Fast fünf Jahre hat es gedauert, den Diakonissenbunker in Stuttgart-West zur Kulturbühne umzubauen. Am Sonntag fand das erste Konzert statt. Was taugt die neue Location?

Digital Unit: Jan Georg Plavec (jgp)

Von Konzertbühnen in Stuttgart heißt es in den letzten Jahren meistens, dass sie schließen. Jetzt hat mal wieder eine neue eröffnet, und zwar unter dem Diakonissenplatz in Stuttgart-West: der Kulturbunker. Der Eingang ist an der Rosenbergstraße gegenüber vom Diakonieklinikum und führt durch den historischen Eingang direkt in das im Zweiten Weltkrieg errichtete und im Kalten Krieg zum Not-Rathaus von Oberbürgermeister Manfred Rommel ertüchtigte Bauwerk.

Vor fünf Jahren konnten wir uns in dem Bunker umsehen, mittlerweile ist der Teil unter dem Bereich Rosenberg-/Silberburgstraße zum Kulturbunker umgebaut. Die Idee stammt von Klaus-Peter Grassnick, der in der Nachbarschaft einst als Lehrer arbeitete und mit seiner Band „Müll“ in dem Bunker probte, Konzerte gab und Partys feierte. Nachdem der Bunker keine Schutzfunktion mehr hatte und jahrelang quasi ungenutzt war, brachte Grassnick Ende 2017 die Idee mit dem Kulturbunker auf.

Was der Kulturbunker leistet

Er sei „froh und stolz“, dass es unter Tage jetzt tatsächlich eine neue Konzertbühne in Stuttgart-West gebe, sagt Grassnick am Sonntag bei der Eröffnung. Das erste Konzert spielt er mit seiner eigenen Band, den „Not Named Brothers“ – klassischen, gut gemachten Bluesrock. Inwiefern das den Ton für weitere Konzerte an dieser Stelle setzt, wird sich zeigen. Der Verein „Kultdiak“, den Grassnick gegründet hat, habe schon diverse Konzertabende in Planung, heißt es. Details sind noch nicht bekannt, drei Termine für eine Musiktheateraufführung stehen aber bereits auf der Bunker-Website.

Für Konzerte mit 100, 150 Zuschauern taugt der Raum in jedem Fall. Dank entsprechender Einbauten ist der Sound für einen unterirdischen Betonraum geradezu hervorragend. Die kühlen Temperaturen machen die Atmosphäre erst aus. Vermutlich wird man hier eher nicht kuschelige Singer/Songwriter-Abende verbringen. Für Musiker viele anderer Genres dürfte der Raum aber inspirierend wirken.

Mehr als vier Jahre hat es von der von der Kulturbunker-Idee bis zur Umsetzung gedauert. Damals wurde der Diakonissenplatz noch als Verkehrsübungsplatz genutzt. Derzeit wird er zum Park umgebaut. Anders als die oberirdische Baustelle ist die unterirdische mittlerweile abgeschlossen.

Für den Kulturbunker hat Grassnick einen Verein gegründet, Mitstreiter gefunden und mit Spenden sowie Mitteln des Bezirksbeirats ein sechsstelliges Budget organisiert (und fast auf den Cent genau eingehalten). Erfolg hatte er, weil er pausenlos für seine Idee getrommelt hat – und weil es vielleicht tatsächlich eine gute Idee ist, an dieser Stelle Musik zu machen.