Goldener Heinrich wird zu Jackie Brown: Yusuf Oksaz freut sich auf seinen neuen Laden – oder auch seine neue Lady. Foto: Stadtkind Stuttgart/Tanja Simoncev
Es ist offiziell: Yusuf Oksaz übernimmt den Goldenen Heinrich. Die Stuttgarter Gastro-Legende hat sich schockverliebt in die älteste Schwulen-Kneipe Deutschlands und macht daraus Jackie Brown. Wir haben alle Infos.
Wo Yusuf Oksaz einst als Kind mit dem BMX-Bike und Kumpels Mutproben meisterte, wird er schon bald seinen neuen Laden „Jackie Brown“ eröffnen – mitten in Stuttgarts Altstadt, die sich im Wandel der Zeit stark verändert hat. Das bedauert der Gastronom, der mitten im Kessel aufgewachsen ist. Anderes Thema.
Eine neue Lady für die Gastro-Legende
Seinem Vater gehörte ein Hotel an der Tübinger Straße, wo er schon in jungen Jahren mit der Gastronomie in Berührung kam, später machte er im Graf-Zeppelin-Hotel eine Ausbildung zum Restaurant-Fachmann und jobbte im La Concha, Litfass und Musicland – und eben auch im Oktave, dem heutigen Dilayla.
Mittlerweile gehören der Stuttgarter Gastro-Legende drei Lokale: neben dem Dilayla das Mrs. Jones und das Romy S. – und warum nur Frauennamen? „Mädels nehmt’s mir nicht übel, aber die Gastronomie ist eben genauso unberechenbar wie Frauen“, bemerkte er schon bei unserer Gute-Nacht-Geschichten-Reihe mit einem Augenzwinkern.
Obwohl er den Goldenen Heinrich, der den Namen nach der Chefin Anni Heinrich seit den 60er trug, aber schon 100 Jahre alt ist, nicht kannte, steckt der Gastronom sein ganzes Herzblut in „seine neue Lady“. Er sei komplett im Flow, mit ganzem Herz und Liebe zum Detail dabei.
Der Goldene Heinrich galt übrigens als älteste, existierende Schwulenbar in Deutschland. Das genaue Eröffnungsjahr ist zwar unbekannt, aber in den 1920ern müsste die Bar gestartet sein und war eine wichtige Anlaufstelle für die LGBTTIQ-Community. Und das soll und darf, laut Yusuf, auch so bleiben.
„Ich kannte den Goldenen Heinrich vom Namen her und wusste, dass das Lokal für Homosexuelle offen war, war aber selbst noch nie drin.“ Als der Gastronom aber im Januar das Lokal besichtigte, habe er sich, wie er selbst sagt, auf die Zunge beißen müssen.
Willkommen in einer Zeitkapsel
„Vor Euphorie“, platzt es aus ihm heraus. „Ich war schockverliebt in dieses Objekt, weil es eine Zeitkapsel ist.“ Das könne man heutzutage so gar nicht mehr nachbauen. „Deshalb bleibt alles so wie es ist.“
Das Jackie Brown bleibt eine Kneipe, wo alle willkommen sind. Foto: Stadtkind Stuttgart/Tanja Simoncev
„Es wird also eine urige Kneipe bleiben, ein Raucher-Lokal, wo alle willkommen sind“, betont Yusuf. Gute Musik werde es geben, aber keine „DJ-Darbietung“. Einfach Kneipe, eben! Trotzdem wird es auch kleinen Veränderungen oder auch moderne Anpassungen geben.
Wann der Startschuss fällt, ist offen
„Die Toiletten mache ich hübsch und passe sie an das Flair des Lokals an. Dann wird die Elektrik auf Vordermann gebracht, weil hier alles sehr alt ist und ansonsten: Durchputzen, Ware einkaufen und dann kann es hoffentlich schon bald losgehen“, freut sich der Gastronom.
Wann genau der Startschuss fällt, steht noch nicht fest. „Wahrscheinlich Mitte oder Ende April, da kann ich mich noch nicht so richtig festlegen“, so Yusuf. Bis dahin wird noch ordentlich gewerkelt, damit dem Stuttgarter Feiervolk bald wieder eine neue Ausgehlocation zur Verfügung steht.
Jackie Brown, Leonhardstr. 3, Stuttgart-Mitte, Opening: Wsl. Ende April