Neue Untersuchung zeigt Jede vierte Straße in Stuttgart ist in einem desolaten Zustand
Seit Jahren steigen die Investitionen für die Sanierung und Erneuerung des Stuttgarter Straßennetzes – mit mäßigem Erfolg.
Seit Jahren steigen die Investitionen für die Sanierung und Erneuerung des Stuttgarter Straßennetzes – mit mäßigem Erfolg.
Die zurückhaltende Investitionspolitik in die wichtige Infrastruktur der Stadt tritt zunehmend deutlicher in Erscheinung. Auch immer mehr Straßen sind in einem desolaten Zustand. Das geht aus dem jüngsten Untersuchungsbericht hervor, der im gemeinderätlichen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik vorgestellt wurde. Immerhin mehr als ein Viertel aller Straßen in der Landeshauptstadt sind demnach in einem desolaten Zustand.
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Nach den andauernden Hiobsbotschaften zu den maroden Brücken in Stuttgart – laut Verwaltung muss in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht weniger als eine Milliarde Euro in die Sanierung der Bauwerke investiert werden –, droht bereits die nächste Mammutaufgabe, neue Löcher in die sowieso bereits klamme Haushaltskasse zu reißen. „Wir müssen weiter investieren“, betonte Jürgen Mutz, der Leiter des Tiefbauamts.
Zum vierten Mal nach 2009, 2014 und 2019 haben Messfahrzeuge im vergangenen und in diesem Jahr das 500 Kilometer lange Stuttgarter Hauptstraßennetz untersucht. Laut dem Bericht wurden Fahrbahnen mit einer Länge von rund 1320 Kilometer ins Visier genommen und von einem spezialisierten Ingenieurbüro ausgewertet. Die Ergebnisse sind erschreckend.
Zwar konnte der Anteil der Straßen, die in einem sehr guten Zustand sind, seit 2009 von 20 auf 32 Prozent gesteigert werden. Dem gegenüber nimmt der Anteil der Wege, die als sehr schlecht bewertet wurden, vor allem in den letzten Jahren gravierend zu. Von lediglich 13 Prozent im Jahr 2009 über 22 Prozent (2019) auf nunmehr 26 Prozent. Das heißt, mehr als jede vierte Straße in der Landeshauptstadt ist in einem miserablen Zustand. Nimmt man die Bewertungsklasse vier – schlechter Zustand – mit hinzu, sind stolze 39 Prozent aller Wege dringend sanierungsbedürftig. Das sind vier Prozent mehr als noch 2019.
„Wir haben die Talsohle noch nicht durchschritten“, betont denn auch Tiefbauamtsleiter Mutz. Dabei stehen pro Jahr 21 Millionen Euro für die Erneuerung und Instandhaltung des gesamten Stuttgarter Straßennetzes zur Verfügung – auch für Rad- und Gehwege. Hinzu kommt, befristet bis 2027, eine weitere Million aus Sondermitteln in Verbindung mit dem Breitbandausbau für ein schnelleres Internet. Zu wenig, angesichts der Fülle der Aufgaben.
„Wir werden noch eine Weile benötigen, um den schlechten Zustand der Straßen wieder beseitigen zu können“, weiß auch Mutz. Daher kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass eine dauerhafte Erhöhung des Budgets um weitere zwei Millionen Euro pro Jahr notwendig ist. Zudem sei eine regelmäßige Anpassung an die Preissteigerungen im Bausektor erforderlich. Denn seit Jahren steigt nicht nur das Budget, sondern auch die Kosten. Lagen die Ausgaben 2017 noch bei rund 11,5 Millionen Euro, flossen 2024 mehr als 26 Millionen Euro in die Sanierung und Erneuerung der Straßen – und damit deutlich mehr als das vorhandene Budget. Angesichts dessen fragte sich nicht nur AfD-Stadtrat Thomas Rosspacher, „ob man nicht 25 bis 30 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen muss“ – für einen besseren Zustand der Stuttgarter Straßen.