Nach massiven Investitionen in Crailsheim Bürger Maultaschen will Ditzingen treu bleiben

Die Maultasche wird heute in etlichen Varianten hergestellt. Foto: dpa/Marijan Murat

Bürger ist ein Marktführer, der seine Wurzeln in der Region Stuttgart hat und jüngst massiv im Landkreis Schwäbisch Hall investiert hat. Gleichwohl bekennt sich das Familienunternehmen zu Ditzingen.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Irgendwann gab es die glutenfreien Maultaschen nicht mehr im Kühlregal. Bürger hatte die Produktion eingestellt, eine Entscheidung der Geschäftsführung. Zu groß der Aufwand, zu gering der Ertrag. Ein Jahr später, im Sommer dieses Jahres, waren sie wieder da. „Rein aus wirtschaftlichen Gründen müssten wir es lassen“, sagt Geschäftsführer Martin Bihlmaier auch heute noch. Doch das Familienunternehmen reagierte auf die Mails von Betroffenen, die Briefe von Kindern, die Intervention der deutschen Zöliakie-Gesellschaft. Die Erkenntnis, dass es zumindest aus Kundensicht keine Alternative gebe, ließ die Geschäftsführung des Familienunternehmens umdenken.

 

Martin Bihlmaier ist seinen 1100 Mitarbeitern verpflichtet. Aber ebenso der Tradition. Er sagt es nicht so, erzählt stattdessen von der Mayonnaise. Jenen zwei, drei Paletten, die alle paar Wochen produziert werden. Sie habe treue Abnehmer, sei heute aber eher ein Hobby, sagt Bihlmaier. Aber er ergänzt eben, dass er daran festhalte. Denn „da kommen wir her.“

Richard Bürger hatte das Unternehmen 1934 in Stuttgart Feuerbach gegründet, um Mayonnaise und Salate zu produzieren. Er begann mit zwei Mitarbeiterinnen und einem Fahrer. Heute, 90 Jahre später, produziert Bürger 350 Tonnen Lebensmittel täglich.

Bürger hat zwei Standorte: Ditzingen und Crailsheim im Kreis Schwäbisch Hall. Die Maultaschen gehen allerdings ausschließlich in Crailsheim vom Band.

Bürger Maultaschen in Ditzingen Foto: Simon Granville

Der Verwaltungssitz von Bürger, nach eigenen Angaben Marktführer in Sachen Maultaschen, ist aber in Ditzingen. In Ditzingen werde produziert, was in Crailsheim nicht produziert wird, in Crailsheim wiederum, was nicht Bestandteil der Produktion in Ditzingen sei.

Größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte

Das Unternehmen hatte zuletzt in Crailsheim investiert, eine Kältezentrale und ein Logistikzentrum errichtet. Dabei handelte es sich nach Unternehmensangaben um die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Es gibt zwei automatische Hochregallager, die Stellplätze für insgesamt 16 000 Paletten bieten, dazu etliche Versandrampen. Mit der Tagesproduktion von 2,5 Millionen Maultaschen ließen sich anderthalb Fußballfelder belegen.

Während das Unternehmen in Crailsheim expandiert, bleibt dafür in Ditzingen wenig Raum. Der Verwaltungssitz befindet sich in einem gewachsenen Gewerbegebiet. Anders als in Crailsheim ist Wachstum dort nicht durch zusätzliche Neubauten möglich.

Ende der 1970er-Jahre war Bürger von seinem Gründungssitz in Stuttgart-Feuerbach dorthin gezogen. Die Verwaltung wuchs, wurde erweitert, der Produktionsstandort wurde im Bestand gepflegt. Heute entsteht dort vor allem, was für den einzelnen Endverbraucher verborgen bleibt. Darunter befinden sich laut Bihlmaier „Tiefkühlprodukte für die Heimdienste“ , aber eben auch Kutteln, Ochsenmaulsalat und Mayonnaise. 120 Spezialitäten werden nur hier gemacht, teilt Bürger mit.

Verwurzelt in der Tradition zu sein, ist das eine. Neue Produkte zu entwickeln, das andere. Kundenwünsche spielen dabei eine Rolle, ebenso Impulse aus der Küche ferner Länder. Das Unternehmen soll jung und innovativ wirken, sagt Bihlmaier. Die inzwischen deutlich farbigeren Produktverpackungen, die Ausdehnung der Werbung, der Versuch, die Maultasche auch den Norddeutschen schmackhaft zu machen, all das zählt dazu. Er habe Angst davor, dass Bürger irgendwann einmal als alt wahrgenommen werde, sagt der Geschäftsführer. Ganz gleich aber ob – zeitlich begrenzt – Weißwurst, Maultasche oder Gnocchi mit Rote Bete produziert werden: mitentscheidend sei die Qualitätskontrolle. „Ich glaube, das wir nur mit Qualität überzeugen“, sagt Bihlmaier. Daran hat sich bis heute nichts geändert

Es ist, als würde das helle Holzbrett in Martin Bihlmaiers Büro täglich daran erinnern. Das Brett, etwas länger als einen Meter, hat 13 mehrere Zentimeter breite Einkerbungen. Damit begann 1963 die Maultaschenproduktion. Der Teig kam damals vom Bäcker, Mitarbeiterinnen füllten die Teigtaschen von Hand.

Martin Bihlmaier hat die Form von seinem Vater Richard übernommen. Der heute 51-Jährige führt das Unternehmen in dritter Generation. Vater Richard, ein Kaufmann, hatte zunächst als Koch und Metzger in Deutschland und in den USA volontiert, ehe er 1961 zu Bürger kam. Später folgte er als Chef auf seinen Vater Erwin Bihlmaier. Der hatte das Unternehmen von Namensgeber Richard Bürger übernommen. Die Familien Bürger und Bihlmaier hatten sich gekannt. Sie hatten Tür an Tür in Stuttgart-Feuerbach gewohnt.

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