Neu im Sturm des VfB Gewagt und gewonnen: Hoeneß zaubert Nartey aus dem Hut
Erstmals seit Mai 2023 in der VfB-Startelf – und zudem ungewohnt im Sturm: Der Einsatz des lange verletzten Nikolas Nartey ist riskant gewesen. Doch der Mut wurde belohnt.
Erstmals seit Mai 2023 in der VfB-Startelf – und zudem ungewohnt im Sturm: Der Einsatz des lange verletzten Nikolas Nartey ist riskant gewesen. Doch der Mut wurde belohnt.
Nein, für überschwängliches Sonderlob an einzelne seiner Spieler ist Sebastian Hoeneß gewiss nicht bekannt. Was zählt, das ist stets der Teamgedanke – da ist der Cheftrainer des VfB Stuttgart ganz Profi. Doch auch im Falle des 43-jährigen Fußballlehrers bestätigen Ausnahmen zuweilen mal die Regel. Also antwortete Hoeneß nach dem 3:0-Erfolg in Wolfsburg auf die Frage, ob er denn etwas zum Auftritt von Nikolas Nartey an der Aller sagen könnte, diesmal mit den Worten: „Das mache ich gerne.“
Es ist ja auch ein ungewöhnliches Konstrukt gewesen, mit dem Baumeister Hoeneß seine Elf in Wolfsburg letzten Endes sehr erfolgreich in die VW-Arena geschickt hat. Mit Dreierkette, zwei Außenläufern und einem stabilen Dreier-Mittelfeld. Dazu zur Krönung seiner Modellarbeiten an der Startelf ganz vorne als zweite Spitze neben dem Ex-Wolfsburger Tiago Tomas den Dänen Nartey quasi als Sahnehäubchen mit Kirsche oben drauf.
„Niko möchte ich diesmal besonders hervor heben, da er eine ganz außergewöhnliche Verletzungshistorie hat, die ihn schon sehr lange daran hindert, zu zeigen, was er wirklich kann – und er kann sehr viel“, erklärte Hoeneß. Das habe der Spieler erneut in der zurückliegenden Trainingswoche gezeigt, in der viele Nationalspieler auf Länderspielreise waren. „Das war für uns im Trainerteam der letzte Grund zu sagen: Komm, wir schmeißen ihn jetzt da rein.“
Das war mutig. Schließlich ist Linksfuß Nartey zuvor ellenlang verletzt gewesen. Bis in den Mai 2023 liegt der letzte Startelfeinsatz des 25-Jährigen aus Kopenhagen gar zurück. Mit einem ganzen Potpourri an Verletzungen – darunter Adduktoren-, Bauch- und Oberschenkelprobleme sowie einem hartnäckigen Knorpelschaden im Knie – hatte Nartey die beiden vergangenen Spielzeiten fast komplett aussetzen müssen. Ganze 21 Bundesligaminuten hatte er in der gesamten abgelaufenen Saison gesammelt – das war bei einem Kurzeinsatz am letzten Spieltag bei RB Leipzig.
Jetzt das große Comeback in der Anfangself in Wolfsburg – und das auch noch in ungewohnter Position. Denn Nartey (24 Bundesligaspiele, null Tore) ist eigentlich ein Mittelfeldspieler, der hier auch gerne defensiv agiert oder gar als linker Verteidiger spielen kann. Doch die Not des VfB in der Spitze, wo Ermedin Demirovic länger ausfällt und Deniz Undav aus Sicht von Hoeneß noch kein Kandidat für die Startelf war, sie machte erfinderisch.
„Niko ist seit einigen Wochen körperlich stabil gewesen. Jetzt war er an der Reihe. Ich bin froh über diese Entscheidung – und auch stolz auf ihn“, sagte Hoeneß und lobte die Flexibilität des Spielers, die er als Trainer schon länger schätzt. So ist es unter anderem auch der Coach selbst gewesen, der sich für den Verbleib des Spielers stark gemacht hatte. Zu einem Zeitpunkt, als Nikolas Nartey Ende Mai eigentlich schon auf der Abschiedsliste beim VfB stand.
Doch dann hat es bei den Stuttgarter Sportchefs ein Umdenken gegeben: So wurde Nikolas Nartey, der bereits 2019 vom 1. FC Köln in den Neckarpark gewechselt war und der unter anderem als Leihspieler in Rostock und Sandhausen auflief, letztlich mit einem stark leistungsbezogenen Einjahresvertrag ausgestattet. „Du kannst Niko eigentlich überall auf dem Feld einsetzen. Er hat eine Gabe, sich schnell in das Spiel einzufügen, egal wo er aufläuft“, ergänzte Hoeneß, der den Spieler letztlich nach 67 Minuten vom Platz nahm – und dafür Deniz Undav brachte.
Hinter Nartey lag da eine Partie, in der er sich lauffreudig, umsichtig und mit ein paar schön getimten Flanken gut ins Offensivspiel des VfB eingebracht hatte. Allerdings ohne den ganz großen Knalleffekt. Am Donnerstag wird der 25-Jährige die Europa-League-Partie bei Fenerbahce Istanbul als Zuschauer verfolgen, er ist nicht gemeldet. Doch der Auftritt von Wolfsburg hat nicht nur bei Trainer Hoeneß Appetit auf mehr gemacht.