Die Hochwasserkrise zwang die Bahn in die Knie. Jetzt feiert das „Wiesel“ sein Comeback auf der gesamten Strecke – und es gibt ehrgeizige Zukunftspläne.
Mehr als ein Jahr lang war Ruhe auf dem Streckenabschnitt, jetzt ist die Wende geschafft: Wie das Landratsamt mitteilt, fährt die Wieslauftalbahn wieder bis Rudersberg-Oberndorf und somit die komplette Strecke. Damit endet eine Zwangspause, die Schüler, Pendler und Ausflügler gleichermaßen auf die Probe gestellt hat.
Die Flut im Juni 2024 hatte die Bahnlinie lahmgelegt: überflutete Werkstatthalle, verschlammte Fahrzeuge, zerstörte Gleise. Der Schienenersatzverkehr wurde schnell zum Nerventest. Es gab Staus, überfüllte Busse, verpasste Anschlüsse.
Hochwasser 2024: Schäden an Zügen und Technik
Seit dem Frühjahr kam das „Wiesel“ schrittweise zurück. Erst bis Rudersberg, später bis Rudersberg-Nord. Doch der Abschnitt nach Oberndorf blieb blockiert. Der Grund: eine defekte Steuerplatine am Bahnübergang Siemensstraße. Am dortigen Kreisel sorgt eine komplexe Ampelsteuerung für reibungslosen Verkehr. Doch ohne funktionierende Kommunikation zwischen Zug und Anlage durfte kein Zug passieren.
Die Ersatzteile ließen monatelang auf sich warten. Zwar kam die entscheidende Platine Ende August endlich an, wurde eingebaut und getestet. Doch die Kommunikation zwischen Zug und Lichtsignalanlage funktionierte nicht zuverlässig. Immer wieder mussten Software und Steuerung nachjustiert werden. Das Landratsamt sprach von Arbeiten „unter Hochdruck“, doch erst jetzt konnten die Probleme endgültig gelöst werden.
Technische Verzögerungen belasten Pendler
Für Fahrgäste bedeutete das weitere Wochen mit Bussen statt Zügen. Besonders die erste Schulwoche nach den Sommerferien war von Frust geprägt: Während Schüler im überfüllten Ersatzverkehr standen, war die Bahnlinie nur bis Rudersberg-Nord nutzbar. Eltern klagten über verlängerte Wege, Pendler über verspätete Anschlüsse.
Jetzt jedoch sind die Weichen gestellt – auch technisch. Der Bahnübergang Siemensstraße läuft stabil, die Signale reagieren zuverlässig, und der Betrieb auf der gesamten Strecke konnte wieder aufgenommen werden.
Regioshuttle-Triebwagen werden für je eine Million Euro erneuert
Parallel dazu stellte die Zweckverbandsversammlung am 18. September die Weichen für die Zukunft. Zwei stark beschädigte Regioshuttle-Triebwagen werden für jeweils rund eine Million Euro generalüberholt. „Nach der Reparatur sind sie praktisch wie neu“, heißt es aus den Vorlagen. Bis dahin sichern gemietete und gebrauchte Fahrzeuge den Betrieb – allerdings auf der Schiene nur im Stundentakt. Das Ziel aber ist: Der Halbstundentakt soll spätestens Ende des Jahres wieder möglich sein.
Für Schüler, die täglich pendeln, und Berufstätige aus dem oberen Wieslauftal ist das eine Entlastung. Auch Ausflügler in Richtung Streuobstwiesen und Michelauer Ölmühle können sich auf entspanntere Verbindungen freuen.
Versicherungsgelder fließen in Modernisierung
Die Flutschäden hinterließen ein Millionenloch, doch die Versicherungsgelder eröffnen neue Chancen. Neben Reparaturrücklagen investiert der Zweckverband in ein modernes Zugfunksystem. Das alte Bündelfunksystem läuft 2027 aus – das neue MCx-System basiert auf 4G/5G, ist cloudbasiert und ermöglicht Notrufe, Geofencing und Sprachaufzeichnung.
Für die Wieslauftalbahn bedeutet das einen Investitionsanteil von rund 203.000 Euro plus 17.000 Euro jährlich für Betrieb und Wartung. Förderprogramme des Landes können bis zu 75 Prozent der Kosten abdecken.
Wieslauftalbahn feiert Jubiläum trotz Krisen
Im Juni wurde dennoch gefeiert: 30 Jahre Wieslauftalbahn. 1995 von engagierten Bürgern und Kommunen gerettet, gilt sie seither als Rückgrat im Remstal. Dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr erneut ein Neuanfang nötig wurde, wirkt wie ein Déjà-vu – diesmal aber ausgelöst durch Naturgewalten, nicht durch politische Fehlentscheidungen.
Trotzdem hat das Tal bewiesen, dass es zusammenhält. Und dass es das Wiesel nicht so leicht aufgibt.
Lebensader für Schüler, Pendler und Ausflügler
Mit der Wiederinbetriebnahme nach Oberndorf endet eine Zeit voller Ersatzlösungen und Geduldsspiele. Ein Pendler aus Miedelsbach fasst die Erleichterung so zusammen: „Mit dem Wiesel ist das wieder etwas ganz anderes.“
Das Signal aus der Zweckverbandsversammlung ist klar: Die Bahn kommt nicht nur zurück – sie kommt moderner, stabiler und zukunftsfähiger.