Der deutsche Blick auf die Militärindustrie hat sich verändert. Das hängt in allererster Linie mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zusammen. Seitdem hat die Branche eine enorme Aufwertung erfahren. Eine große Mehrheit der Bevölkerung hält den Einsatz von Waffentechnik heute nicht mehr für unethisch, sondern im Verteidigungsfall für legitim. Gleichzeitig steigen mit einer russischen Bedrohung in Europa auch die Militärausgaben, was das Geschäft auch finanziell zunehmend interessant macht.
Trumpf-Technologie nichts als Waffe gegen Menschen
Zu dieser Entwicklung passen die aktuellen Aussagen der Geschäftsleitung des Ditzinger Laserkonzerns Trumpf gegenüber dieser Zeitung, es in Erwägung zu ziehen, in die Produktion von Militärtechnik einzusteigen. „Maßgeblich bleibt, dass Trumpf-Technologie nicht als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird“, schränkt Konzern-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller ein.
Interessant könnte dieser Bereich auch aus einem anderen Grund gerade für in der Autoindustrie tätige Unternehmen werden. Die während der Transformation auftretenden Rückgänge könnten so möglicherweise aufgefangen, die Belegschaft gehalten und Werke wieder ausgelastet werden. Bereits tätig im Rüstungsgeschäft ist der Autozulieferer ZF. Das Unternehmen mit der Zentrale in Friedrichshafen stellt unter anderem Getriebe für Militärfahrzeuge her.
Die Nachfrage bei den regionalen Automobilherstellern und ihren großen Zulieferern ergibt ein erstes Bild.
Daimler Truck
Der Lkw-Hersteller mit der Zentrale in Leinfelden-Echterdingen produziert schon seit Jahren für die militärische Verteidigung. „Daimler Truck setzt auf Wachstum im Defence-Bereich“, so das Statement. Es gebe im Gesamtunternehmen ein klares Bekenntnis dazu. Aktuell gebe es einen großen Auftrag der kanadischen Streitkräfte für einen Spezial-Lkw. Außerdem werde das Portfolio ausgebaut, zum Beispiel mit dem Modell Zetros, der ein geschütztes Führerhaus aufweist.
„Weiterhin macht der Defence-Bereich nur einen kleinen Anteil des Gesamtumsatzes von circa einem Prozent aus“, heißt es von Daimler Truck weiter. Unter dem Verweis: „Unsere Lkw liefern wir ausschließlich unter strikter Beachtung der anwendbaren Exportkontroll- und Sanktionsbestimmungen an unsere Geschäftspartner aus.“ Bereits die Bundesregierung lege bei der Entscheidung über die Erteilung von Ausfuhrgenehmigungen sehr strenge Maßstäbe an. Darüber hinaus würden eigene kritische Überprüfungen stattfinden und auch Geschäfte abgelehnt, die rechtlich durchführbar wären.
„Zu möglichen zukünftigen Planungen äußern wir uns nicht“, lautet zunächst einmal die Antwort des Konzerns. Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Mercedes-Benz Group AG baut zivile Fahrzeuge.“ Diese könnten nach Angaben einer Unternehmenssprecherin in entsprechenden Sonderausführungen kundenspezifische Anforderungen erfüllen – zum Beispiel für Rettungs- und Sicherheitseinsätze. „Die Ausstattung unserer Fahrzeuge umfasst keine Bewaffnung“, heißt es noch.
Gleich zu Beginn der Erklärung betont Bosch, kein Rüstungsunternehmen zu sein, genauso wenig sei das Militärgeschäft ein strategisches Geschäftsfeld von Bosch. Allerdings könnten viele Boschprodukte in militärischen Produkten und wehrtechnischen Gütern für entsprechende Zwecke eingebaut werden. „So hat Bosch auch direkte oder indirekte Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen, die Militärgüter produzieren oder für die Rüstungsindustrie arbeiten.“ So tauchen beispielsweise Bauteile von Bosch in Panzern auf.
Dass Bosch-Produkte auch in falsche Hände geraten können, lässt sich dabei offenbar nur schwer verhindern. Ein Beispiel dafür ist eine Kamera, die wohl vom Iran für Aufnahmen von Demonstranten verwendet wurde. Wobei die Lieferung zuvor in ein unverdächtiges Land erfolgt war.
„Diese Frage stellt sich für die Porsche AG nicht“, lässt der Sportwagenhersteller verlauten. Während Autozulieferer Mahle von einer Sprecherin sagen lässt, die Entwicklung in diesem Bereich aufmerksam beobachten zu wollen: „Es wäre aber zu früh, sich jetzt dazu zu äußern.“