Nachbar berichtet von tödlicher Tat in Esslingen „Ich kriege die Schreie und Schüsse nicht aus dem Kopf“

Qadir Khan hat mit den Erlebnissen von Donnerstag schwer zu kämpfen. Foto: STZN/Dürr

Qadir Khan wird am Donnerstag in der Esslinger Altstadt von Schüssen und Schreien geweckt. Der 24-Jährige war einer der ersten, die den Notruf wählten. Nach wie vor kann er nicht zurück in seine Wohnung, die in unmittelbarer Nähe zum Tatort liegt.

Baden-Württemberg: Florian Dürr (fid)

Qadir Khan hat eine unruhige Nacht hinter sich. Nach dem Brand und den Schüssen in einem Haus in der Esslinger Altstadt in unmittelbarer Nähe zu seiner Wohnung hat der 24-Jährige auch einen Tag später noch mit den Erlebnissen von Donnerstagmorgen zu kämpfen. „Ich habe Angst. Der Mann hätte auch uns etwas antun können“, sagt Khan.

 

Der mutmaßliche Täter, ein 61-jähriger Mieter, der den 31-jährigen Sohn seines Vermieters und sich selbst tötete sowie für den Brand verantwortlich sein soll, war quasi Khans Nachbar. Die dramatischen Szenen spielten sich an der Adresse „Am Kronenhof 9“ ab. Auch das Gebäude mit der Hausnummer 11, in dem Khans Wohnung liegt, ist vom Feuer beschädigt worden.

Wann er wieder zurück in seine Wohnung kann, weiß Khan nicht

In einem Hotel sei er vergangene Nacht untergekommen, darum habe sich die Stadt Esslingen gekümmert, erzählt er. Wie eine Sprecherin mitteilte, wurden mit Khan aus dem Haus insgesamt sieben Personen über Nacht im Hotel untergebracht, andere kamen bei Verwandten unter. Die Stadtverwaltung bringe diese Personen an diesem Freitag vorübergehend in einer Obdachlosenunterkunft unter.

Wann er wieder zurück in seine Wohnung kann, weiß Khan nicht. Das kann auch die Stadt Esslingen noch nicht beantworten. Denn die Nachbarhäuser mit den Nummern 7 und 11 müsse nun ein Statiker prüfen. „Bis das Ergebnis der Prüfung vorliegt ist der Zugang zu den Gebäuden nicht möglich und der Bereich um die Gebäude abgesperrt“, erklärt Baubürgermeister Hans-Georg Sigel.

Khan rannte nach draußen und weckte weitere Nachbarn

Immerhin sein Handy habe die Polizei aus seiner Wohnung geholt und ihm übergeben, erzählt Khan. Jetzt versucht der 24-Jährige noch an seine Arbeitskleidung zu kommen, über eine Zeitarbeitsfirma ist er bei der Deutschen Bahn beschäftigt. Die Dienstpläne seien schon gemacht, sagt er. Vielleicht ist Ablenkung in dieser Situation das richtige Mittel.

Die Geschehnisse von Donnerstagmorgen wird Khan nie vergessen. „Ich bin heute Nacht drei, viermal aufgewacht, weil ich diese Geräusche, die Schüsse und die Schreie nicht aus meinem Kopf bekomme“, erzählt er. Er habe quasi gar nicht geschlafen. Als der 24-Jährige am Donnerstag gegen 7 Uhr von den lauten Knallgeräuschen aufgeschreckt wurde, rannte er sofort nach draußen, sah das Nachbarhaus brennen, weckte weitere Nachbarn. Khan war einer der ersten, die den Notruf wählten. Die Minuten des Wartens auf die Polizei, sagt Khan, fühlten sich an wie eine Ewigkeit.

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