Die Stadt Ditzingen gibt Einblicke in ihre neue Sammelunterkunft für Geflüchtete. Davon, luxuriös zu sein, sind die Wohnungen weit entfernt – trotz Baukosten in Millionenhöhe.
Das Nötigste ist vorhanden. Zum Beispiel in der Wohnung für drei Personen im Erdgeschoss: Sie hat vier Räume. Einen Raum zum Schlafen mit drei Betten und grauen Spinden, einen mit Toilette samt Waschbecken, einen mit Dusche plus Waschbecken – und dann ist da noch die Küche mit Herd, Schränken sowie Kühl- und Gefrierschrank. Einen Geschirrspüler sucht man dort so vergebens, wie auch in der gesamten Wohnung Platz für eine Waschmaschine fehlt. Die steht außerhalb der Wohnung ein paar Meter entfernt in einem Extraraum, den alle Bewohner nutzen. Ebenso den gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum. Vor Ort sind unter anderem Sprachkurse geplant.
Die Wohncontaineranlage für Geflüchtete im Höfinger Weg im Ditzinger Teilort Heimerdingen ist neu. Die Stadt ließ sie für rund 2,2 Millionen Euro bauen, um weiteren Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Die Landesbank unterstützt das Projekt im Rahmen des Landesförderprogramms „Wohnraum für Geflüchtete“ mit rund 340 000 Euro.
In dem Gebäude im Gewerbegebiet mit 455 Quadratmetern Wohnfläche leben künftig bis zu 44 Personen. Die Anlage hat zehn Wohneinheiten – macht pro Person gut zehn Quadratmeter. Nicht viel, aber mehr als die im Flüchtlingsaufnahmegesetz des Landes vorgesehenen mindestens sieben Quadratmeter Wohn- und Schlaf-Fläche für die vorläufige Unterbringung des Landkreises. Die zehn Quadratmeter in der Anschlussunterbringung, für die die Kommunen zuständig sind, hat der Ditzinger Gemeinderat beschlossen.
Eigener Blick gegen Vorurteile
Auf diesen zehn Quadratmetern leben die Menschen auf zwei Etagen weder schick noch komfortabel – sondern beengt, zweckmäßig und schlicht. Weite schafft allenfalls der Blick auf die Felder. Der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) spricht von einer „Basisausstattung, mit der man leben kann. Ohne Luxus“. Dem Rathauschef ist es wichtig, dass die Bevölkerung sieht, wie Geflüchtete tatsächlich untergebracht sind. Daher lädt die Stadt sie zu jeder Eröffnung einer neuen Unterkunft zu einem Rundgang ein. Gegen Vorurteile helfe der eigene Blick, meint Michael Makurath. Gleichwohl käme man an die Menschen „mit seltsamer Haltung“, gemeint sind die Hetzer in den sozialen Medien, nicht ran – weil sie derlei Veranstaltungen für gewöhnlich fernbleiben würden.
Auch eine Klimaanlage gibt es nicht. Lediglich Lüftungen in Küche, Bad und Toilette, die die Räume entfeuchten, damit sich kein Schimmel bildet, erläutert Robert Plasa vom technischen Gebäudemanagement der Stadt. Grundsätzlich ist die Containeranlage nachhaltig gebaut: Zwei Wärmepumpen heizen sie, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach produziert Ökostrom. Im November war Baubeginn beziehungsweise starteten die Vorarbeiten.
Die Stadt setzt bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf Dezentralität mit aktuell 35 Standorten. Die neue Sammelunterkunft ist in Heimerdingen der zweite Neubau nach dem am Iptinger Weg.
Insgesamt leben in Ditzingen ungefähr 500 Geflüchtete, verteilt in Sammelunterkünften mit jeweils maximal 50 Personen, aber auch in angemieteten Wohnungen. Und die kosten die Stadt laut Makurath teilweise sehr viel Miete.
Erste Bewohner ziehen im August ein
Dank der neuen Unterkunft – und weil weniger Geflüchtete als bisher kommen – könne man nun aus so manchem Mietobjekt rausgehen. Der Oberbürgermeister macht allerdings deutlich, dass sich die Situation der Zuwanderung schnell ändern könne und die Zugangszahlen wieder steigen. „Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Noch sind die Wohnungen im Höfinger Weg verwaist. Im August ziehen mit einer vierköpfigen Familie aus der russischen Föderation die ersten Bewohner ein. Mehr sei noch nicht bekannt, sagt die Integrationsmanagerin Anita Nübel. Am Ende werde es wohl ein Mix sein aus neu aufgenommenen Geflüchteten und Personen aus anderen Unterkünften der Stadt.
So oder so: In Ditzingen werden Geflüchtete nicht bloß untergebracht. Der Oberbürgermeister ist froh um die „große Unterstützung aus der Bevölkerung“. Weil eine soziale Infrastruktur entstanden sei – zu der etwa der Arbeitskreis Asyl, die Bürgerstiftung und der Nachhaltigkeitsladen zählen – könne die Stadt die Geflüchteten darüber hinaus gut ausstatten und integrieren.
Ditzingen ist kreisweit neben Korntal-Münchingen, Gerlingen und Möglingen eine von wenigen Kommunen, die die Geflüchteten in der Anschlussunterbringung in eigener Verantwortung betreuen – statt das dem Landratsamt zu überlassen. Zum Integrationsmanagement gehören vier Personen in Voll- und drei in Teilzeit.
Mehr Geflüchtete sollen arbeiten
Das Vorhaben
Im Landkreis Ludwigsburg sollen mehr Asylbewerber arbeiten. Das Vorhaben wurde im Sozialausschuss des Kreistags vorgestellt. Für die Arbeitsaufnahme kommen demnach mehr als 1000 Personen infrage.
Die Tätigkeiten
Rund 100 Geflüchtete arbeiten schon in Unterkünften des Landkreises. Sie putzen, entsorgen Müll oder dolmetschen – für eine Aufwandsentschädigung von 80 Cent pro Stunde. So sieht es das Gesetz vor. Gemeinsam mit den Kommunen will der Kreis jetzt mindestens 300 neue Stellen schaffen.