Der neue Betriebshof soll über 51 Stellplätze für Stadtbahnen verfügen. Foto: Loomn Architekten/Jost Hauer
Die SSB planen einen neuen Betriebshof in Weilimdorf und eine neue Strecke nach Hausen und Ditzingen. 2031 könnten die ersten Züge rollen, doch es gibt noch unbeantwortete Fragen.
Alexander Müller
15.01.2026 - 18:00 Uhr
Das Stuttgarter Stadtbahnnetz soll weiter wachsen. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) plant einen neuen Betriebshof an der Gemarkungsgrenze zu Ditzingen, zudem soll die Stadtbahnlinie U 13 über den Stadtteil Hausen weiter bis ins Gewerbegebiet Ditzingen (Landkreis Ludwigsburg) verlängert werden. Ein Landwirt aus Weilimdorf sieht sich aber durch das wichtigste Projekt der SSB in den kommenden Jahren in seiner Existenz gefährdet, da er zahlreiche bislang bewirtschaftete Flächen aufgeben muss.
Kritik von Bauern und Umweltverbänden
Das machte Thomas Ludmann beim sogenannten Erörterungstermin des zuständigen Regierungspräsidiums im Stuttgarter Rathaus deutlich, bei dem Einwände vorgebracht werden konnten. Der Landwirt, dessen Äcker und Wiesen vornehmlich im Dreieck zwischen Gerlingen, Weilimdorf und Ditzingen liegen, ist der Hauptbetroffene von den Plänen der SSB. Die Stadt hat bereits den Pachtvertrag für ihre städtischen Flächen gekündigt, „dadurch bekommen wir enorme Probleme“, erklärte Ludmann. Hinzu sei während der Bauphase der Einsatz von großen Maschinen auf den übrigen Feldern nur schwer möglich. „Das ist für unseren Betrieb fast tödlich“, betonte der Landwirt, „aber das interessiert keinen.“
Auch Umweltschutzorganisationen wie der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) erneuerten die Kritik an der ihrer Meinung nach falschen Linienwahl mitten durch das Landschaftsschutzgebiet. Einen Vorschlag nach einer wirklichen Alternativroute konnten die LNV-Vertreter aber auch auf Nachfrage nicht präsentieren. Auch ein Anwohner zeigte sein Unverständnis darüber, dass die SSB nicht einen geeigneteren Standort für den neuen Betriebshof gefunden hätten, da dieser für die gesamte Region zuständig ist. „Schließlich würden damit rund 20 Prozent der wichtigen Grünzäsur rund um Ditzingen, Gerlingen und Weilimdorf zerstört.“
„Die neue Strecke wird entlang der B295 in die vorhandene Böschung eingebaut, um die Umwelt zu schonen.“
Volker Christiani, SSB-Chefplaner
Insgesamt 30 private Einwände und 35 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange waren im vergangenen Jahr eingegangen. Der Anhörungstermin war nun die nächste Hürde im Verfahren, an dessen Ende die Planfeststellung, also die Baugenehmigung, stehen soll. Zeit genug bleibt im Vorfeld für SSB und Regierungspräsidium, um alle noch offenen Fragen zu klären. Denn der eigentlich für 2027 avisierte Baustart wird nun erst 2028 erfolgen. Bis dahin werden die notwendigen Bodenuntersuchungen, Lagerflächen während der Bauzeit und die Einrichtung der Ersatzhabitate für Zaun- und Mauereidechsen sowie Brutstätten für Feldlerchen und Mauerfalken durchgeführt. Nach drei Jahren Bauzeit soll dann der erste Abschnitt der U 13-Trasse bis Hausen und der Betriebshof 2031 abgeschlossen sein, ein Jahr später die Züge auch bis nach Ditzingen rollen.
Die geplante Neubaustrecke im Nordwesten von Stuttgart. Foto: Y/ann Lange
Die Planungen der SSB sehen eine 4,8 Kilometer lange Neubaustrecke ab der bisher von den Stadtbahnlinien U 6 und U 16 genutzten Haltestelle Rastatter Straße am Rande von Weilimdorf vor. Im Anschluss überquert sie die Bundesstraße 295 und verläuft dann auf der Südseite parallel zur Straße. Um die Landschaft zu schonen, „wird diese in die Böschung der Straße hineingebaut“, betonte SSB-Chefplaner Volker Christiani. An der Kreuzung mit der Gerlinger Straße entsteht die erste Haltestelle „Ditzinger Straße“. Der nächste Stopp erfolgt auf Höhe der bestehenden Fußgängerbrücke über die B295. Aufgrund der Nähe (rund 300 Meter) zur S-Bahnstation und dem Park & Ride-Platz soll dieser Weilimdorf Bahnhof heißen.
Große Firmen in Ditzingen sind sehr interessiert
Im Anschluss erfolgt die Abzweigung zum neuen Betriebshof, der unmittelbar an das Gewerbegebiet Weilimdorf angrenzt. Aufgrund der besonderen Bauweise mit einem kleinen Hügel, der das imposante Gebäude in die Landschaft integriert, sei dort keine weitere Haltestelle möglich, betonte Christiani. Der Neubau sei für die SSB unausweichlich, um den Betrieb in den kommenden Jahren effizienter zu gestalten und die wachsende Fahrzeugflotte fachgerecht unterzubringen. Sehr viel mehr als vom neuen Depot profitieren die rund 3000 Einwohner von dem Anschluss des Stadtteils Hausen. Über die Gemarkungsgrenze und die bestehende Brücke über die Autobahn 81 werden mit drei weiteren Haltestellen das dortige Gewerbegebiet bis zur Endhaltestelle Ditzingen Hülben angeschlossen. „Das Interesse ist groß“, erläuterte Christiani. So führe die SSB bereits Gespräche mit dort ansässigen großen Firmen wie Trumpf oder Thales über direkte Fußweganbindungen.
Betriebshof Der Neubau ist neben den bestehenden in Möhringen (103 Stellplätze), Heslach (46) und Remseck (46) der vierte Betriebshof der SSB. In Weilimdorf entstehen 47 Stell- und vier Werkstattplätze, das entspricht 38 Prozent der gesamten Flotte, die bis 2040 von 224 auf 270 Fahrzeuge wächst.
Stadtbahntrasse Die Verlängerung der U 13 ist rund 4,8 Kilometer lang, es entstehen sechs neue Haltestellen, drei in Weilimdorf und drei in Ditzingen. Ab 2032 soll die gesamte Strecke in Betrieb gehen, rund 17 Minuten dauert die Fahrt von Hausen zum Pragsattel, rund 21 Minuten ab Ditzingen Hülben.
Flächenbedarf Der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen auf Stuttgarter Gemarkung ist enorm. Rund neun Hektar Ackerflächen werden benötigt: 4,8 Hektar für den Betriebshof, zwei Hektar für die Trasse der U 13 sowie 2,1 Hektar für Ausgleichsflächen. Alleine 80 000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, die wiederverwendet werden sollen.