Zentrale Funktion: Carmen Klitzsch-Müller Foto: Alex Wunsch
Carmen Klitzsch-Müller spielt als Betriebsratschefin von Daimler Truck Stuttgart eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Ein-Milliarde-Euro-Sparpakets. Ihr Zwischenfazit.
Vor knapp einem Jahr hat sich der Gesamtbetriebsrat von Daimler Truck unter der Leitung von Michael Brecht mit der Geschäftsführung des Lkw-Herstellers auf Maßnahmen zur Kostensenkung geeinigt. Das Unternehmen will insgesamt eine Milliarde Euro bis 2030 sparen. An der Kompromisslösung zum Sparpaket „Cost Down Europe“ hat auch Carmen Klitzsch-Müller als Betriebsratschefin des Daimler-Truck-Standorts Stuttgart mit der Zentrale in Leinfelden-Echterdingen einen großen Anteil.
Frau Klitzsch-Müller, kurz nach der Einigung vor einem Jahr rechnete die Daimler-Truck-Finanzvorständin Eva Scherer vor, dass das Sparpaket 5000 Stellen kosten wird. Das hat Ihnen damals nicht so gut gefallen.
Sehr vorsichtig ausgedrückt. Das war ein Schock. Vor allem auch für den Standort Stuttgart, wo mit Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb gleich mehrere Bereiche betroffen sind. Unnötige Unruhe hätte vermieden werden können, wenn diese Zahl nicht genannt worden wäre. Wir vom Betriebsrat haben auf jeden Fall keine konkrete Abbauzahl vereinbart.
Aber irgendwann geht es zwangsweise um Stellen, die gestrichen werden?
Mit der Geschäftsführung ist vereinbart worden, zunächst individuelle Zielbilder für die einzelnen Standorte zu erstellen und anhand derer, Lösungen zu suchen, wie und wo eingespart wird. Es geht mir darum, nicht alles über einen Kamm zu scheren. Zumal ja auch erwähnenswert ist, dass von der Ein-Milliarde-Einsparung 600 Millionen auf Materialkosten entfallen und dass betriebsbedingte Kündigungen frühestens 2035 möglich sind.
Das heißt?
Dass keine Panik geschürt werden muss, sondern konstruktiv an einer gemeinsamen Lösung gearbeitet werden kann. Dabei steht für uns im Betriebsrat die intelligente Steuerung im Mittelpunkt. Dabei geht es darum, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen, deren Stellen perspektivisch wegfallen, frühzeitig intern auf neue Jobs zu vermitteln.
Die Daimler-Truck-Zentrale in Leinfelden-Echterdingen Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Sieht das die Geschäftsführung auch so?
Die Geschäftsführung ist nach dem Störfeuer in einen zielorientierten und sachlichen Austausch mit uns eingetreten, was zu einer deutlichen Entspannung der Situation beigetragen hat. Wir stehen jetzt in einem engeren Austausch und sprechen über viele Dinge wie Verlagerungsthemen, Outsourcing und Risikoanalyse. Aber es gibt ja auch positive Nachrichten.
Und die wären?
Das mit dem Unternehmen vereinbarte Zielbild zum Standort Stuttgart nimmt immer mehr Gestalt. Daimler Truck investiert in neue Gebäude in Leinfelden-Echterdingen im Fasanenweg 11. Wir haben bereits 1000 Kolleginnen und Kollegen in der Sternenhöhe in Möhringen, und wir erhalten einen neuen Standort auf den Fildern, wo Teile der Forschung und Entwicklung aus Untertürkheim einziehen werden. Nach einer mehrjährigen Hängepartie erhalten die Kolleginnen und Kollegen jetzt Klarheit, wie es weitergeht.
Es ist also wieder mehr Ruhe bei Daimler Truck eingekehrt?
Ja, jedenfalls in vielen Bereichen. Dazu trägt auch eine Betriebsratsideenbörse bei. Dort speisen die Kolleginnen und Kollegen ein, wo und wie in ihrem Bereich eine höhere Effizienz erzielt werden kann. Da geht es aber nicht nur um die Verschlankung von Strukturen, sondern beispielsweise auch um neue Produkte und Services. Diese Möglichkeit stößt auf eine große Resonanz in der Belegschaft, auch weil so das Gefühl entsteht, nicht vollkommen fremdgesteuert zu sein.
Und wann kann dann über Stellenabbau gesprochen werden?
Noch liegen nicht alle Zielbilder der Standorte vor. Außerdem muss die zu erwartende Geschäftsentwicklung berücksichtigt werden. Gerade der Bereich Special Truck, zu dem auch militärische Fahrzeuge gehören, entwickelt sich sehr positiv. Hier werden neue Stellen geschaffen. Es gibt viel zu berücksichtigen, bevor der Stellenabbau beziffert werden kann. Wahrscheinlich lässt sich erst gegen 2030 genau sagen, wie viele Stellen weggefallen sind.
Unternehmen Die Daimler Truck Holding AG mit über 40 Standorten weltweit und rund 100 000 Beschäftigten. Sie entstand nach ihrer Abspaltung von der Daimler AG im Dezember 2021. Zu den Geschäftsfelder Daimler Truck und Daimler Buses gehören Marken wie Mercedes-Benz-Lkw und Mercedes-Benz-Bus, Setra oder Freightliner. Vorstandsvorsitzende ist Karin Radström.
Standorte Der Sitz der Daimler Truck Holding AG ist in Leinfelden-Echterdingen. Teile der Forschung und Entwicklung sind an den Standorten Stuttgart-Untertürkheim und Esslingen-Brühl untergebracht. Weitere Standorte in Deutschland sind Wörth, Gaggenau, Berlin, Kassel, Mannheim und Neu-Ulm. sto