Nochmals Geld für die Erschließung des gekauften Baulandes ausgeben oder warten, bis sich die Finanzlage der Stadt Marbach bessert? Die Stadträte vertreten unterschiedliche Meinungen.
Der Marbacher Bauamtsleiter Dieter Wanner ließ an seiner Einschätzung zur Erschließung des geplanten Baugebiets Keltergrund im Stadtteil Rielingshausen keine Zweifel: „Wenn wir jetzt nicht in die Umsetzung gehen, haben wir viel Geld in den Sand gesetzt.“ Konkret: Rund drei Millionen Euro, die die Stadt Marbach für den Kauf des Geländes einer ehemaligen Gärtnerei investiert hat sowie in Planungsleistungen und Artenschutz.
Auf dem rund drei Hektar großen Keltergrund in Rielingshausen sollen in zehn bis 13 Einzel- und 16 Reihenhäusern sowie maximal 30 Doppelhaushälften und drei Mehrfamilienhäusern einmal rund 250 Menschen leben. Davor steht allerdings die Erschließung, damit aus dem Bauerwartungsland tatsächlich Bauland wird. Und die kostet nochmals einen Batzen Geld.
Kritik am Zeitpunkt der Erschließung
Angesichts eines großen Lochs im Stadtsäckel – im Haushalt fehlen 3,5 Millionen Euro – mehrt sich nun die Kritik. Weniger am ursprünglichen Kauf an sich als vielmehr am Zeitpunkt der geplanten Erschließung. So monierte Jürgen Waser (Grüne), aus seiner Sicht sei es der falsche Zeitpunkt. Denn man müsse nochmals knapp fünf Millionen Euro investieren, damit man die Grundstücke überhaupt verkaufen könne. Zudem könnten sich viele hohe Grundstücks- und Baupreise gar nicht leisten – selbst die von der Stadtverwaltung konservativ angesetzten 550 Euro je Quadratmeter seien zu viel.
Kalkulierbares Risiko oder Glücksspiel?
Seine Fraktionskollegin Christina Häußermann sprang ihm bei: „Wir geben Geld aus, das wir nicht haben – in der Hoffnung, es wiederzubekommen. Aber wir sind hier doch nicht an einer Slotmaschine in Las Vegas, wo man in der Hoffnung auf einen Gewinn immer noch mal was riskiert.“ Sie jedenfalls könne es nicht verantworten, das Geld auszugeben, wenn man an anderer Stelle so viel sparen müsse. Martin Mistele von den Freien Wählern hingegen verwies darauf, dass „immer ein Risiko dabei“ sei. „Aber hier können wir verdienen. Wenn wir das jetzt nicht erschließen, wäre das ein Schatz, den wir nicht heben.“ Wanner geht davon aus, dass man schon mit dem ersten Bauabschnitt die Investitionen wieder hereinholen kann.
Am Ende ging die Abstimmung im Ausschuss für Umwelt und Technik denkbar knapp aus: Fünf Mitglieder stimmten für die Erschließung, drei dagegen, außerdem gab es eine Enthaltung.