Die Zulassungs- und Führerscheinstelle ist umgezogen. Die Schlangen sind auch am neuen Standort lang – doch es gibt Hoffnung für Kunden und Mitarbeitende. Ein Besuch.
Die alte Stuttgarter KFZ-Zulassungs- und Führerscheinstelle hatte keinen guten Ruf. In der Krailenshaldenstraße in Feuerbach waren die Platzverhältnisse beengt, die Wartezeiten teils ewig. Kunden kamen manchmal schon mitten in der Nacht, um ihre Chancen zu erhöhen, vorgelassen zu werden. Ein Sicherheitsdienst musste für Ordnung sorgen. Der Hauptgrund: Personalmangel. Denn auch für die Beschäftigten waren die Verhältnisse alles andere als zufriedenstellend.
„Unsere Leute haben auf ihren Schreibtischen vespern müssen, weil es sonst keinen Platz dafür gab“, sagt der Leiter Matthias Franke. Mit solchen Verhältnissen soll jetzt Schluss sein. Seit wenigen Tagen finden sich Zulassungs- und Führerscheinstelle am neuen Standort in Bad Cannstatt. Vor dem Gebäude Löwentorbogen 11 haben sich zu Beginn allerdings gleich wieder lange Schlangen gebildet, viele Menschen waren sauer.
Umzug „logistische Meisterleistung“
Das liegt auch daran, dass es während der mehrwöchigen Umzugsphase immer wieder Schließzeiten gegeben hat. Das hat für einen Bearbeitungsstau gesorgt. „Unser Fokus lag darauf, die Schließzeiten für die Kunden so kurz wie möglich zu halten“, so Franke. Die Zulassungsstelle etwa habe nur vier Tage lang geschlossen gehabt. „In dieser Zeit haben wir alles gerockt. Das war eine logistische Meisterleistung“, so der Leiter.
Im neuen Gebäude, wo mehrere Stockwerke belegt werden, ist mehr Platz als bisher. Der kundenintensivste Betrieb spielt sich im Erdgeschoss ab. An der Tür steht immer noch ein Security-Mitarbeiter. „Vor allem zur Steuerung, die Leute machen einen super Job“, sagt Franke. Wer dann drin ist, findet rechts die Zulassungs- und links die Führerscheinstelle.
Die Schlange vor dem Eingang soll bald kürzer werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Abläufe sind geändert worden. „Noch sortieren wir uns, aber wenn der Kunde in Zukunft gut vorbereitet zu uns kommt, sollte er schnell durch sein“, hofft Franke. Man stelle fest, dass durch die verbesserten Abläufe bereits jetzt ein höherer Durchlauf gelinge als früher. Es gibt neue Bedientheken, hellere und freundlichere Räume, zwei schwere Kassenautomaten sind mit umgezogen, alles ist neu verkabelt.
Das ist auch fürs Personal von großem Vorteil. Die alten Schalter in Feuerbach sind aussortiert. Sie stammen aus den 60er-Jahren. „Wir hatten mehrere Anfragen von Filmteams, dort zu drehen, weil es so alte Einrichtungen woanders gar nicht mehr gibt“, erzählt Franke. Im vergangenen Jahr habe die Filmakademie Baden-Württemberg dort auch tatsächlich Szenen gedreht. Es sind jetzt Sozialräume vorhanden, in Zukunft soll es auch eine Möglichkeit für Kunden geben, direkt am Schalter mit EC-Karte zu bezahlen. Das soll die Abläufe weiter erleichtern.
Man will das Personal halten
„Die Stadt hat viel getan, wir sind happy“, freut sich Franke. Es gebe bereits viele positive Rückmeldungen, die Leute seien hoch motiviert. Es ziehe nicht mehr zu den Fenstern rein. „Wir versprechen uns einen Schub“, sagt der Chef des Hauses.
Die Arbeitsbedingungen sind auch deshalb von großem Belang, weil sich die Personallage verbessern soll – zum Vorteil der Bürgerinnen und Bürger. „Wir wollen Leute gewinnen und halten, die Fluktuation verringern“, sagt Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. „Am alten Standort ging es einfach nicht mehr, es musste was passieren.“
Derzeit haben Zulassungs- und Führerscheinstelle insgesamt 124 Stellen. Elf sind derzeit unbesetzt, davon acht in der Führerscheinstelle. „Die Einarbeitung ist sehr intensiv. Wenn eine Stelle heute besetzt ist, kann man den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin sechs bis neun Monate später einsetzen“, weiß Franke. Man arbeite bereits mit Quereinsteigern, das habe jedoch Grenzen.
Schlangen vor dem Gebäude werden sich wohl auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Man schalte jetzt jedoch bei der Online-Terminvergabe mehr Termine frei, je nach Personallage auch kurzfristig, verspricht Franke. Und tatsächlich: Stand Sonntag gibt es erstmals seit Wochen wieder zeitnah Termine in der Führerscheinstelle.
Was derzeit noch fehlt, sind Betriebe, die Schilder prägen. Die seien in Feuerbach zwar informiert worden, aber bisher noch nicht umgezogen, sagt Franke. Man bemühe sich aber darum, dass sich dieser Zustand ändere. Außerdem halte man ein Sortiment an Blanko-Schildern vor: „Wer kein Wunschkennzeichen möchte, kommt auf jeden Fall zum Zug. Oder man bringt die Schilder gleich mit.“
Klar ist: In Zukunft soll die Zulassungs- und Führerscheinstelle kein Dauerärgernis mehr sein – sowohl für die Kundschaft als auch für die Beschäftigten. Ob das gelingt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.