Kosten der Unternehmen steigen weiter
Demnach machen die Verkehrsunternehmen für das Jahr 2023 einen immer noch hohen Kostendruck geltend, auch wenn die Belastungen des Jahres 2022 nicht mehr erreicht werden. In den zurückliegenden zwölf Monaten verzeichneten die Unternehmen einen Anstieg ihrer Aufwendungen um rund 6,4 Prozent. Allein die Personalkosten sind um rund 7,3 Prozent gestiegen.
Damit sieht sich der VVS gezwungen die Preise, die zuletzt am 1. September 2023 angehoben wurden, abermals nach oben zu schrauben. Im vergangenen Jahr betrug die Preiserhöhung durchschnittlich 7,5 Prozent, zum 1. August 2024 sollen es 7,9 Prozent sein. Davon sind alle Ticketarten betroffen, in den Richtlinien zum Deutschlandticket ist eine solche lineare Erhöhung festgeschrieben.
Am wohl heftigsten fällt der Preissprung beim Kurzstreckenticket aus, das heute noch 1,80 Euro kostet und für das künftig zwei Euro fällig werden. Dieser Erhöhung um rund elf Prozent steht eine unter dem Durchschnittswert von 7,9 Prozent liegende Erhöhung beim Ticket für eine Tarifzone um 6,5 Prozent gegenüber. Heute kostet dieser Fahrschein 3,10 Euro, künftig sind es 3,30 Euro. Das Tagesticket für eine Zone verteuert sich von 6,20 auf 6,60 Euro, bei drei Zonen steigt der Preis von aktuell 10,40 auf 11,20 Euro.
Deutschlandticket nicht betroffen
Beim VVS hält man die Preiserhöhung für vertretbar. Bei 85 Prozent der Fahrten im Verbundgebiet nutzen die Passagiere entweder das Deutschlandticket oder das JugendticketBW. Beide Fahrscheinarten sind bei der Preiserhöhung außen vor.
Verärgerung in der Politik
Eine Argumentation, die Regionalrat und VVS-Aufsichtsrat Rainer Ganske (CDU) nicht gelten lässt. „Wir müssen doch genau die 15 Prozent, die betroffen sind, an den Nahverkehr heranführen. Das geht immer schlechter, wenn die Preise steigen“. Ganske kritisiert in diesem Zusammenhang die Regularien des Deutschlandtickets. Die Verkehrsverbünde können ihre durch das deutschlandweit gültige Abo entstehenden Einnahmerückgänge nur geltend machen, wenn sie gleichzeitig ihre Tarife regelmäßig erhöhen. „Das ist schizophren“. Ganske ärgert sich auch darüber, dass wegen der komplexen Einnahmeaufteilung in der landeseigenen Baden-Württemberg-Tarif GmbH Stellen aufgebaut werden, für eine Aufgabe, „die auch die Verbünde erledigen könnten“.
Forderung nach Solidarticket
Harsche Kritik kommt auch von Thomas Leipnitz, dem Vorsitzenden der SPD- Regionalfraktion und Mitglied im VVS-Aufsichtsrat. „Dass es eine Tariferhöhung geben soll, überrascht mich nicht. Was mich aber überrascht, ist der Zeitpunkt und die Höhe“, sagt er. Das zeige, „dass die Verkehrsunternehmen und die Landräte die maximale Erhöhung zum frühest möglichen Zeitpunkt realisieren wollen.“ Leipnitz nutzt die sich abzeichnende Preiserhöhung, um eine Forderung zu erneuern. „Ich bin nun sehr gespannt, ob der VVS im Gegenzug endlich ein regionsweit gültiges Solidarticket einführen wird, so wie wir das seit langem fordern, denn Mobilität darf nicht zur neuen sozialen Frage werden“.
Auftakt zur politischen Diskussion
Damit ist der Ton gesetzt für die nun beginnende politische Debatte über die Preiserhöhung. Am kommenden Dienstag diskutieren die Stuttgarter Stadträte im zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik. Im Verkehrsausschuss der Region wird das Thema am 21. Februar aufgerufen. Der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), der ein gewichtiges Wort mitzureden hat, tagt am 19. Februar. Im April wollen die zuständigen VVS-Gremien die Erhöhung final beschließen.