Neuer Wohnraum in Freiberg am Neckar Nach 20 Jahren wieder ein Freiberger Baugebiet auf dem Acker

Aktuell bleiben Bauherren auf ihren neuen Wohnungen sitzen – droht das auch im neuen Baugebiet in Freiberg? Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Stadt Freiberg wird ein neues Baugebiet am Stadtrand erschließen. Erste Planungen lösten Widerstand bei den Anwohnern aus, es drohte Streit. Jetzt scheint alles ganz anders zu kommen.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Manfred Metzger kennt offensichtlich die Dynamik von Bürgerbeteiligungen: Wie schnell die Stimmung kippt, Planungen unter Beschuss geraten und Streit entsteht. Bei der Vorstellung des neuen Baugebiets Heutingsheim Süd am Donnerstagabend ging der Geschäftsführer des Planungsbüros m-quadrat behutsam vor. Ruhig und verständlich erklärte Metzger den Stand der Planung. Noch sei nichts entschieden, die Bürger könnten ihre Sorgen und Wünsche äußern, betonte er mehrfach.

 

Diese Strategie zeigte Wirkung: Das erste Freiberger Bauprojekt auf freier Fläche seit 20 Jahren scheint breite Unterstützung zu finden. Einige Bürger, so Bürgermeister Jan Hambach, können sich bereits vorstellen, in das neue Wohngebiet zu ziehen. Erstaunlich, denn vor einem Jahr war die Stimmung noch ablehnend.

Auf Kritik folgen Anpassungen

Unter dem ehemaligen Bürgermeister Dirk Schaible wurde erstmals die Idee verfolgt, ein neues Wohngebiet am südlichen Rand von Freiberg zu bauen. Der Gedanke, auf landwirtschaftlicher Fläche zu bauen, stieß sofort auf Kritik. Eine Anwohnergemeinschaft warnte in einem Brief an die Stadträte vor Verkehrschaos, Parkdruck, Lärm und Gefahren für Kinder. Die Zufahrt dürfe nicht durch das bestehende Wohngebiet führen, mahnten sie.

Die Einwände hätten das Planungsteam beschäftigt, sagten Manfred Metzger und Jan Hambach am Donnerstagabend. Sie präsentierten einen ganz neuen, vom Gemeinderat abgesegneten, Plan für ein deutlich größeres Baugebiet. Diesmal aber mit einer Zufahrt über die Stuttgarter Straße, um ein Verkehrschaos im bestehenden Wohngebiet zu verhindern. Eine Anpassung, die in der Nachbarschaft offenbar gut ankommt.

Auf sechs Hektar plant die Stadt einen Mix aus mehrgeschossigen Gebäuden, Reihenhäusern und alleinstehenden Häusern, die von Privatpersonen, Genossenschaften oder privaten Bauträgern realisiert werden sollen. Insgesamt könnten 300 Wohneinheiten entstehen, auch sozial geförderter Wohnraum ist vorgesehen. Im Gebiet Heutingsheim Süd sollen etwa 90 Menschen pro Hektar wohnen, also eine ähnliche Wohndichte wie im Rest der Stadt.

Angst vor Leerstand?

Fortschrittliche Quartiersideen suchte man bei der Vorstellung am Donnerstag jedoch vergeblich. Jan Hambach beteuert, er sei offen für einen Grünzug durch die Bebauung, eine autofreie Zone oder einen Treffpunkt für Familien ohne Konsumzwang. Aktuell sei es jedoch noch zu früh für derartige Details. Er mahnt zudem, die Finanzen im Blick zu behalten: „Solche Sachen muss man abwägen, denn die machen Projekte teuer.“

Es ist keine leichte Zeit für Wohnbauprojekte. Kürzlich gab die Wohnungsbau Ludwigsburg bekannt, dass sie auf 40 Prozent der Eigentumswohnungen im neuen Jägerhofquartier sitzen bleibt. Hambach ist optimistisch, dass es in Heutingsheim Süd besser läuft. Es gebe viele Voranfragen und Interesse aus der Bürgerschaft. Der Bau beginne erst in zwei bis drei Jahren, „bis dahin sieht die konjunkturelle Lage hoffentlich anders aus“.

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