Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) plant neben einem neuen Betriebshof in Weilimdorf auch die Verlängerung der Stadtbahnlinie U 13 über Stuttgart-Hausen bis nach Ditzingen. Beide Projekte kosten zusammen 440 Millionen Euro, wobei 210 Millionen Euro für den Trassenbau veranschlagt wurden. Vor einem Jahr stimmte der Stuttgarter Gemeinderat dem Bauvorhaben zu, wenig später gab auch Ditzingen grünes Licht.
Das Planfeststellungsverfahren für das Projekt wurde Anfang Juni eingeleitet. Betroffene konnten bis zum 16. August ihre Stellungnahmen abgeben – positive wie negative. Unter den Kritikern des Millionenprojekts befindet sich auch der Landesnaturschutzverband (LNV), nach dessen Auffassung die Pläne schwerwiegende Mängel aufweisen. Dazu zähle auch die Behauptung der SSB, dass das Projekt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten würde. Dies sei nur dann der Fall, wenn parallel zum Ausbau der Stadtbahn der Autoverkehr verlangsamt werden würde. „Tatsächlich finden sich in den Planunterlagen keinerlei Pläne für die Entschleunigung oder den Rückbau von Straßen“, heißt es in einer LNV-Pressemitteilung. Aus den Plänen der SSB würde hervorgehen, dass keinerlei Beeinträchtigungen des Autoverkehrs vorgesehen seien.
Naturschutz kritisiert SSB
Obwohl die städtische Tochter nicht für Straßen zuständig sei, wäre es durchaus möglich, im Planfeststellungsverfahren Begleitmaßnahmen im Straßenraum vorzusehen. „Wenn es diese Maßnahmen – beispielsweise ampelgesteuerte Knoten auf der B 295 – nicht gibt, darf die Stuttgarter Straßenbahnen AG auch nicht von Klimaschutz sprechen“, sagt Rudolf Pfleiderer, stellvertretender Sprecher des LNV-Arbeitskreises Stuttgart.
Trasse eine Fehlplanung
Als verkehrliche Fehlplanung bezeichnet der Landesnaturschutzverband vor allem die Führung der Stadtbahntrasse auf der Südseite der B 295. Die dort geplanten Haltestellen „Ditzinger Straße“ und „Bahnhof Weilimdorf“ würden der Erschließung der Äcker dienen. Nach Ansicht der Naturschützer muss die Trasse auf der Nordseite der Bundesstraße verlaufen. Der Vorteil: Die SSB würde mit nur einer Haltestelle auskommen, die zudem das Gewerbegebiet besser erschließt als die beiden geplanten Haltestellen auf der Südseite der B 295. Zu guter Letzt kritisiert der LNV auch, dass die Haltestelle Hausen nicht in dem Weilimdorfer Stadtteil sondern am Rand liegt.
Landwirt erhebt Einspruch
Einspruch erhoben gegen die Planung habe laut LNV auch Thomas Ludmann vom Schelmenhof. Der Landwirt sehe die Existenz seines Betriebs durch die Planung gefährdet, da er rund zehn Prozent seiner Betriebsfläche verlieren würde. Besonders schädlich sei für ihn, dass die Trasse über seine Hofbetriebsfläche führe und ihm damit eine Erweiterung unmöglich machen würde.
Eine Entscheidung darüber, ob die Pläne der SSB realisiert werden, erfordert natürlich eine Abwägung der Vor- und Nachteile. Der Landesnaturschutzverband betont, dass eine rechtmäßige Abwägung allerdings nur dann erfolgen kann, wenn alle erheblichen Belange richtig ermittelt werden. Dies sei bei den jetzt vorgelegten Planunterlagen nicht der Fall.
Große Resonanz
Laut Stadtverwaltung stieß die Anhörung für das Planfeststellungsverfahren für den Bau der SSB-Trasse samt Betriebshof insgesamt auf große Resonanz. „Es gingen zahlreiche positive wie negative Einlassungen ein“, sagt Stadtsprecherin Laura Orlik. Sie wurden alle an die SSB weitergeleitet, die für die Sichtung und Bearbeitung zuständig sei.
Nachdem die städtische Tochter vor einem Jahr bereits den Kostenplan für beide Großprojekte von 130 auf jetzt 440 Millionen Euro korrigieren musste, musste sie im Juli auch Verzögerungen bei der Realisierung einräumen. „Der Zeitplan war ambitioniert und optimistisch, doch er ist nicht zu halten“, sagte SSB-Chefplaner Volker Christiani. Die Umsetzung sei geprägt von Faktoren wie Flächenerwerb, Vergabeprozesse und Artenschutzmaßnahmen“, so Christiani. Die Konsequenz: Sofern der Planfeststellungsbeschluss bis zum Dezember 2025 vorliege, sei der Baubeginn im Frühjahr 2027 vorgesehen. Frühestens 2030 könnte die U 13 dann nach Ditzingen (Industriegebiet) fahren.