Nahverkehr in Stuttgart Kritik am Aus fürs Bargeld in den Stuttgarter Bussen
Von 1. Juli an können Fahrgäste in SSB-Bussen keine Tickets mehr bar bezahlen. Seniorenvertreter und der Fahrgastbeirat kritisieren die Kurzfristigkeit der Ankündigung.
Von 1. Juli an können Fahrgäste in SSB-Bussen keine Tickets mehr bar bezahlen. Seniorenvertreter und der Fahrgastbeirat kritisieren die Kurzfristigkeit der Ankündigung.
Wer mit Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) unterwegs ist, kann von 1. Juli an in den Fahrzeugen gekaufte Tickets nicht mehr mit Bargeld bezahlen. Das städtische Verkehrsunternehmen hat das Aus für Münzen und Scheine in den Bussen Anfang Mai bekannt gegeben. Begründet wird die Entscheidung unter anderem mit der geringen Nachfrage: es werde „im Durchschnitt nicht einmal ein Ticket pro Fahrt direkt beim Fahrpersonal verkauft“, schreiben die SSB.
Beim Fahrgastbeirat des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und beim Stadtseniorenrat ist man vor allem über die Kurzfristigkeit der Ankündigung überrascht. „Das ist eine schwierige Entscheidung“, sagt Margarete Voll, Vorsitzende des Stadtseniorenrats. Im Gremium hätte man sich eine längere Vorlaufzeit gewünscht. Voll weist daraufhin, dass es längst nicht mehr an allen Haltestellen Fahrscheinautomaten gebe, an denen noch Tickets mit Bargeld bezahlt werden können.
Voll kritisiert auch das Nebeneinander verschiedener Regelungen innerhalb des VVS-Gebiets. So werden derzeit Busse, die in den Landkreisen des Verbundgebiets unterwegs sind, nach und nach mit der Möglichkeit zur Kartenzahlung nachgerüstet. Eine Bezahlung mit Bargeld ist dort aber weiterhin möglich. „Das irritiert und ist nicht besonders seniorenfreundlich“, sagt Voll.
Wolfgang Staiger, Vorsitzender des VVS-Fahrgastbeirats, weist daraufhin, dass weiterhin eine Lösung für Menschen fehlt, die weder eine Bankkarte besitzen, noch in der Lage sind mit mobilen Endgeräten zu bezahlen. Staiger schwebt eine Karte vor, auf die ein Guthaben aufgeladen werden kann. „Mit der Polygo-Card geht das leider nicht“, sagt Staiger.
Er kann die Erwägungen der SSB nachvollziehen, sich vom Bargeld in den Bussen zu verabschieden. „Aber man muss eben dann umso mehr acht geben, dass niemand von der Benutzung des Nahverkehrs ausgeschlossen wird“, sagt er. Staiger kündigt an, dass sich der Fahrgastbeirat weiter mit dem Thema befassen wird.