In Leinfelden entsteht eine kleine Ergänzung des Stuttgarter Stadtbahnnetzes. Foto: Milankovic
Das Stuttgarter Streckennetz wächst. Im Fall der Linie U5, die eine neue Endstation in Leinfelden bekommt, zwar nur um wenige Hundert Meter. Doch es sind an deutlich mehr Stellen Ausbauten geplant. Ein Überblick.
Die StadtbahnStuttgart wächst hinaus in die Region – auch wenn der aktuelle Ausbauschritt von überschaubarer Größe ist. Am 17. Oktober nehmen die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) einen neuen Streckenabschnitt und eine neue Endhaltestelle in Betrieb. 700 Meter liegen zwischen dem bisherigen U5-Endpunkt am Leinfelder Bahnhof und der künftigen Endhaltestelle Neuer Markt. Knapp zweieinhalb Jahre haben die SSB an der Verlängerung im Landkreis Esslingen gearbeitet. Ob Ausbauten in der Zukunft wieder zügiger umgesetzt werden, darf bezweifelt werden. Die zu erfüllenden Auflagen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Kapazitäten bei Planern wie auch Baufirmen sind begrenzt.
Zurückhaltung bei zeitlichen Prognosen
Davon lässt sich Volker Christiani aber nicht entmutigen. Er ist Chefplaner des städtischen Nahverkehrsunternehmens SSB und verströmt Zuversicht. „Bis Ende des Jahrzehnts sind unsere Planungs- und Baukapazitäten voll ausgelastet“, sagt er. Dass einige weitere Netzausbauten kommen, ist für ihn ausgemachte Sache. „Aber ich werde mit zeitlichen Prognosen vorsichtig sein“, sagt er. Welche Ergänzungen sind dabei mittel- und langfristig denkbar?
Was ist an der U 1 geplant?
Die U 1 verbindet aktuell Fellbach (Rens-Murr-Kreis) mit der Station Vogelrain in Stuttgart. Die wichtige Ost-West-Verbindung führt seit dem jüngsten Fahrplanwechsel via Hauptbahnhof statt über den Halt am Charlottenplatz. Nicht alleine deswegen herrscht oft drangvolle Enge in den Zügen, die bislang nur als kurze 40-Meter-Variante fahren können. Das soll sich ändern. Die Haltestellen des Ostasts zwischen dem Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt und der Schwabenlandhalle in Fellbach werden derzeit für den Betrieb mit 80-Meter-Zügen hergerichtet. Die Arbeiten sollen Ende 2024 abgeschlossen sein. Allerdings ist dann noch keine Entspannung zu erwarten. Denn am anderen Streckenende hat eben erst das Genehmigungsverfahren für den Ausbau der drei „zu kurzen“ Stationen Erwin-Schoettle-Platz, Bihlplatz und Südheimer Platz begonnen. Die Pläne können noch bis 22. August im Amt für öffentliche Ordnung, Eberhardstraße 37, eingesehen werden. Christiani geht davon aus, bereits im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen zu können. Die Fertigstellung ist bis 2026 geplant. Dann könnte die U 1 mit 80-Meter-Zügen fahren – womöglich aber zunächst nur bis zur Schwabenlandhalle, weil die Stadt Fellbach noch an der Gestaltung der Endhaltestelle feilt.
Das Stuttgarter Stadtbahnnetz könnte an verschiedenen Stellen wachsen. Die Karte zeigt mögliche Projekte und in welcher Phase sie sich befinden. Foto: Lange
Wie geht es bei der U 19 weiter?
Eine Streckenergänzung, die schon längere Zeit in der öffentlichen Diskussion ist, kommt hingegen nicht so recht vom Fleck. Die U 19, die zur Entlastung der U 2 zwischen Neugereut und dem Neckarpark pendelt, soll von dort um eine Station bis zum Mercedes-Museum und damit auch direkt vors Werkstor des Autobauers verlängert werden. Doch so kurz die Strecke auf dem Stadtplan aussieht, so verzwickt sind die Planungen. Denn die Strecke führt durch ein phasenweise intensiv genutztes Areal. „Da ist ganz schön was los“, sagt Christiani. Die Strecke müsse so angelegt werden, dass sie etwa einer Entfluchtung des Stadions nicht im Wege ist. Zudem möchte die Stadt den durch viele Zäune und Barrieren durchzogenen Neckarpark stärker öffnen. „Deswegen müssen wir unser Projekt ganz neu denken“, so Christiani. Im Herbst soll es neue Gespräche mit der Stadt geben. Was den SSB-Planer besonders freut: „Mercedes-Chef Ola Källenius lässt regelmäßig nach dem Stand der Planungen fragen. Das ist durchaus nicht selbstverständlich“.
Was hat es mit der geplanten U 25 auf sich?
Eine U 25 gibt es bislang noch nicht im Netz der SSB. Unter dieser Liniennummer verfolgt das Nahverkehrsunternehmen schon länger ein Projekt, mit dem gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden könnten. Das nördliche Ende befindet sich am Killesberg, wo die Kritik nicht verstummen will, weil die U 5 dort nur einen Stadtbahnverkehr im 20-Minuten-Takt bietet. Eine im selben Rhythmus fahrende U 25 würde ein Angebot alle zehn Minuten sicherstellen. Deren anderes Streckenende soll in Plieningen liegen und würde dem Filder-Vorort die lang ersehnte Direktverbindung in die Stuttgarter Innenstadt bringen. Voraussetzung für die U 25 ist der Bau einer neuen Verbindungskurve zwischen den Haltestellen Riedsee und Sigmaringer Straße in Möhringen. Dafür liege nun ein Lärmgutachten vor. Das Genehmigungsverfahren peilen die SSB für 2025 an, erste Züge könnten 2027 rollen.
Stadtbahn bis zum Asemwald?
Die U 25 bleibt möglicherweise nicht die einzige Neuerung in Plieningen. Unter der Überschrift „Langfristplanung“ gibt es bei den SSB Überlegungen zur Verlängerung der U 3 via Birkach zum Asemwald. Beim Verkehrsunternehmen sieht man dort Nachholbedarf. „Alle Untersuchungen zeigen, dass in diesem Bereich der modal split besonders schlecht ist“, sagt Christiani. Damit kennzeichnen Verkehrsplaner die Verteilung des Gesamtaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsträger. In Birkach ist für eine mögliche Schienenverbindung eine Trasse freigehalten – gleichwohl gab es in der Vergangenheit Bedenken. Ein attraktiverer Verkehrsanschluss könnte den Druck erhöhen, das Birkacher Feld doch dem Wohnungsbau zu opfern, so die Befürchtungen.
Großprojekt in Vaihingen?
Ebenfalls langfristig angelegt sind die Überlegungen für Vaihingen, die Christiani im Kontext mit der Möhringer Verbindungskurve aber auch dem Asemwald-Anschluss verstanden wissen will. In Vaihingen untersuchen die SSB Strecken nach Büsnau und zum Eiermann-Campus am Autobahnkreuz. Die Pläne lassen sich nur mit aufwendigen Tunnellösungen realisieren, bieten aber aus Sicht der SSB den Vorteil, die Linienende der U 1, U 3, U 8 und U 14 neu zu verknüpfen. Das Manko: die Erschließung mit Bussen ist in diesem Bereich schon gut. Damit der Bund das Vorhaben unterstützt, müssen die SSB nachweisen, dass die Schiene einen echten Mehrwert gegenüber den Bussen bringt. Das werde vor allem in Ballungsräumen immer schwieriger, gibt Christian zu bedenken.
Anschluss für Esslingen?
Nicht erst seit gestern gibt es Überlegungen, das Stuttgarter Stadtbahnnetz bis Esslingen auszuweiten – und damit eine Schienenverbindung zu schaffen, die es bis 1978 in Form der Straßenbahn Esslingen–Nellingen–Denkendorf (END) gab. Bisher scheiterten die Ideen daran, dass die Kosten den zu erwartenden Nutzen überstiegen, was eine Förderung durch den Bund ausschließt. Weil sich zuletzt die Berechnungsgrundlagen änderten, gibt es zaghafte Hoffnungen bei den SSB. Die werden zusätzlich genährt, nachdem ein Fachbüro im Auftrag des Landkreis Esslingen erkannt hat, dass sich eine vertiefende Untersuchung lohnen könnte. „Das alles ist aber mit großem baulichen Aufwand verbunden“, sagt Christiani – bis hin zu einer neuen Brücke über den Neckar. Auch das ein Vorhaben aus der Kategorie Langfristplanung.
Über Landkreisgrenzen hinweg?
Das Stadtbahnprojekt in Ludwigsburg ist zuletzt in Turbulenzen geraten, weil sich der Geschäftsführer des eigens gegründeten Zweckverbands, der ehemalige SSB-Mitarbeiter Frank von Meißner, verabschiedet hat. Das „Lucie“ genannte Vorhaben hat einen Berührungspunkt mit dem SSB-Netz, wenn die Linie U 14 bis nach Pattonville im Landkreis Ludwigsburg verlängert wird. Eine Option, die aber aktuell mit Blick auf die Planungsressourcen bei den SSB ebenso wenig Priorität genießt wie die Überlegung, die U 2 oder die U 19 über den bisherigen Endpunkt in Neugereut nach Oeffingen im Rems-Murr-Kreis zu verlängern.
U-13-Verlängerung wegen Kosten in der Kritik
Das konkreteste Vorhaben, die Verlängerung der U 13 von Weilimdorf via Hausen nach Ditzingen im Landkreis Ludwigsburg befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren. Neben der neuen Strecke entsteht auch ein von den SSB dringend benötigter weiterer Betriebshof, in dem Stadtbahnen abgestellt und gewartet werden können. Dessen Ausgestaltung hat Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann mit Blick auf die kleiner werdenden finanziellen Spielräume hinterfragt. Den Zeitplan für das 440-Millionen-Euro-Projekt haben die SSB erst jüngst korrigiert: Baubeginn soll im Frühjahr 2027 sein, erste Bahnen werden 2030 fahren.