fenster, Brandschutzmaßnahmen, die Instandsetzung des Dachs der Nanzhalle einschließlich Verschattung sowie „das bereichsweise Beseitigen des Sanierungsstaus an Decken, Wänden, Bodenbelägen und Holzbauteilen“. Das WLAN soll ertüchtigt, defekte Beleuchtung und Sanitäranlagen sollen erneuert und die Heizung instandgesetzt werden.
Die Bausteine 2 und 3 sehen weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Raum- und Aufenthaltsqualität sowie weitere Konzeptbausteine vor. „Die Auswahl soll im weiteren Planungsprozess gemeinsam mit dem Kulturamt, der Bücherei und dem Expertengremium erfolgen“, erklärte die SGE damals. Unter anderem sollen Decken, Wände, Bodenbeläge, Fenster, Fassaden- und Holzbauteile aufgearbeitet werden. Außerdem sind Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Barrierefreiheit Teil des Konzepts: Ein Hublift für Rollstühle zum Kutschersaal wurde inzwischen installiert, am Eingang über die Webergasse sind Verbesserungen ebenso geplant wie eine bessere barrierefreie Anbindung der Toilette im Erdgeschoss und des Podests im Innenhof. Außerdem stehen Verbesserung der Raumakustik sowie die Neugestaltung des Cafés und der Spielfläche für Kinder auf der Liste.
„Mit der Verlegung der Familienbibliothek ins erste Obergeschoss inklusive barrierefreiem Zugang und /oder der Ergänzung einer Familientoilette, der Anbindung des Cafés zum Innenhof oder der Neumöblierung sowie dem WLAN-Ausbau könnten zusätzliche konzeptionelle Veränderungen realisiert werden“, hatte die SGE bereits im Dezember 2022 erklärt. Die Erneuerung der Schließanlage könne es zudem ermöglichen, „einzelne Bereiche der Bibliothek auch außerhalb der Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.
Mehr tun für die Aufenthaltsqualität
Die Zukunft des Nachbarhauses Heugasse 11 muss noch entschieden werden. Foto: Ines Rudel
Und schließlich waren im Konzept, das der Gemeinderat im Dezember 2022 abgesegnet hatte und das nun wieder zum Tragen kommt, auch „Maßnahmen zur qualifizierten Bibliotheksarbeit“ vorgesehen. Neben der weiteren Aufarbeitung von Decken und Wänden, Bodenbelägen, Fenstern sowie Fassaden- und Holzbauteilen, „die der qualifizierten Bibliotheksarbeit dienen“, stand damals auch ein weiterer Aufzug in der Nanzhalle auf der Liste, der den barrierefreien Zugang zum ersten Obergeschoss verbessert. Außerdem waren eine Neumöblierung des Cafés und/oder eine neue, umfangreichere Möblierung der Bücherei Teil des 2022 beschlossenen und nach Auftauchen der Kögel-Pläne auf Eis gelegten Maßnahmenkatalogs. Optionen sind auch eine vollständige WLAN-Ausleuchtung und/oder der Ausbau der Datenleitungen sowie die weitere Erneuerung der Beleuchtung. „Die Ergänzung der Lüftungsanlage erzeugt eine erhöhte Aufenthaltsqualität“, heißt es in der damaligen Sitzungsvorlage für den Gemeinderat.
Bibliothekspläne im Zeitraffer
Pfleghof Die Esslinger Stadtbücherei ist seit 1989 im Bebenhäuser Pfleghof zwischen der Heu- und der Webergasse untergebracht. Schon kurz nach dem Einzug in das historische Gebäude war klar, dass die Bibliothek auf Dauer erweitert werden muss. Schon in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre wurden Pläne entwickelt, das Nachbarhaus Heugasse 11 einzubeziehen. Vertieft wurden diese Pläne 2013 in einer Machbarkeitsstudie für Bücherei, Stadtmuseum und städtische Galerie. Diese Überlegungen waren allerdings rasch wieder zu den Akten gelegt worden.
Wechselspiele Nachdem der Gemeinderat 2018 einen Neubau in zweiter Reihe an der Küferstraße beschlossen hatte, gab es 2019 einen Bürgerentscheid, der mit einem klaren Votum für die Erweiterung und Modernisierung des Pfleghofs und der Heugasse 11 endete. Ein Architektenwettbewerb brachte ein hoch gelobtes Ergebnis. Doch als die Verwaltung 2022 die Kosten plötzlich von rund 25 auf über 60 Millionen Euro hochrechnete, wurden die großen Pläne für den Pfleghof auf eine „kleine, feine Sanierung“ reduziert. Auch die wurde auf Eis gelegt, als OB Klopfer 2023 vorschlug, die Bücherei ins frühere Modehaus Kögel zu verlegen.