Derzeit ist immer noch offen, wie es im nächsten Jahr im europäischen Top-Football weitergeht. Einige Clubs bauen darauf, dass es der European League of Football (ELF) nun doch gelingen wird, einen Spielbetrieb zu organisieren. Andere setzen voll auf das Investoren-Konstrukt namens American Football League Europe (AFLE). Offene Fragen? Gibt es bei beiden Projekten jede Menge. Weshalb eines klar ist: Die sichere sportliche Perspektive, die Stuttgart Surge womöglich geholfen hätte, sich doch noch irgendwie aus der schwierigen finanziellen Situation herauszuwinden, besteht bis heute nicht. Dass der angeschlagene Meister Ende November den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, bleibt folglich auch im Rückblick die korrekte Vorgehensweise. Mittlerweile ist der Prozess auf der nächsten Stufe angekommen.
Sebastian Mielke, der vorläufige Insolvenzverwalter aus der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler, hat sein Gutachten fertiggestellt. Es geht nun an das Insolvenzgericht am Amtsgericht Stuttgart – verbunden mit einer Empfehlung des Anwalts: „Ich werde die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorschlagen.“
Stuttgart Surge: zahlungsunfähig und überschuldet
Dass Stuttgart Surge zahlungsunfähig war, ließ sich schon kurz nach dem unfreiwilligen Abschied des ELF-Champions aus einer Aussage Mielkes herauslesen („Aus meiner Sicht war der Insolvenzantrag zwingend geboten“). Nicht unwahrscheinlich ist, dass der Anwalt nun auch zum Schluss kam, dass zudem eine Überschuldung vorlag. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Höhe der Schulden die vorhandenen Vermögenswerte übersteigt, die im Fall von Stuttgart Surge hauptsächlich aus getragener Ausrüstung bestehen dürfte. „Alle Schritte, die von der Betreibergesellschaft eingeleitet worden sind“, erklärt Sebastian Mielke, „waren richtig und überfällig.“
In den nächsten Tagen wird sich das Insolvenzgericht mit dem Gutachten von Sebastian Mielke befassen. Der Anwalt geht davon aus, dass Anfang Januar das Insolvenzverfahren eröffnet und er offiziell als Insolvenzverwalter eingesetzt wird. Gut möglich ist, dass er sich anschließend nicht nur mit den Gläubigern des Football-Champions unterhält, sondern auch weitere Gespräche mit Leuten führt, die Interesse an der Marke „Stuttgart Surge“ haben. „Erste Kontakte gab es bereits“, sagt Sebastian Mielke, „es ist nicht ausgeschlossen, dass im American Football unter dem Namen Stuttgart Surge irgendwann wieder etwas Neues entsteht.“