In kurzer Zeit hat er sich zu einer festen Adresse des Stuttgarter Nachtlebens gemausert. Ende Mai schließt der Pop-up-Club Lerche 22 am Schlossplatz seine Tore. Nicht ohne Abschied.
„Manchmal entstehen Orte, von denen man weiß, dass sie nicht für immer bleiben – und vielleicht sind sie genau deshalb so besonders“, schreiben die Macher des Clubs Lerche 22 am Schlossplatz auf Social Media. Im Oktober 2025 hatte der Club als Pop-up und Nachfolger der Tequila Bar im Marquardtbau unter dem Kino am Schlossplatz ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Der Name, eine Hommage an die erste Filiale des bekannten Plattenhändlers, die in der Königstraße 22 beheimatet war.
In dieser kurzen Zeit hat sich der über 1000 Quadratmeter große Club im Gewölbekeller des Marquardtbaus unter der Leitung des mehrköpfigen Teams um die Stuttgarter Felix Klenk (Betreiber der Suessholz-Bar und Mitveranstalter des Stadtteilfestes Westallee) und Matthias Mettmann (Betreiber des Im Wizemann) und dank zahlreicher Stuttgarter Künstlerinnen und Künstler, Kollektive und Veranstaltenden zu einem neuen Treffpunkt der hiesigen Subkultur und des Nachtlebens gemausert.
Club Lerche 22 am Stuttgarter Schlossplatz schließt
An Silvester etwa veranstaltete das Studio-Gaga-Team die größte Party der queeren Community zum Jahreswechsel, kürzlich verwandelte die Kinky-Party „Sanctuary“ das Gewölbe der Lerche 22 in eine dystopische Welt. Und auch dazwischen schloss der Club mit Partys abseits des Mainstream, DJ-Abenden, Konzerten, Events wie Quiznights und Co. die Lücke, die etwa das Aus des Studio Amore am Schlossgarten noch im letzten Sommer hinterlassen hatte.
Was von Anfang an klar war, rückt nun immer näher: Auch das Kapitel des Pop-up-Clubs neigt sich dem Ende zu. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Lerche 22 nur temporär zu machen“, sagt Mitbetreiber Felix Klenk. „Es ist ein riesiges Projekt und heutzutage alles nicht mehr so leicht. Veranstalter zu finden, Programme aufzubauen, die Kommunikation zwischen allen Akteuren, der Personalaufwand, die Logistik – all das ist eine riesen Herausforderung.“
Dennoch fällt den Machern das Ende schwer. „Es hat viel Spaß gemacht, auch Akteuren eine Plattform zu bieten, die es sonst schwer haben, in Stuttgart eine Fläche zu finden.“ Ein ähnliches, neues Projekt haben die Macher erst einmal nicht in Aussicht, für die Zukunft ganz ausschließen möchte Klenk das aber nicht: „Ich sage immer: Sag niemals nie.“
Große Closing Party für Ende Mai geplant
Bevor die Tore der Lerche 22 für immer schließen, wird noch einmal richtig gefeiert. Am 29. Mai steigt das „Grand Closing“, in den Wochen davor wartet noch ein vieltfältiges Programm auf alle Gäste. „Ein letztes Mal gemeinsam tanzen, erinnern und loslassen“, darauf freuen sich die Betreiber am 29. Mai. Das Line-up für den letzten Abend kann Felix Klenk derzeit noch nicht verraten, eines ist aber klar: Hinter den Turntables stehen keine Unbekannten. „Mit dabei sein werden unsere Allstars, DJs und Veranstaltende, die die letzten Monate Teil der Lerche waren.“ Tickets gibt es online, der Vorverkauf ist bereits gestartet.
„Wir brauchen mehr solche wundervollen Orte“ – Stuttgarter betrauern Club-Aus
So groß die Vorfreude darauf ist, vor dem Ende noch einmal richtig aufzudrehen, ebenso groß ist schon jetzt die Wehmut unter dem Stuttgarter Partyvolk. „So schade. Wir brauchen mehr solche wundervollen Orte, aber nicht nur temporär“, kommentiert eine Stuttgarter DJ auf Instagram. „Thank you for the ride“, schreibt ein anderer User. Der Tenor: Die Lerche 22 wird vielen als alternative Anlaufstelle im Nachtleben fehlen.
Wie geht es in der Location im Marquardtbau ab Juni weiter? Das steht noch in den Sternen. „Wir hätten natürlich gerne, dass die Location als Kulturfläche erhalten bleibt“, so Klenk. „Deshalb versuchen wir, die Vermieter da entsprechend zu supporten.“