Neubau in Stuttgart Asyl unter Paulinenbrücke: Die ungewöhnlichste Feuerwache der Stadt

Probe aufs Exempel beim Richtfest: Die Fahrzeuge passen in die künftige Halle unter der Paulinenbrücke. Foto: Feuerwehr Stuttgart/Michael Christ

Die Feuerwache 1 in der Stuttgarter Innenstadt wird abgebrochen und neu gebaut. Das Interim für die Retter entsteht derzeit aus Holz und Stahl – unter der Paulinenbrücke.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Das Bäumchen vom Richtfest vor einigen Tagen hält sich noch wacker auf der Holzkonstruktion. Oben auf der Paulinenbrücke donnern die Autos, ein Martinshorn ist zu hören. Unter der Brücke tut sich auf dem früheren Parkplatz Außergewöhnliches. Hinter Bauzäunen wächst eine Konstruktion aus Holz und Stahl in die Höhe. Es ist kaum zu glauben, wenn man die beengten Platzverhältnisse sieht, aber vom nächsten Jahr an soll von hier aus die Stuttgarter Berufsfeuerwehr zu Einsätzen in der Innenstadt ausrücken.

 

„Die Höhe ist schon knapp bemessen“, sagt Sven Stockburger, der Projektleiter vom Hochbauamt, „aber die Feuerwehr hat schon Fahrversuche gemacht.“ Dabei ist alles gut gegangen. „Wir sind mit dem Standort nicht unzufrieden“, pflichtet Benjamin Frey, Projektleiter bei der Feuerwehr, bei.

Feuerwache 1 wird abgerissen

Der Ausweichstandort wird nötig, weil die in die Jahre gekommene Feuerwache 1 in der Katharinenstraße, die älteste Wache der Stuttgarter Berufsfeuerwehr, abgebrochen und neu gebaut werden muss. Das soll bis Frühjahr 2029 dauern und 33,5 Millionen Euro kosten. Auf einen Standort in der Innenstadt können die Retter bis dahin aber nicht verzichten. Deshalb sind bei einem Suchlauf mehrere mögliche Areale geprüft worden. Herausgekommen ist die für diesen Zweck ganz und gar ungewöhnliche Fläche direkt unter der Paulinenbrücke.

Dort entsteht ein Interim, das gut sieben Millionen Euro kosten soll. „Es musste sehr genau geplant werden, wie wir alles dort unterbringen“, sagt Stockburger. Seit November entsteht nun ein exakt eingepasstes Gebäude mit drei Teilen. Im Kopfgebäude an der Tübinger Straße werden Büros und Werkstatt untergebracht. Im Mittelteil kommt die Fahrzeughalle unter. Hinten folgt das Mannschaftsgebäude mit Ruheräumen und Lagerflächen. Insgesamt sind 950 Quadratmeter Nutzfläche geplant.

An eine Feuerwache erinnert hier noch nichts. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

„Das ist hier eine Herausforderung, das Bauen unter einer Brücke nicht alltäglich“, sagt Stockburger auf der Baustelle. Der Einsatz von Kränen etwa funktioniert nicht. Dennoch liegt man im Zeitplan. „Der Rohbau steht. Wir haben eine massive Bodenplatte, darüber Holzrahmenwände mit Stahlträgern für das Dach“, so der Projektleiter. Außen soll später eine Metallverkleidung folgen. Anfang nächsten Jahres soll alles fertig sein, dann folgt ein Probebetrieb, „um alles auf Herz und Nieren zu prüfen“. Im Frühjahr soll dann der Regelbetrieb beginnen.

Einziehen soll dort der Löschzug von der Wache 1 mit vier Fahrzeugen. Für ein Sonderfahrzeug zur Türöffnung ist kein Platz, das wird wohl nur tagsüber dort stehen und ansonsten unterwegs oder in einer anderen Wache geparkt sein. Konzipiert wird das Gebäude als Durchfahrtswache. Die Fahrzeug rücken zur Tübinger Straße hin aus und über die Paulinenstraße wieder ein. Die knifflige Verkehrssituation dort soll über zusätzliche Ampeln geregelt werden. Das Martinshorn soll erst möglichst spät eingeschaltet werden, um Anwohner nicht über die Maßen zu strapazieren. Für sie soll es zur Einweihung auch ein kleines Fest geben. „Die Sicherheit muss jederzeit gegeben sein“, bekräftigt Frey.

Stadt erstellt Konzept für Nachnutzung

Verschwinden soll das Interim 2029 aber nicht. Es soll eine Nachnutzung geben. Derzeit erstellt die Stadt ein Konzept dafür. Offenbar gibt es bereits einige Interessenten, für konkrete Pläne ist es aber noch zu früh. Die Idee des kooperativen Stadtraums zur Nutzung für Nachbarn und Passanten, die hier mit den Stadtlücken schon einmal gelebt worden ist, soll erhalten bleiben.

Auf dem Tisch liegen laut Sozialamt verschiedene Vorschläge von der Sozialarbeit bis hin zur künstlerischen Nutzung. In der Fahrzeughalle als größtem Raum sind künftig Floh- oder Weihnachtsmärkte denkbar. Auch wechselnde Ausstellungen oder kleinere Konzerte könnten dort stattfinden.

Zunächst einmal aber bereiten die Retter von der Feuerwehr sich auf ihr künftiges Domizil vor. Zwölf Einsatzkräfte werden dort rund um die Uhr unterkommen. Dass das Interim so klein und beengt ist, hat laut Frey auch Vorteile: „Die Vorgabe lautet, 60 Sekunden nach der Alarmierung auf der Straße zu sein. Das sollte hier kein Problem sein“, sagt er und lacht.

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