Neue Regierung in Baden-Württemberg Warum sich das Bauministerium jetzt um den Sport kümmert

Theresa Schoppers neues Ministerium begründet nach Kritik den Schritt, das Thema Sport nicht mehr beim Kultusministerium anzusiedeln. Foto: dpa

Der größte Sport-Dachverband im Land übt Kritik daran, dass das Thema sich jetzt über mehrere Ministerien verteilt. Wie das Bauministerium den Schritt begründet.

Digital Desk: Sascha Maier (sma)

Nachdem der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) deutliche Kritik daran geübt hat, dass sich sportliche Themen in der Landesregierung nun über mehrere Ministerien verteilen, geht das Bauministerium jetzt auf die Vorwürfe ein. Bauministerin Theresa Schopper (Grüne), in der vergangenen Legislaturperiode noch Kultusministerin, nahm das Thema Sport zum Unmut des LSV in ihr neues Ministerium mit. Dadurch gibt es nun mit dem Bau-, Kultus- und Sozialministerium drei Ministerien, die im weitesten Sinne für Sport zuständig sind. Im Bauministerium versichert man dennoch, dass „die erfolgreiche Sportpolitik der vergangenen Jahre nahtlos fortgesetzt“ werden könne.

 

Sport für Ministerin „Herzensangelegenheit“

Wie ein Sprecher des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen - so die offizielle Bezeichnung - erklärt, sorge die „personelle Kontinuität mit Ministerin Theresa Schopper“ dafür. Für sie sei der Sport seit „vielen Jahren eine Herzensangelegenheit.“ Allerdings gebe es auch handfestere Gründe, die Zuständigkeiten für den Sport neu zu ordnen.

Bund, Länder, Kommunen, Sportorganisationen und Gesellschaft sollten gemeinsam daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung nachhaltig zu verbessern. „Dazu gehören auch moderne, attraktive und gut erreichbare Sport- und Bewegungsflächen“, so der Sprecher des Ministeriums „ob auf dem Schulhof, in kommunalen Sportstätten, auf Spielplätzen oder in öffentlichen Grünanlagen.“ Also bauliche Aufgaben.

„Da wiehert der Amtsschimmel“

Schopper ist seit 2025 Vorsitzende der Sportministerkonferenz. Dabei habe sie „wichtige Impulse gesetzt und zahlreiche Projekte angestoßen, etwa den Aktionsplan zur Förderung des Kinder- und Jugendsports.“ Ziel sei es unter anderem, tägliche Bewegungszeiten für Kinder und Jugendliche zu stärken sowie die Talententwicklung weiter auszubauen. Diese Projekte könnten nun konsequent weitergeführt werden.

Jürgen Scholz, der Präsident des LSVBW, hatte die Entwicklungen anders bewertet. Der hauptberufliche Bürgermeister von Sersheim hatte nach dem Umzug des Sports vom Kultus- ins Bauministerium gesagt: „Da wiehert der Amtsschimmel – und zwar heftig!“

Besonders in der Kritik: Dass das Thema Sport jetzt auf drei Ministerien verteilt ist. So befindet sich der Leistungssport im Bau, der Schulsport bleibt im Kultusministerium und das Sozialministerium kümmert sich um Belange der Sportjugend. „Das Konstrukt ist wahnsinnig unübersichtlich“, sagte Scholz.

In einer aktuellen Stellungnahme des LSVBW stellt Scholz zwar klar, dass er sich auf Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Ministerin Theresa Schopper freue. Er erwarte aber „besonders in der Übergangsphase erhöhte Aufwände für den organisierten Sport und pocht auf die Klärung dringlicher noch offener Fragen."

30 ganze Jahre lang sei der organisierte Sport in Baden-Württemberg im Kultusministerium fest verankert gewesen, wird in dem Schreiben betont. Der Wechsel habe den LSVBW überrascht. In die Entscheidung sei man nicht eingebunden gewesen.

LSV-Präsident Jürgen Scholz (rechts) bei einer Preisverleihung (Archivbild) Foto: Pressefoto Baumann

Zwar lobt Scholz den Solidarpakt Sport V, in dem viel Geld für die Sportstätteninfrastruktur vorgesehen ist - die jährliche Landesförderung wurde um knapp 20 Millionen Euro erhöht. Der LSVBW-Präsident räumt auch ein, dass die Verknüpfung von Bauen und Sport in Baden-Württemberg daher näher liege, „als man auf den ersten Blick denken mag.“ Aber gerade zu Beginn erwarte er einen hohen bürokratischen Mehraufwand, „das wird für den Landessportverband und die Sportbünde sicher nicht einfach.“

Auch andere Zuständigkeiten verändert

Scholz kritisierte außerdem, dass das Wort „Sport“ gar nicht mehr im offiziellen Namen des Ministeriums vorkomme. Tatsächlich findet sich der Sport auch nicht mehr in den Bezeichnungen der anderen teilzuständigen Ministerien. Im Kabinett Kretschmann war das noch anders: Da hieß immerhin das Kultusministerium noch Ministerium für Kultus, Jugend und Sport.

Nicht nur beim Sport haben sich in der neuen Regierung unter Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) die Zuständigkeiten geändert. So wanderte unter anderem das Mammutthema Bürokratieabbau vom Innen- ins Staatsministerium, das Umweltministerium erhielt Aufgaben um Lärmschutz und Luftreinhaltung vom Verkehrsministerium.

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