Sie sind gelb-blau, sie sind leiser und sie sind ein Hoffnungsträger für mehr Stabilität: Seit diesem Montag, 4. Mai, rollen zwei weitere modernisierte Fahrzeuge über die Strecke der Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rusersberg. Was nach Routine klingt, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt aus einer Krise heraus, die das „Wiesel“ vor knapp zwei Jahren fast zum Stillstand gebracht hätte. Wie das Landratsamt mitteilt, sind damit nun alle vier beschafften Fahrzeuge im Einsatz und das Kapitel ihrer Inbetriebnahme abgeschlossen.
Die beiden Züge wurden bereits am 29. April aus einer Werkstatt in Weiden ins Wieslauftal überführt, anschließend folgten letzte technische Arbeiten in Rudersberg – darunter der Einbau des Funksystems. Nun verstärken sie den regulären Betrieb zwischen Schorndorf und Oberndorf. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem eines: mehr Verlässlichkeit auf einer Strecke, die lange von Ausfällen und Ersatzverkehr geprägt war.
Wiederaufbau nach Hochwasser: Wiesel kehrt zurück
Der Blick zurück zeigt, warum jede zusätzliche Garnitur hier mehr ist als bloße Kapazität. Im Juni 2024 zerstörten Starkregen und Hochwasser ein Drittel der Strecke, beschädigten alle Fahrzeuge und legten auch die Werkstatthalle lahm. Vier Alt-Fahrzeuge mussten als Totalschaden abgeschrieben werden. Die jetzigen „neuen Gebrauchten“ sind Teil einer strategischen Entscheidung, die schon Ende 2023 getroffen worden war – und sich im Nachhinein als überlebenswichtig erwies.
Nach der Hochwasserkatastrophe vor zwei Jahren waren einzelne Züge nicht mehr zu retten. Foto: Frank Rodenhausen
Dass nun alle vier beschafften Regio-Shuttles im Einsatz sind, markiert deshalb mehr als einen technischen Fortschritt. Es ist ein sichtbares Signal dafür, dass der Wiederaufbau nicht nur funktioniert hat, sondern Schritt für Schritt in einen stabileren Betrieb übergeht. Landrat Richard Sigel spricht von einem „Meilenstein“ und verweist zugleich auf mehr Komfort und Barrierefreiheit für die Fahrgäste.
Mehr Komfort, mehr Stabilität im Takt
Schon seit Anfang dieses Jahres fährt die Wieslauftalbahn wieder im Halbstundentakt – ein Zustand, der lange als unsicher galt. Denn der Fahrplan war „auf Kante genäht“, wie es intern hieß: ohne echte Reservefahrzeuge, anfällig für jede Störung. Die neuen Fahrzeuge entschärfen diese Lage zumindest teilweise.
Im Alltag zeigt sich das vor allem zu den Stoßzeiten. Morgens und nachmittags fahren die Züge weiterhin in Doppeltraktion, also gekoppelt. Doch die zusätzlichen Fahrzeuge ersetzen bisherige Mietzüge und sorgen für mehr Spielraum bei Wartung und Einsatzplanung. Das Ziel: weniger Ausfälle, weniger Improvisation, mehr Planbarkeit für Pendlerinnen, Schüler und Gelegenheitsfahrgäste.
Sechs Fahrzeuge als Ziel – Geduld bleibt nötig
Ganz am Ziel ist die Wieslauftalbahn dennoch nicht. Zwei weitere Fahrzeuge fehlen noch im künftigen Regelbetrieb. Dabei handelt es sich um beschädigte Züge, die derzeit aufwendig repariert werden. Die Schäden sind erheblich, Ersatzteile schwer zu beschaffen – entsprechend rechnet der Landkreis erst Anfang 2027 mit ihrer Rückkehr auf die Schiene.
Erst dann wird die Flotte wieder vollständig sein und der Betrieb mit sechs eigenen Fahrzeugen laufen können. Perspektivisch sind dann weitere Verbesserungen möglich, etwa Dreifachtraktionen im Schülerverkehr oder eine insgesamt stabilere Betriebsführung. Bis dahin bleibt das „Wiesel“ ein System im Übergang – aber eines, das sich sichtbar vorwärtsbewegt.