Der Werdegang des Höfingers Walter Hörnstein ist bemerkenswert. Eine schwere Erkrankung führte den Metzgermeister einst zu Aquarellen und Skulpturen. Nun ist er gestorben.
Walter Hörnstein hat einmal gesagt: „So wie ich es sehe und fühle, so will ich es auch machen. Und nicht so, wie es handwerklich vielleicht richtig wäre.“ 1993 war das, zu einem Zeitpunkt, als der Höfinger längst die ersten Gehversuche in Sachen Kunst hinter sich gebracht hatte und sich am Horizont die ersten Ausstellungen andeuteten.
Walter Hörnstein war Autodidakt, er brachte sich alles selbst bei
Die Aussage des 1939 in Stuttgart geborenen Künstlers ist als Teil eines großen Zusammenhanges zu sehen. Denn Walter Hörnstein hatte sich alles Künstlerische selbst beigebracht. Er war eigentlich Metzger, hatte 1964 die Prüfung zum Meister abgelegt und 1966 den elterlichen Betrieb übernommen. Zur Kunst brachte ihn erst eine schwere Krebserkrankung – im Jahr 1989 gaben ihm die Ärzte nurmehr wenige Monate. Also besorgte sich Walter Hörnstein Farben und Pinsel und malte drauflos, während er klassische Musik hörte.
Dann das Wunder: Der Krebs verschwand, was sich keiner der Fachleute erklären konnte. Hörnsteins Antwort auf die Frage, wie er das gemacht habe: „Ich habe in mich hineingehorcht.“ Er öffnete die Metzgerei wieder, allerdings reservierte er sich einen Tag in der Woche für die Kunst – so entstanden weitere Aquarelle und auch Holzskulpturen und Werke aus Knochen, an denen er sich schon vor der vermeintlich schlimmen Diagnose versucht hatte. 1995 folgte im Leonberger Gartencenter Kriesten schließlich die erste von vielen Ausstellungen.
Soziales Engagement und Initiator des Kunstmarktes
„Ich vergesse alles, was um mich herum ist, ich vergesse Hunger, Hitze, Kälte und Durst“, beschrieb er einst 1993 seine Leidenschaft für die Kunst, die er auch mit sozialem Engagement paarte. Im Leonberger Seehaus arbeitete er viele Jahre mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Er initiierte auch den Höfinger Kunstmarkt rund um sein Haus, gab dabei Künstlerinnen und Künstlern aus der Region und darüber hinaus die Gelegenheit, sich und ihr Schaffen zu präsentieren.
In Höfingen war Walter Hörnstein fest verwurzelt – ihn kannte quasi jeder. Was auch am imposanten Gasthaus lag, in dem er lebte. In der Kehre den Schlossberg hinauf ist es nicht zu übersehen. Mit Walter Hörnstein fehlt nun nicht nur ein Urgestein des Leonberger Teilortes, sondern auch eines der Kunstszene der Stadt. Er verstarb am vergangenen Dienstag.