Geplanter Neubau in Stuttgart Warum manche Stars die Schleyerhalle meiden

Helene Fischer schwebt unter dem niedrigen Hallendach. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Schleyerhalle steht vor dem Aus. Ein Neubau, der 19 000 Besucher fasst, soll sie ersetzen. Was sagen die Nutzer dazu? Konzertveranstalter begrüßen die Pläne – haben aber auch Wünsche.

Der Schein ist wichtiger als das Sein. Das ist so in einer Branche, in der gute Laune garantiert sein soll. Von Helene Fischers fünf Auftritten in der Schleyerhalle Anfang Mai drangen nur Jubel, Trubel, Heiterkeit nach außen. Doch hinter den Kulissen hat es durchaus geknirscht und gekracht. Ist doch ihre Show eigentlich für moderne Hallen entworfen, die deutlich höher sind als die Schleyerhalle. Die Halle ist 14 Meter hoch, mit Tricksen kommt man auf 16 Meter über der Bühne. Aber viele Künstler orientieren sich bei ihren Bühnenshows an modernen Hallen mit Oberrang, die mindestens 20 Meter hoch sind. Auch Helene Fischer. Und so musste sie ihre Show ummodeln. Das ist mühsam und kostet Geld. Für ihre fünf Auftritte in der SAP-Arena in Mannheim Anfang Juni war das nicht nötig. Gerade mal 120 Kilometer entfernt. Für Autofahrer mitunter eine Ewigkeit. Für Konzertveranstalter großer Tourneen praktisch eine Region mit einem Einzugsgebiet.

 

Die Stars machen einen Bogen um Stuttgart

Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bekommt das zu spüren. Bei großen Stars wie Ed Sheeran, Madonna, Billie Eilish, Taylor Swift, Lady Gaga, Adele, Foo Fighters, Beyoncé, Justin Bieber stehe man mit der Schleyerhalle nicht mehr auf dem Tourplan, sagt in.Stuttgart-Chef Andreas Kroll, „das muss man ganz nüchtern so sehen.“ Zu niedrig, zu wenige Plätze, zu wenige Logen, zu alte Infrastruktur, mithin zu wenig Einnahmen.

Veranstalter Christian Doll von C2 Concerts bestätigt das. „Wir brauchen die neue Halle, um endlich wieder große A-Touren nach Stuttgart zu holen. Da haben wir mit der Schleyerhalle keine Chance mehr, sie hatte ihre Zeit, aber ist für viele Produktionen leider nicht mehr geeignet. “ Es gebe zum Beispiel keine Chance, die Schleyerhalle barrierefrei zu bekommen.

Neubau mit 19 000 Plätzen

Die 40 Jahre alte Schleyerhalle soll durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt werden. Laut Machbarkeitsstudie soll die neue Halle bis zu 19 000 Zuschauer fassen statt wie bisher 15 500. Bestuhlt würde sie 15 000 Menschen Platz bieten statt 11 754 Besuchern. Bisher wird mit Kosten von 400 Millionen Euro gerechnet.

Die Schleyerhalle wie auch die neue Halle sind nicht nur für Konzerte vorgesehen. Multifunktion heißt das, Kongresse und Sport haben ihren Platz. Tennis, Reiten, Motocross finden statt, einstmals auch der Sparkassen-Cup, ein Leichtathletik-Sportfest mit Superstars wie Haile Gebrselassie. Dieter Schneider, Präsident des Württembergischen Leichtathletikverbands, kann sich das gut wieder vorstellen. „Wir haben intensiven Bedarf“, sagt er, „und hoffen, dass wir nicht wieder wie beim Neckarstadion übergangen werden.“ Für ein internationales Sportfest bräuchte es eine 200-Meter-Laufbahn im Innenraum. Ob dafür Platz ist, das will man nun mit der Stadt erörtern. Der Württembergische Radsportverband hat schon mal vorgefühlt. War doch die Schleyerhalle ja mal eine Radbahn mit Dach. Geschäftsführer Philip Oesterreicher sagt, man habe ihm aber bekundet: „Veranstaltung frisst Sport!“ Als Alternative wollen sie nun für eine eigene Halle kämpfen, am Hallschlag oder im Neckarpark. Da werde man im Juli nochmals Gespräche führen.

Was passiert mit dem Umfeld?

Paul Woog von SKS Russ will noch keine Diskussion über Details beginnen. Er freut sich zunächst, dass eine neue Halle geplant ist. Was ihm aber am Herzen liegt, ist, dass man in diesem Zuge über ein Konzept für Mobilität und Infrastruktur samt Gastro im Neckarpark nachdenkt. „Bei Iron Maiden kamen 95 Prozent der Besucher von außerhalb Stuttgarts, da haben wir Besucher von überallher“, sagt Woog. Dafür sei man im Neckarpark noch nicht gut genug aufgestellt. Daran sollte man arbeiten.

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