Insgesamt taucht das Wort „jung“ 30 Mal in dem 160 Seiten langen Papier auf, das Wort „Jugend“ sogar 54 Mal. Die neue Landesregierung formuliert zwar einige Versprechen für die junge Generation, bleibt in vielen Punkten aber auch vage. Und in einem Punkt verkündet sie ein Vorhaben, das viele junge Menschen als Zumutung betrachten könnten.
Gute Bildung und eine kostenlose Meisterschule
Gerade junge Menschen stehen derzeit vor einer großen Herausforderung: der Jobsuche. Wer Schule, Ausbildung oder Studium beendet, merkt schnell, wie schwierig der Einstieg in die Arbeitswelt ist. Wenige Stellenangebote, Absagen und viel Frust kennen viele junge Menschen gut.
Die Landesregierung will deshalb die „Zukunftschancen der jungen Generation“ verbessern. Dafür soll vor allem die duale Ausbildung gestärkt werden. Berufsschulen sollen besser ausgestattet und Betriebe entlastet werden. Außerdem plant die Koalition, die Meisterausbildung kostenlos zu gestalten.
Auch Hochschulen und Universitäten sollen saniert werden. Die Studierendenwerke sollen mehr Unterstützung bekommen, damit sie bezahlbaren Wohnraum für Studierende schaffen können. Außerdem will sich die Landesregierung beim Bund für höhere BAföG-Sätze einsetzen.
Landesregierung will Clubs schützen
Viele Clubbetreiber berichten von einer angespannten Lage. Immer wieder müssen Clubs schließen, einige sprechen sogar von einem „Clubsterben“. Die grün-schwarze Landesregierung will sie schützen. Musikclubs seien „Orte der kulturellen Produktion“ mit großer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Deshalb sollen sie stärker als Kulturorte anerkannt werden.
Kommt das „Gesellschaftsjahr“ für junge Erwachsene?
In vielen Orten in Baden-Württemberg gibt es Jugendzentren. Jugendliche und Kinder können sich dort treffen, lernen und gemeinsam Zeit verbringen. Manche Einrichtungen bieten auch Programmpunkte wie Graffiti-Workshops oder Bandprojekte an.
Diese Kinder- und Jugendarbeit wollen Grüne und CDU stärken. Auch Kommunen sollen beim Ausbau der Schulsozialarbeit unterstützt werden. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen bei Problemen schneller helfen zu können.
Außerdem soll die Meinung junger Menschen stärker gehört werden. Die Landesregierung kündigt an, die Beteiligung Jugendlicher an politischen Entscheidungen auszubauen.
Gleichzeitig erwartet die Regierung aber auch mehr Engagement von jungen Menschen. Sie will deshalb über ein sogenanntes verpflichtendes „Gesellschaftsjahr“ in Deutschland diskutieren. Dabei könnten junge Erwachsene einen Dienst für die Gesellschaft leisten — etwa bei der Bundeswehr, im Katastrophenschutz oder in sozialen, kulturellen und ökologischen Einrichtungen.
Ein Gesellschaftsjahr würde damit eine Alternative zu einem möglichen Wehrdienst darstellen. Die Bundesregierung hat zwar bereits eine verpflichtende Wehrerfassung beschlossen, mit der seit Januar 2026 die grundsätzliche Wehrdienstfähigkeit junger Männer geprüft wird, der Wehrdienst selbst bleibt bislang jedoch freiwillig.
Daraufhin sind bereits zahlreiche junge Menschen und Schüler in Stuttgart auf die Straße gegangen, um gegen das Gesetz zu demonstrieren.
Psychische Gesundheit von jungen Menschen
Daten von Krankenkassen zeigen: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Belastungen. Darauf will die Landesregierung reagieren und verspricht mehr psychosoziale Beratung sowie stärkere Suizid- und Suchtprävention. Außerdem soll eine Strategie gegen Einsamkeit entwickelt werden.
Zusätzlich plant das Land eine weitere Klinik, heißt es im Koalitionsvertrag.
Auch soziale Medien spielen im Koalitionsvertrag eine Rolle. Die Landesregierung sieht besonders im Internet Risiken für die psychische Gesundheit junger Menschen. Im Vertrag heißt es, ein hoher Konsum sozialer Medien könne die Entwicklung Minderjähriger beeinträchtigen.
Deshalb wollen sich Grüne und CDU auf Bundes- und EU-Ebene für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige einsetzen.
Gerade auf dem Land bedeutet ein Führerschein oft Freiheit und Unabhängigkeit. Denn ohne Auto kommt man vielerorts kaum von A nach B.
Das Problem: Ein Führerschein kostet inzwischen oft mehrere Tausend Euro. Die Landesregierung begrüßt deshalb Initiativen, die die Fahrausbildung günstiger machen sollen.
Kritik von der Grünen Jugend
Alle Vorhaben im Koalitionsvertrag stehen unter einem sogenanntem „Haushaltsvorbehalt“. Das bedeutet, dass die Projekte und vorgestellten Ziele nur umgesetzt werden, wenn genug Geld da ist.
Neue Schulden wollen Ministerpräsident Cem Özdemir und sein Stellvertreter Manuel Hagel allerdings nicht aufnehmen. Beide halten an der Schuldenbremse fest.
Kritik kommt deshalb von der Grüne Jugend. Der Jugendorganisation der Grünen fehlen ambitionierte Maßnahmen für junge Menschen. Außerdem hält sie es für falsch, wegen der Schuldenbremse keine neuen Kredite aufzunehmen.