Neue Zulassungsstelle in Stuttgart Klagen über lange Wartezeiten und Müll – Stadt rät vom Besuch ab

Ein vertrautes Bild, nur an anderer Stelle: Besucher brauchen auch in Bad Cannstatt viel Geduld. Foto: StZN

Seit dieser Woche hat die neue Stuttgarter Zulassungs- und Führerscheinstelle geöffnet. Besucher klagen über lange Wartezeiten und Müll, die Stadt rät gar vom Besuch ab.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Der Mann kennt sich aus. Schon von Geschäfts wegen muss er häufiger zur KFZ-Zulassungs- und Führerscheinstelle der Stadt Stuttgart. Deshalb ist er leidgeprüft. Seit Jahren fehlt es an Personal, teils endlose Schlangen und Wartezeiten vor dem bisherigen Standort in der Krailenshaldenstraße in Feuerbach waren die Folge. Zeitweise sind die Kunden mitten in der Nacht angerückt, um eine Chance zu haben, morgens ins Gebäude zu kommen. Ein Ordnungsdienst musste für die Sicherheit sorgen, einige Male musste sogar die Polizei anrücken, um Streitigkeiten zu unterbinden. „Ich bin einiges gewohnt“, sagt der Stuttgarter deshalb.

 

In Zukunft soll alles besser werden – für Mitarbeitende genauso wie für die Kundschaft. Verbunden ist diese Hoffnung mit dem Umzug in neue Räume. Seit dieser Woche sind die Zulassungs- und Führerscheinstelle in Bad Cannstatt zu finden, und zwar im Gebäude Löwentorbogen 11.

Langes Warten im Regen

Doch der Auftakt scheint gehörig misslungen – und erinnert viele an die bisherigen Zustände. „Am Dienstag standen die Leute bis zur Hauptstraße vor, ich schätze, etwa 120 Menschen vor dem Eingang“, schildert der Kunde. Beim zweiten Versuch am frühen Mittwochmorgen seien es immerhin nur rund 50 gewesen. „Wir standen eine Stunde draußen vor dem Eingang im Regen. Alles verdreckt und schlecht organisiert“, schimpft der Mann.

Die Mülleimer quellen über. Foto: StZN

Als er schließlich nach eineinhalb Stunden an der Reihe war, erfuhr er, dass ein weiterer Gang auf ihn wartet. Denn wenn man Schilder machen wolle, müsse man weiterhin nach Feuerbach. „Warum stellt man da nicht einen Container in Bad Cannstatt auf? Platz wäre genug dafür“, kritisiert der Kunde.

Die Stadt ist bereits am Dienstag von sich aus in die Offensive gegangen. Per Pressemitteilung hat man Anlaufschwierigkeiten eingeräumt – und zu einem bemerkenswerten Ratschlag gegriffen: Nach der Umzugsphase vom 19. Februar bis zum 9. März, verbunden mit zeitweiligen Schließungen, sei der Andrang nun so groß, dass man nicht nur um „Verständnis und Geduld“ bitte, sondern darum, dass Kunden möglichst alles, was sich online erledigen lasse, von zu Hause aus machten. Sprich: Man möge am besten erst einmal nicht vor Ort erscheinen. Es sei denn, man hat einen festen Termin gebucht.

Stadt spricht von Anlaufschwierigkeiten

„Seit der Wiederaufnahme des Dienstbetriebs arbeiten die Mitarbeitenden mit großem Engagement daran, alle Anliegen der Bürgerinnen und Bürger schnellstmöglich zu bearbeiten und den gewohnten Service wieder vollständig anzubieten. Aufgrund des erhöhten Andrangs kann es in den nächsten Tagen jedoch zu Wartezeiten kommen“, heißt es in der Mitteilung. Man empfehle deshalb, „Online-Services und die Terminvergabe zu nutzen sowie möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen“. Denn auch die Parkplatzsituation vor Ort lässt offenbar zu wünschen übrig.

Die Online-Terminvergabe zu nutzen, gestaltet sich allerdings schwierig. „Bei mir hat es keine Termine angezeigt“, sagt der Stuttgarter Kunde. Ein anderer rechnet vor, dass er es bereits seit Wochen jeden Tag versuche, insgesamt mehrere Hundert Mal zu unterschiedlichen Tageszeiten, ohne bisher Erfolg gehabt zu haben. „Was das allein an Zeit gekostet hat, will ich gar nicht so genau wissen“, sagt er. Und tatsächlich sind auch am Mittwochvormittag bei der Online-Terminvergabe der Führerscheinstelle keine Buchungen möglich. Auf dem entsprechenden Portal der Zulassungsstelle allerdings werden je nach Anliegen einige freie Termine angezeigt – teils noch in dieser Woche.

Die Stadt hofft, dass sich die Lage entspannt, wenn der erste Ansturm nach dem Umzug abgeflaut ist. Und sie verweist darauf, dass zahlreiche Leistungen bis dahin und auch später auch online möglich sind – etwa die Beantragung eines Führerscheins. Wer dennoch ohne Termin zum Löwentorbogen kommt, braucht vorerst eine Eigenschaft, die man von diesen Gängen in Stuttgart bereits kennt: Geduld.

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