Nach Tunnelbrand bei Leonberg Eine Ausbildung, die leben rettet – aber keiner will zahlen

Wenn es brenzlig wird im Engelbergtunnel, muss bei den Feuerwehrleuten jeder Handgriff sitzen. Denn im Ernstfall geht es um Menschenleben. Foto: KS-Images.de/Andreas Rometsch

Der Brand im Engelbergtunnel hat gezeigt, wie wichtig gut ausgebildete Feuerwehrleute sind. Derzeit bleibt Leonberg auf den Kosten für spezielle Tunnel-Fortbildungen sitzen.

Tunnelbrände wie vor zwei Monaten im Engelbergtunnel bei Leonberg stellen besondere Anforderungen an Feuerwehrleute: extreme Hitze, dichter Rauch, lange Wege, eingeschränkte Fluchtmöglichkeiten. Um für solche herausfordernden Einsätze gerüstet zu sein, lässt die Stadt Leonberg ihre Feuerwehrleute an der Europäischen Feuerwehrakademie in der Schweiz schulen. Doch wer soll für die Kosten dieser Spezialausbildung aufkommen?

 

Der Engelbergbasistunnel, der auf gut 2500 Meter Länge unter Gerlingen und Leonberg durch den Engelberg auf der A 81 hindurchführt, ist einer der meistbefahrenen Autobahntunnel Deutschlands und liegt auf einer der am stärksten frequentierten Strecken des Landes. Im Schnitt 120 000 Fahrzeuge passieren ihn täglich. Eine eigene Tunnelfeuerwehr gibt es aber nicht.

Für Ordnung auf Autobahnen ist nicht Verkehrsministerium zuständig

Zwar ist die A 81 eine Bundesautobahn und liegt damit im Verantwortungsbereich der Autobahn GmbH Südwest, somit auch der Engelbergtunnel. Die Autobahn GmbH ist jedoch nach eigenen Angaben nicht für Notfalleinsätze zuständig. „Die Hilfeleistung und Gefahrenabwehr bei Bränden und öffentlichen Notständen zählen nicht zum Inhalt der Straßenbaulast, weil sie nicht der Sicherheit der Straßenbenutzung, sondern der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dienen“, erklärt Pressesprecherin Petra Hentschel.

Für Ausstattung und Unterhaltung der örtlichen Feuerwehren seien die Kommunen zuständig, in diesem Fall also Leonberg und Gerlingen. „Somit liegt die Durchführung von Schulungen und Seminaren im Zuständigkeitsbereich und in der Eigenverantwortung der Feuerwehr selbst“, erklärt Hentschel. Und damit auch die Finanzierung.

Am 3. März brennt ein Lkw mit Anhänger im Engelbergtunnel. Es folgt der größte Rettungseinsatz, den es im Tunnel je gegeben hat mit über 400 Einsatzkräften. Foto: KS-Images.de

Seit 2019 wird der Engelbergtunnel für ungefähr 130 Millionen Euro saniert, zunächst unter der Fahrbahn, seit 2021 auch im Fahrbahnbereich. Bevor die Sanierung gestartet ist, hat das damals noch zuständige Regierungspräsidium Stuttgart (RPS) den Feuerwehren aus Leonberg, Gerlingen sowie auch Ditzingen 2018 eine Weiterbildung der Europäischen Feuerwehr-Akademie in der Schweiz bezahlt.

Seitdem schickt die Feuerwehr Leonberg alle zwei Jahre Mitglieder zu dieser Fortbildung. „Das kostet etwa 50 000 Euro für 24 Personen“, berichtet der Leonberger Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann, aktuell zahle dies komplett die Stadt Leonberg. „Deshalb können wir nur ausgewählte Leute hinschicken“, bedauert er.

215 Mitglieder zählt die aktive Einsatzabteilung der Leonberger Feuerwehr, fast alle sind ehrenamtlich aktiv. Nur acht bei der Stadt Festangestellte gibt es, darunter aber auch Mitarbeiter mit rein administrativen Aufgaben.

Die Gerlinger Feuerwehr, die bis auf einen bei der Stadt angestellten Gerätewart nur aus Ehrenamtlichen besteht, hat seit der vom RPS bezahlten Weiterbildung keinen Tunnel-Workshop in der Schweiz mehr absolviert. „Wir kämpfen gerade dafür. Wir haben junge Einsatzkräfte, die wir gern dafür ausbilden würden“, sagt Dennis Klos, Pressesprecher der Gerlinger Feuerwehr.

Denn nur in der Übungsanlage in der Schweiz könne man einen Einsatz in einem Tunnel richtig nachstellen. „Diese Enge, der Rauch, links und rechts Autos – das kann man nur dort trainieren“, verdeutlicht er. Wenn die Brandbekämpfer diese speziellen Trainings nicht finanziert bekämen, dann müsse sich die Autobahn GmbH vielleicht überlegen, selbst eine solche Tunnelübungsanlage zu bauen. Der Engelbergtunnel ist immerhin nicht der einzige Tunnel mit Fahrzeugverkehr in Deutschland.

„Wir sind die, die da reinmüssen“

„Es kann nicht sein, dass man an dieser Stelle spart. Wir brauchen diese Ausbildung“, kritisiert Blos. Für die Feuerwehrleute geht es bei den Einsätzen nicht nur darum, Menschen zu retten und Eigentum zu schützen, sondern auch selbst den Einsatz schadlos zu überstehen. „Wir sind die, die da reinmüssen.“

Einsätze im Engelbergtunnel haben ihre Tücken. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz

Die Autobahn GmbH verweist in ihrer Antwort auf die Anfrage unserer Zeitung auf eine Verwaltungsvorschrift des Landesinnenministeriums über Zuwendungen für das Feuerwehrwesen. Eine Nachfrage beim Innenministerium ergibt: Alle Gemeinden in Baden-Württemberg erhalten einen jährlichen Pauschalbetrag in Höhe von derzeit 90 Euro je aktivem Mitglied, egal ob Ehrenamtliche oder Berufsfeuerwehr.

Was das Spezialfach der Tunnelrettung betrifft, so finanziere das Land auch entsprechende Fortbildungslehrgänge an der genannten Internationalen Feuerwehr-Akademie in der Schweiz. Daran teilnehmen würden einzelne Vertreter verschiedener Feuerwehren. Diese „Ausbildungsmultiplikatoren geben ihr Wissen dann auf örtlicher Ebene an die anderen Feuerwehrangehörigen weiter“, heißt es aus dem Innenministerium. Diese Praxisseminare umfassen zweieinhalb Tage für 24 Personen. Kosten für weitere Ausbildungen müssten die Kommunen aber selbst tragen.

Stadt Leonberg hält an Spezialausbildung fest

„Es wäre sehr wünschenswert, wenn auch die Autobahn AG in diesem Bereich Unterstützung leisten könnte, da die umliegenden Feuerwehren ebenfalls in den Tunnelbetrieb eingebunden sind und über einen vergleichbaren Wissensstand verfügen müssen“, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt Leonberg bestätigt auf Nachfrage, bei der Autobahn GmbH Gelder für die Workshops in der Schweiz beantragt zu haben, was aber abgelehnt worden sei.

Dennoch will man in Leonberg weiter selbst in die Tasche greifen, um die eigenen Feuerwehrleute bestmöglich auf Einsätze im Engelbergtunnel vorzubereiten. Leonbergs Oberbürgermeister Tobias Degode betont: „Der Brand im Engelbergtunnel hat gezeigt, dass die Einsatzkräfte im Ernstfall ein eingespieltes Team sind und die Abläufe funktionieren.“

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