Grundschulkinder suchen in Ditzingen am Glemsufer unter einer Brücke Schutz vor dem Starkregen. Damit haben sie sich jedoch in eine brenzlige Situation begeben.
So idyllisch die Glems im Sommer bei Hitze ist und animiert, die Füße im Wasser abzukühlen oder Modellboote fahren zu lassen, so gefährlich ist der Fluss bei Starkregen. Das wurde bei einem Großeinsatz von Rettungskräften am Sonntagnachmittag in Ditzingen in der Glemsaue mehr als deutlich: Zwei Mädchen hatten unter der Brücke zwischen der katholischen Kirche und dem Festplatz Schutz vor dem Starkregen gesucht. Eine Passantin, die zuvor die Kinder im Grundschulalter am Flussufer hatte herumklettern sehen, machte sich Sorgen und wählte den Notruf.
Die Sache ging glimpflich aus. Die Feuerwehr holte die angesichts des von ihnen ausgelösten Trubels überforderten Kinder später zurück auf den Fußweg.
Ihr Handeln hätte aber auch ganz anders ausgehen können. Die Mädchen hätten in die Glems hineinfallen können, sich den Kopf anschlagen oder anderweitig verletzen, schlimmstenfalls ertrinken können. „Die Kinder sind bei einem Gefahrenbereich runter zur Glems“, beschreibt Andreas Häcker das Szenario. Laut dem Abteilungskommandanten und Sprecher der Ditzinger Feuerwehr, der am Sonntag mit vor Ort war, war die Strömung an jener Stelle relativ stark.
Gefährliche Strömungen in der Glems
Andreas Häcker erinnert sich an das Hochwasser im Jahr 2010. „Irre“ sei die Strömung der Glems damals gewesen, sagt er. Aus purem Jux und Tollerei, um eine Runde zu schwimmen, hätten sich Jugendliche bewusst in die Fluten gestürzt – und in der Folge massive Probleme gehabt, die Uferböschung wieder zu erreichen. Das sei erst nach einigen Hundert Metern gelungen. Man stelle sich vor, einer der Jugendlichen wäre – aus welchen Gründen auch immer – vorher bewusstlos geworden.
Normalerweise, sagt Andreas Häcker, betrage die Fließgeschwindigkeit der Glems einen halben bis einen Meter pro Sekunde – und sei damit beherrschbar. „Bei Starkregen verbunden mit Hochwasser ist die Geschwindigkeit schnell um das Zwei- bis Dreifache erhöht.“
Gefährliche Strömungen kämen bei heftigem Regen in der vergleichsweise kleinen Glems auch ganz plötzlich – anders als das bei großen Flüssen der Fall sei.
Die Glems, die auf einer Länge von 1600 Metern durch Ditzingen fließt, schwillt bei Starkregen ordentlich an – wenngleich der Pegel binnen einer Stunde wieder runter sei. „Das alles macht die Sache schwerer kalkulierbar“, sagt Andreas Häcker. Entlang der Glemsaue sei der Fluss für gewöhnlich zehn bis 15 Zentimeter tief. Bei Hochwasser können es aber ein bis zwei Meter werden.
Ein Mensch treibt selten lebend im Fluss
Typisches Ertrinken wie im Freibad, See oder Meer passiere in einer durchschnittlich gefüllten Glems eigentlich nicht, sagt Andreas Häcker. Häufiger sei in Gewässern mit wenig Wasser das sogenannte sekundäre Ertrinken, etwa nach einem Sturz, wenn er zu Bewusstlosigkeit führt. Andreas Häcker erzählt, in den vergangenen 40 Jahren habe es etwa fünf Notfalleinsätze an der Glems gegeben. In drei Fällen sei die Person tot gewesen, davon beging eine von ihnen Suizid. „Dass ein Mensch lebendig in dem Fluss treibt, gibt es sehr selten.“
Andreas Häcker rät jedem, sich bei Starkregen und Hochwasser von angeschwollenen Gewässern und überfluteten Bereichen fernzuhalten. Und Gefahr durch Wasserstrudel besteht zum Beispiel, wenn es durch offene Kanaldeckel auf einer Wiese zu einer Sogwirkung im Kanalsystem kommt.