Wie feiern Metropolenkinder? Der Trend lautet „sexpositiv“, also wild und erotisch. In Stuttgart soll die Premiere der queeren Party Blow am 18. Januar neue Maßstäbe setzen. Seit Wochen läuft eine raffinierte PR-Kampagne dafür. Wer und was steckt dahinter?
Auf Stuttgart kommt eine Party zu, die Rätsel aufgibt. Nur nicht zu viel verraten – so lautet die Devise der Macher, die bisher anonym blieben. Wochenlang haben sie in den sozialen Medien erotische Szenen gepostet, die auf den 18. Januar deuten, auf den Tag, der das Partyleben im Kessel mit der Premiere der Reihe Blow neu definieren werde. Um die Spannung aufzubauen, wurde der Ort der queeren Sause über lange Zeit strikt geheimgehalten.
Die Spekulationen schossen ins Kraut. Geht es womöglich im Kings Club wieder los? Hat das Studio Gaga was damit zu tun? Wer will dem Veranstalter Felix Horsch Konkurrenz machen, der mit seiner vor 15 Jahren gegründeten Party Fame nach dem Auszug von Laura Halding-Hoppenheit aus dem KC als „Platzhirsch“ für queere Dancefloors gilt? Inzwischen ist bekannt: Die erste Blow steigt am Samstag, 18. Januar, im Proton an der Königstraße 29, im größten Club der Innenstadt von Stuttgart. Die Abendkassen öffnen um 23 Uhr.
„Kinky, sexy, wild, new“ – so lautet der Untertitel der Party Blow auf der Homepage. Der Erfinder der neuen Reihe nennt im Netz seinen Namen nicht, gibt sich aber nun gegenüber unserer Zeitung zu erkennen: Es ist Felix Horsch – genau jener Schuhunternehmer und Veranstalter, der für die Fame steht, die 2008 im N-Pir in Feuerbach begann und in vielen deutschen Städten immer größer geworden ist. Will sich der Fame-Chef mit dem neuen Format nun selbst Konkurrenz machen? Als er festgestellt habe, sagt Horsch, dass der Name Blow für Partys nicht geschützt sei, habe er zugeschlagen.
Zur Premiere kommt der Resident-DJ der Berliner Reihe Piepshow
Was ist der Unterschied zur Fame? „Die Blow ist extrem sexuell“, antwortet Horsch. Mit der Fame spreche er ein eher junges Publikum an. Bei der Blow steige das Durchschnittsalter. Die neue Reihe orientiere sich an den Kinky-Partys, die gerade in Frankfurt, Köln oder Berlin für ausverkaufte Clubs sorgten. Man müsse also nicht mehr nach Zürich oder in deutschen Metropolen fahren, um „Dance for Tolerance“ sehr freizügig zu erleben. Auch für die Blow laufe der Kartenverkauf „sehr, sehr gut“.
Für die Premiere hat Horsch den Berliner Szene-Star Chris Bekker gebucht, der als Resident-DJ bei der Rave-Reihe Piepshow im Kitkat auflegt. Soll gar nicht so leicht sein, dort reinzukommen. Die besten Chancen, bei diesem Hotspot der Nacht mitzufeiern, hätten Leute, je auffälliger sie sich kleiden, so hört man. Neben Lack, Latex und Leder seien auch Spitze, Netzstrumpfhosen, Korsagen, Federn und Masken gern gesehen.
Was ist bei der Blow erlaubt und was nicht? Darüber informieren die „Rules“ auf der Homepage. Fotografieren ist streng verboten, liest man dort, „lebe den Moment“ sei die Devise. „Rassismus, Diskriminierung und Kink-Shaming“ sind außerdem nicht erlaubt. Eine weitere Regel lautet: „Keine Berührung ohne ausdrückliche Zustimmung, nur ein Ja bedeutet Ja.“ 500 Schließfächer stehen bereit, damit sich die Gäste umziehen können. Der Dresscode lautet: Je weniger Kleidung, etwa ein Harness, desto besser, aber ganz nackt wird untersagt.
Eine sexpositive Party zelebriert „die Verschiedenheit von Körpern, Vorlieben, Orientierungen und Identitäten“, sagt ein Insider. Es gehe darum, sich und die anderen so anzunehmen, wie man ist und niemanden zu verurteilen, der die Norm verlässt. Dies bedeute aber auch, Grenzen zu respektieren.