Es liegt in der Natur einer Ausnahmesituation, dass danach Fragen auftauchen: Wie konnte das passieren, hätte man das verhindern können und – hat die Polizei richtig gehandelt? Am Montagabend hat ein weiterhin flüchtiger Täter auf einen 23-Jährigen geschossen und ihn dabei lebensgefährlich verletzt. Laut eigenen Recherchen ist der Angriff wohl Teil einer Serie von Gewalttaten, dahinter sollen zwei Security-Firmen stehen. Ein Unternehmen versucht auf den Konkurrenten offenbar mit Gewalt einzuwirken. Aus Gesprächen mit dem Tammer Bürgermeister, mit einer Quelle, die anonym bleiben möchte, und mit Blick auf die Kommentare der Leserschaft kristallisieren sich dabei drei offene Fragen zum Vorgehen der Polizei heraus.
Eine Quelle berichtet, die Opfergruppe hätte sich mehr Hilfe und Schutz von der Polizei gewünscht. Mitarbeiter des Unternehmens würden sich nicht mehr sicher fühlen und hätten Angst vor weiteren Angriffen. Die Polizei teilt daraufhin mit, dass frühzeitig Maßnahmen im Rahmen des Opferschutzes getroffen wurden, „die mit den jeweiligen Personen abgestimmt waren“, so ein Sprecher. Details dazu könnten aus taktischen Gründen nicht mitgeteilt werden.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
Nach der Tat in Tamm am Montagabend hat die Polizei bekannt gegeben, dass aktuell für die Bevölkerung in Tamm keine Gefahr bestehe. Bürgerinnen und Bürger stellen sich daraufhin unter einem Facebook-Beitrag der Polizei die Frage: „Wieso sollte es keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen, wenn jemand mit einer Knarre flüchtig ist und sich nicht davor scheut Menschen zu erschießen?“ Die Täter haben offenbar ein Ziel und eröffnen das Feuer nicht wahllos auf Passanten – dennoch scheinen Teile der Bevölkerung besorgt zu sein, zwischen die Fronten zu geraten und von Querschlägern getroffen zu werden.
Die Einschätzung, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe, sei völlig korrekt gewesen und habe darauf basiert, dass sich die Tat gezielt gegen eine Person gerichtet hätte und nicht etwa wahllos auf Passanten geschossen wurde, heißt es von Seiten der Polizei. „Zudem gab es hinreichende Erkenntnisse, dass der Tatverdächtige vom Tatort geflohen und nicht mehr vor Ort war“, sagt ein Sprecher. Durch die Meldung habe man somit insbesondere den Anwohnerinnen und Anwohnern im Tatortbereich signalisieren wollen, dass zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu befürchten war, dass weitere Schüsse in Tamm abgegeben werden.
Kommunikation zwischen Stadtspitze und Polizei
Martin Bernhard, Bürgermeister von Tamm, hatte im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, dass er sich in so einer Situation künftig wünsche, früher von der Polizei informiert zu werden, um auf besorgte Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern besser eingehen zu können. „Die Kontakte zur Polizei sind sehr spärlich trotz meines Bemühens“, sagt er. Sieht es die Polizei als ihre Aufgabe die Stadtspitze zu informieren? „Eine vertrauensvolle Kommunikation der Polizei mit anderen Stellen und Behörden findet im erforderlichen Umfang und im rechtlich zulässigen Rahmen statt“, heißt es dazu von einem Pressesprecher.