Die U19 des VfB Stuttgart greift am Freitag nach dem fünften Pokalsieg. Wem der Nachwuchs nacheifern kann und wie der VfB einst für ein Novum sorgte.

Die U19 des VfB Stuttgart kämpft am Freitag (17 Uhr) in Potsdam gegen den VfL Wolfsburg um den DFB-Pokal. Es wäre der fünfte Titelgewinn der Vereinsgeschichte im Pokalwettbewerb – und der nächste Eintrag in einer langen Reihe denkwürdiger Endspiele mit prominenten Namen, kuriosen Geschichten und späteren Profikarrieren.

 

Der Pokalsieg der „Zweiten“

Kurios: Den ersten Pokalsieg in der U 19 holte 1997 die zweite Mannschaft des VfB nach Stuttgart. Das Team von Trainer Hans-Martin Kleitsch feierte im Huckenohlstadion in Menden einen 3:1-Sieg gegen Schalke 04 und sorgte damit für ein Novum. Schließlich gelang es keiner anderen Zweitvertretung, den DFB-Pokal zu gewinnen.

Viele spätere Profis brachte die Mannschaft zwar nicht hervor – ein Name blieb aber hängen: Fabio Morena. Der frühere VfB-Junior absolvierte später 234 Pflichtspiele für den FC St. Pauli und wurde am Millerntor zur Kultfigur.

Kuranyi, Hleb und ein deutlicher Finalsieg

Vier Jahre später erreichte dann auch die erste Garnitur des VfB das Endspiel um den DFB-Jugend-Kicker-Pokal, wie der Wettbewerb damals hieß. Im Rottenburger Hohenbergstadion ließ die Mannschaft von Peter Starzmann dem FK Pirmasens beim 5:1 keine Chance.

Im Mittelpunkt stand damals ein Stürmer, der später in der Bundesliga für Schlagzeilen sorgen sollte: Kevin Kuranyi. Zwar blieb der Angreifer im Finale ohne Treffer, erzielte anschließend aber 111 Tore in 275 Bundesligaspielen für den VfB und Schalke 04.

Auch andere bekannte Namen standen im Kader – etwa Michael Fink, der später für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielte, oder Wjatschaslau Hleb, der Bruder von VfB-Legende Aleksandr Hleb. Auch der heutige Coach der VfB-A-Junioren war dabei. Tobias Rathgeb spielte als Profi dann beim VfB II, bei Hansa Rostock und beim FC St. Gallen.

Das einzige verlorene Finale

Doch nicht jedes Endspiel nahm für die Stuttgarter ein gutes Ende. 2002 musste sich der VfB in der Alten Försterei in Berlin nach einem dramatischen Finale Schalke 04 geschlagen geben. Nach 90 umkämpften Minuten fiel die Entscheidung erst im Elfmeterschießen – mit dem besseren Ende für die Königsblauen.

Für das erneut von Hans-Martin Kleitsch trainierte Team blieb am Ende nur die denkbar bittere 3:4-Niederlage vom Punkt. Große Spuren beim VfB hinterlassen konnte aus dem Team von 2002 kein Spieler. Mit Marco Caligiuri schaffte dennoch ein ehemaliger Spieler den Sprung in die Bundesliga, wo er insgesamt 100 Spiele für den 1. FSV Mainz 05 und die SpVgg Greuther Fürth bestritt.

Lilian Egloff sorgt für dritten Titel

Nach der bitteren Finalniederlage dauerte es bis zur Saison 2018/19, ehe die VfB-U-19 wieder ein Endspiel bestreiten durfte. Im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam, wo auch das Spiel am Freitag stattfindet, sorgte Lilian Eggloff mit einem Doppelpack für den 2:1-Erfolg der Mannschaft von Trainer Daniel Teufel gegen RB Leipzig. Coach der Leipziger war damals übrigens Alexander Blessin. Der Stuttgarter ist heute Cheftrainer beim FC St. Pauli.

Lilian Egloff prägte bei den VfB-Junioren die SAison 2018/2019. Foto: Pressefoto Baumann

Eggloff selbst kam später auf fünf Bundesliga-Einsätze für die Profis des VfB und steht inzwischen eine Etage tiefer beim Karlsruher SC unter Vertrag. Andere Akteure aus dem damaligen Kader um Per Lockl, Antonis Aidonis oder Leon Dajaku taten sich indes schwer, dauerhaft den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Sie sind in der dritten Liga oder der Regionalliga aktiv.

Nur einer schaffte es in die Bundesliga

Nach zwei ausgefallenen Pokal-Spielzeiten infolge der Corona-Pandemie folgte die bisher letzte Pokalteilnahme des VfB Stuttgart schließlich in der Saison 2021/22. Und die lief erfolgreich: Das Team von Nico Willig bezwang im Endspiel Borussia Dortmund mit 3:1 und sicherte sich damit den vierten Titel im U-19-DFB-Pokal.

Aus der damaligen Finalelf konnte bislang nur ein Spieler einige Einsätze in der Bundesliga sammeln: Thomas Kastanaras. Der Stürmer durfte in der Saison 2022/23 viermal Profiluft beim VfB schnuppern. Nachhaltig war dies jedoch nicht: Aktuell geht Kastanaras für die zweite Mannschaft des FC Augsburg auf Torejagd.

Fast 30 Jahre nach dem ersten DFB-Pokalsieg in der U19 bietet sich am Freitag nun die Chance auf den fünften Titel. Nimmt die Mannschaft von Tobias Rathgeb auch die Hürde VfL Wolfsburg, würde sich der VfB zur zweiterfolgreichsten Mannschaft in diesem Wettbewerb aufschwingen – der SC Freiburg hat mit sechs Titeln noch die Nase vorn.