Neuausrichtung im Ammolite Neues Designkonzept im Sternerestaurant im Europa-Park

Europa-Park-Mitinhaber Thomas Mack und Küchenchef Peter Hagen-Wiest in der Küche im Ammolite. Foto: Europa-Park

Der Europa Park ist der einzige Freizeitpark der Welt mit einem Zwei-Sterne-Restaurant. Jetzt hat das Ammolite einen Neustart gewagt. Was auch mit einem Schloss im Elsass zu tun hat.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Auch Restaurants haben eine Halbwertszeit. Irgendwann geht der Küchenchef, verabschiedet man sich vom Konzept, versucht sich an einem anderen Stil. Alles hat seine Zeit – und selbst Küchen unerliegen Trends und Moden. Und auch das Interieur eines Lokals braucht irgendwann mehr als eine neue Wandfarbe. „Natürlich nutzt sich ein Restaurant auch ab“, sagt Thomas Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Park.

 

Dass der Europa-Park nicht nur für Adrenalinjunkies und Freizeitpark-Freunde, sondern auch für genussfreudige Gourmets interessant ist, daran hat Thomas Mack einen großen Anteil. Er hat mit der Eröffnung des Ammolite vor mehr als 14 Jahren mit dem kulinarischen Freizeitpark-Klischee von Pommes, Hot Dogs und Burger gebrochen.

DJ Jaden Bojsen schafft für das Ammollite einen eigenen Song

Doch nach dieser Zeit war nun der Punkt für eine Neuausrichtung im Ammolite gekommen. Gerade mal sechs Wochen wurde umgebaut, drei Wochen war das Restaurant für den Innenausbau komplett geschlossen. Da wurde ziemlich viel gemacht: neuer Eingang, Wände, Böden, Weinschrank, waldgrüne Sessel. Erste visuelle Änderung: Der Eingang wurde verlegt. Früher mussten die Gäste durch das Hotel, ihren Weg zum Restaurant finden, jetzt führt er direkt ins Restaurant, begrüßt wird man von einer schönen Blumeninstallation.

Und weil der neue Untertitel des Restaurants nun „House of Light“ lautet, gibt man auch der Beleuchtung mehr Raum im Leuchtturmrund. Spotlights auf die Tische, also auf das Essen, das hier im Zwei-Sterne-Restaurant im Mittelpunkt stehen soll. Einen Blick in die zum Teil offene Küche gibt es immer noch. Neu ist der Sound, so ist nun die Musik Teil des Konzepts. Der DJ Jaden Bojsen hat einen eigenen Song und Soundtrack zum Restauranterlebnis geschaffen. Wer den neuen Gang zu den Toiletten entlang schreitet, wird gar wie in einem Club beschallt. Vielleicht, erhofft man sich so, auch ein jüngeres Zielpublikum in den neu gestalteten Raum zu locken.

Seit 2014 hat das Ammolite zwei Michelin Sterne

Das Ammolite im Leuchtturm im Europa-Park hat seit 2012 geöffnet, seit 2014 ist es mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnet. Von Beginn an kocht hier Peter Hagen-Wiest gegen das Klischee des Freizeitparks an. Er möchte die Welt auf den Teller bringen – und nennt es nicht ohne Grund „die Küche seines Lebens“. Geboren und aufgewachsen ist er in Vorarlberg, erkochte er sich seinen ganz eigenen Stil bei Stationen in der Schwarzwaldstube unter Harald Wohlfahrt in Baiersbronn, bei Dieter Koschina in der Vila Joya in Portugal und bei Peter Knogl im Cheval Blanc in Basel.

Aperos im Ammolite Foto: Europa-Park

So verwundert es auch nicht, dass er mit regionalem Ziegenkäse in einem Amuse wie auch mit einem Taco mit Fisch aus der Küche grüßt, die Forelle mit Passionsfrucht und Butterrüben kombiniert wird, Kaisergranat auf Karotte trifft. Wenn da Zander auf Kalbskopf angerichtet wird, Hagen-Wiest Poltinger Lamm mit Couscous und einer rezenten Nocke aus Sardellen und Salzzitronen kombiniert. Und weil seit gut drei Jahren ein Weingut, 180 Hektar groß, eine Autostunde vom Europa-Park entfernt, im Besitz der Familie Mack ist, hat Peter Hagen-Wiest nun viel Gemüse zu verarbeiten.

Freizeitpark mit eigenem Gemüseanbau

Im historischen Château Ollwiller gibt es nicht nur das Restaurant Amitié und Wein aus biodynamischer Anbauweise, sondern auch einen Permakulturgarten, der „sensationelle Erbsen“, Rüben, Knoblauch, allerlei Blüten und Vulkanspargel hervorbringt. „Das gibt uns neue Impulse“, sagt Peter Hagen-Wiest und fügt an, dass das durchaus eine Herausforderung war und ist. Der Gärtner Florent Marbacher pflanzt, was der Boden hergibt – manchmal ist das auch zu viel. Anfangs kamen „Rollwagen voller Rüben“, ein logistisches Problem für eine Sterneküche. Manches funktionierte nicht, die Kerbelwurzeln fraßen die Mäuse. Heute aber profitiert er sehr davon, auch wenn manches Gemüse nur eine Woche frisch verfügbar ist.

Der neue offene Weinschrank hat eine beachtliche Zahl an deutschen, aber auch internationalen Weinen im Repertoire. Und eben auch alkoholfreie Pairings, entwickelt im Haus, sie orientieren sich am Geschmacksbild der Weine. „Wir denken vom Wein aus und bauen den Saft nach“, erklärt Jürgen Wörner, der auch bei Wermut und Destillaten seine Handschrift einbringt.

Außerdem zeichnet Hagen-Wiest seit vergangenem Jahr für die Kulinarik im Eatranalin verantwortlich. Die Gäste werden hier im Floating Chair, einer Art schwebendem Boxauto, durch die Räume gefahren und bekommen dabei das Essen auf Gourmetniveau serviert. Oder es taucht gar aus dem Sessel selbst auf. Für ihn ergänzt sich das gut, es ist weit weg vom klassischen Restauranterlebnis – und er lädt sich immer wieder Gastköche ein, die Gänge für das Eatranalin kreieren. Die nächsten beiden haben schon zugesagt für Mai. Verraten darf man es noch nicht, aber eventuell werden sie auch mit der beruflichen Biografie von Peter Hagen-Wiest zu tun haben.

Das Restaurant

Ammolite
Es gibt ein vegetarisches Menü namens „Green Forest“ sowie das Menü „Around the world“, Die Weine werden von Sommelier Sascha Schmidt passend dazu abgestimmt. Es gibt eine eindrucksvolle alkoholfreie Begleitung mit eigenen Säften von Jürgen Wörner. Das 8-Gänge-Menü kostet 245 Euro.

Ammolite – House of Light
; Peter-Thumb-Straße 6, 77977 Rust; www.ammolite.de

Hinweis:
Die Recherchereisen für diesen Beitrag wurden zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Restaurants und/oder Tourismus-Agenturen. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt unserer Berichterstattung.

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