Einkaufen in Althütte Dorflädle schließt – was danach kommt
Nach rund zwei Jahren schließt Danica Müller ihr Dorflädle in Althütte. Ein Nachfolger steht in den Startlöchern. Der Selbstbedienungsladen Ortkauf hat ein ungewöhnliches Konzept.
Nach rund zwei Jahren schließt Danica Müller ihr Dorflädle in Althütte. Ein Nachfolger steht in den Startlöchern. Der Selbstbedienungsladen Ortkauf hat ein ungewöhnliches Konzept.
Bananen, Eier, Alkohol – das lief am besten, sagt Danica Müller. Doch viele ihrer Kundinnen und Kunden schauten im kleinen Supermarkt an der Hauptstraße 30 vor allem auch deswegen rein, um mit der sympathischen Inhaberin ein Schwätzchen zu halten. Ganz abgesehen von den rund 1200 Produkten, die bei ihr – anfangs – zur Auswahl standen. Frisches Obst- und Gemüse, Wurst, Fleisch und Molkereiprodukte, Reis, Nudeln sowie Hygieneartikel und Tiefkühlkost, selbst Futter für kleine Fellnasen war zu haben. Doch damit ist bald Schluss, zumindest mit Danicas Dorflädle. Ende März gibt sie ihren Markt auf.
Angefangen hatte alles sehr hoffnungsvoll. Als der bewährte „Nah-und-gut“-Markt um die Ecke 2020 schloss, entschied sich die gelernte Bäckereifachverkäuferin, das Nahversorgungsangebot in ihrem Heimatort aufrecht zu erhalten. Sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit, nahm einen fünfstelligen Kredit auf, ließ sich eine Theke zimmern, kaufte Kühlschränke und Gefriertruhen und jede Menge Ware. „Ich musste alles selbst finanzieren“, erzählt sie. Die Rechnung schien aufzugehen. „Am Anfang lief es super, die Leute waren froh und dankbar, dass es das Angebot hier gibt“, sagt die 28-Jährige. „Im Schnitt kamen zwischen 150 und 200 Kunden am Tag, vom Schulbub, der sich Süßes kauft, bis zu älteren Kunden, die weniger mobil sind, und Dinge für ihren Alltag einkauften.“ Die Kasse stimmte.
Im Sommer 2022 hätten dann die Probleme angefangen: „Mein Lieferant, der Edeka-Food-Service, konnte wegen einer EDV-Umstellung bei sich im Hause nicht mehr alle Artikel liefern“, erzählt Danica Müller. „Ich habe beispielsweise für 2000 Euro bestellt, es wurden aber nur Waren für 1500 Euro geliefert. Das war nicht meine Schuld, aber viele Kunden waren trotzdem verärgert, dass sie bestimmte Produkte nicht mehr wie erwartet einkaufen konnten.“ Im September des vergangenen Jahres ging der Umsatz dann rapide zurück. „Und die Kunden, die noch kamen, haben weniger eingekauft, vermutlich, weil sie auch sparen mussten.“
Der Arbeitsaufwand indes habe nicht abgenommen, und ihre Fixkosten seien durch die Energiekrise auch gestiegen. „Wenn ich das Licht ausmache, dann laufen die Kühlschränke und Tiefkühltruhen trotzdem.“ Von morgens bis abends zu arbeiten und dann auch noch am Wochenende – das ging irgendwann an die Substanz. So fiel der Entschluss. „Es geht nicht weiter, wir machen zu.“ Ende März ist es soweit. Dann wird sie zum letzten Mal ihre Kundschaft begrüßen und verabschieden – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch wenn der Kredit noch nicht abbezahlt sei, die Erfahrung mit ihrem Laden will sie auf keinen Fall missen: „Ich habe eine Menge gelernt und viele neue Freundschaften geschlossen.“ Künftig will sie mehr Zeit mit ihrem Partner Mick und den beiden Hunden verbringen. Und eine neue Arbeit hat sie auch schon gefunden – im Einzelhandel.
„Wir sind Danica Müller sehr dankbar, dass sie nach der Schließung der Edeka-Filiale in Althütte durch ihr Dorflädle über mehr als zwei Jahre die Versorgungssicherheit im Ort gewährleistet hat“, sagt Bürgermeister Reinhold Sczuka. Die Schließung sei bedauerlich. Doch immerhin stehe ein Nachfolger in den Startlöchern, der die Räume an der Hauptstraße nutzen möchte, verrät Sczuka. „Es ist eine gute Alternative, auch mit einem größeren Sortiment.“
Für das neue Angebot in Althütte will Christoph Sarnowski sorgen, der Geschäftsführer der Ortkauf GmbH aus Schwäbisch Hall. In Althütte will er seinen ersten Selbstbedienungsladen aufmachen. Ohne ständiges Personal vor Ort, dafür an jedem Tag des Jahres geöffnet von frühmorgens um 5 bis spätabends um 23 Uhr. Rund 1300 verschiedene Artikel soll das Sortiment umfassen. „Alles, was man fürs tägliche Leben braucht und für jeden Geldbeutel“, sagt der Geschäftsführer. „Unser Hauptlieferant ist Edeka, wir wollen aber auch mit regionalen Betrieben zusammenarbeiten.“ In Frage kämen Metzgereien sowie Obst- und Gemüsebaubetriebe. Frische Backwaren seien nicht vorgesehen. Denn: „Es gibt im Ort schon einen sehr guten Bäcker, dem wollen wir keine Konkurrenz machen.“ Tiefkühlware zum Aufbacken sei jedoch verfügbar.
Kundinnen und Kunden können die Waren mit EC-Karten bezahlen oder mit Kundenkarten, auf die sie zuvor Geld geladen haben. An drei Vormittagen in der Woche sollen Mitarbeiter im Laden sein, die nach den Regalen schauen und der Kundschaft beratend zur Seite stehen.
„Es wird einen großen Bereich geben, da hat jeder Zugang, egal ob er fünf oder fünfundachtzig ist“, sagt Sarnowski. Ein besonderes Angebot richtet sich an die nicht mehr ganz so junge Zielgruppe und ist eher ungewöhnlich für Selbstbedienungsläden: „Bei uns gibt es einen abgesperrten Raum, den man ab 16 Jahren nur mit Personalausweis oder Führerschein betreten kann, und in dem es Bier, Wein und Schaumwein im Angebot gibt“, sagt Christoph Sarnowski. Üblicherweise werden in Selbstbedienungsläden wegen des Jugendschutzes nur Produkte angeboten, deren Abgabe nicht an ein Mindestalter geknüpft ist.
„Wir wollen eine Nahversorgung etablieren, die nachhaltig funktioniert“, sagt der Geschäftsführer. Kleine Dorfläden hätten oft das Problem, dass es in den Orten nur eine geringe Kaufkraft gebe, dieser stünden hohe Fixkosten für Personal und Energie entgegen. „Dadurch sind sie nicht mehr so wirtschaftlich.“ Man könne aber an zwei Stellschrauben drehen; weniger Personal und längere Öffnungszeiten. Genau dieses Konzept verfolge Ortkauf mit seinem 365-Tage-Betrieb und Selbstbedienung.
Damit sich die Kundschaft nicht unerlaubt mit Ware aus dem Laden schleicht, werden die Verkaufsräume von allen Seiten mit Videokameras überwacht. Der Umbau der Geschäftsräume soll bereits zum 1. April beginnen. Läuft alles nach Plan, rechnet Christoph Sarnowski mit der Eröffnung noch im Mai dieses Jahres.