Der Stuttgarter Arzt Suso Lederle ist mit 74 Jahren gestorben. Der Internist war überregional bekannt – als Persönlichkeit mit seiner fachlichen Kompetenz, aber auch mit seiner besonderen Art, auf Menschen einzugehen.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Wer in die Praxis des Internisten, Hausarztes und Allgemeinmediziners Suso Lederle kam, musste damit rechnen, dass neben Lederle ein junger Mensch saß, der neugierig die Untersuchungen und die folgende Besprechung verfolgte. Ein Student eben, der aus einer der medizinischen Fakultäten des Landes kam, um Praxisluft zu schnuppern. Lederle hat sie immer höflich vorgestellt, um ihnen den Freiraum zu geben, auch in schwierigen Behandlungssituationen dabei sein zu können und daraus zu lernen. Jetzt ist Lederle mit 74 Jahren gestorben. Im Sommer vergangenen Jahres hatte er seine Praxis am Charlottenplatz aufgegeben. Er wolle noch sein Privatleben genießen, bemerkte er damals.

 

Den Menschen stets zugewandt

Wobei Arbeit und Leben für Lederle kein Gegensatzpaar waren. Das eine gehört zum anderen. Lederle war den Menschen immer sehr zugewandt. Mit seiner fachlichen Kompetenz, aber auch mit seiner Art, besonders auf Menschen mit chronischen Krankheiten einzugehen. Deshalb war er nicht nur Arzt in seiner Praxis, sondern auch im öffentlichen Leben. Sehr viele Jahre etwa war er Moderator der Reihe „Gesundheit beginnt im Kopf“ bei der Volkshochschule Stuttgart. Da waren Fachleute eingeladen, die zu aktuellen Themen Stellung nahmen. Und da war stets Platz für die wiederkehrenden Probleme, die den Menschen in seinem Alterungsprozess nun mal begleiten. Lederle fand dazu stets eine griffige und allgemein verständliche Sprache. Deshalb war er auch immer wieder als Ratgeber beim öffentlich-rechtlichen sowie beim privaten Fernsehen gefragt. Außerhalb seiner Praxis war er viele Jahre Teamarzt bei den Stuttgarter Kickers und mehr als zehn Jahre Vorstand der Stuttgarter Tennisgesellschaft Geroksruhe.

Großes Interesse an Stuttgart

Blättert man weiter im Geschichtsbuch zurück, findet man ihn in den 1970er Jahren sehr engagiert im Sozialistischen Zentrum Stuttgart. Da setzte er sich unter anderem für Ärztezentren ein, also möglichst viele verschiedene Praxen in einem Gebäude. Er engagierte sich auch für ärztliche Austauschprogramme mit afrikanischen Ländern, die in diesen Jahren nach langer Kolonialherrschaft unabhängig wurden. In Stuttgart unterstützte Lederle Anfang der 1970er Jahre die Ziele der kritischen Daimler-Betriebsräte um Willi Hoss. Und Anfang der 1990er Jahre organisierte er Hilfstransporte ins Kriegsgebiet Jugoslawien. Lederle wusste stets gut Bescheid, was in der Stadt gesellschaftlich angesagt war. Es kamen Menschen zu ihm, die ihm in bestimmten Medien den Namen „Promi-Arzt“ einbrachten. Stets gut informiert war er auch, da er sich stets bei der SPD in Stuttgart engagiert hat. Stadtrat hat er mal werden wollen in Stuttgart, auch auf den Landtag hatte er Ambitionen. Doch die Wähler wollten ihn lieber als Arzt.