Süßes aus 1001 Nacht gibt es neuerdings in der Fußgängerzone in Marbach (Kreis Ludwigsburg). Hinter Fadis Teestube steckt kein Unbekannter.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Könnte Gebäck lächeln, dieses würde es tun. Baklava, süße syrische Kuchen und nordafrikanische Kekse liegen so perfekt und begehrenswert in den drei Vitrinen, dass man gar nicht anders kann, als sie alle probieren zu wollen. Kurzer Einschub: Alle auf einmal geht leider auf gar keinen Fall, so gut sie sind. Man sollte es lieber häppchenweise angehen.

 

Es gibt gute Neuigkeiten aus der Marbacher Fußgängerzone: Gleich neben dem Torturm hat ein neuer Laden eröffnet: Fadis Teestube bietet unter anderem Tee und Baklava – und beendet zudem einen jahrelangen Leerstand. Der, der hinter dem Ganzen steckt, ist in Marbach kein Unbekannter: Slimane Arroudj.

Fadis Teestube ist nach der Inhaberin Fadila benannt

Fadila backt Gheribia – süße, mürbe Kugeln mit einem Hauch Zimt, die auf der Zunge zergehen. Foto: Werner Kuhnle

Ihn kennt man von seinem nordafrikanischen Lebensmittel- und Kunsthandwerksladen, den er von 2003 bis 2013 in der Stadt betrieb, dann eröffnete er sein Restaurant Chez Slimane in der Niklastorstraße, außerdem war der gebürtige Algerier Stadtrat und in der Flüchtlingsintegration tätig.

Jetzt also eine Teestube, gleich oberhalb vom Torturm, wo zuletzt ein Schmuckladen war. Das Café führt er gemeinsam mit seiner Frau Fadila Tekerrabet. Vielmehr: Sie ist die Chefin. „Fadila spielt hier die Hauptrolle“, betont Slimane Arroudj. Deshalb auch der Name des Ladens – Fadis Teestube.

Fadila Tekerrabet kam vor sechs Monaten aus Algerien nach Deutschland. In ihrer Heimat war sie Bäckerin. Das brachte Slimane Arroudj auf eine Idee. Als er im Sommer im benachbarten Eiscafé saß und auf den leeren Laden schaute, dachte er sich: „Es wäre schön, wenn man die Fußgängerzone etwas beleben könnte.“

Beim Krämermarkt kam die Initialzündung, als er sah, wie fleißig die Marbacher an einem Stand mit syrischen Süßigkeiten einkauften. Er dachte: „Warum nicht?“ Beim Vermieter des leeren Ladens rannte Slimane Arroudj mit seiner Idee offene Türen ein, er kam ihm sogar bei der Miete entgegen. „Ohne ihn wäre das gar nicht möglich gewesen“, so Arroudj.

Und dann richtete er gemeinsam mit seiner Frau Fadila den Laden ein. Die syrischen Süßigkeiten von Baklava bis Kuchen kommen von Cake Town in Ludwigsburg, wo sich Muhannad Albakour seit geraumer Zeit mit Träumchen aus Engelshaar und Pistazien in die Herzen seiner Kunden backt.

Fadila Tekerrabet ergänzt das Sortiment mit ihren eigenen Kreationen. Sie backt nordafrikanische Gheribia, süße, mürbe Kugeln mit einem Hauch Zimt, die auf der Zunge zergehen, oder Les Sablés, die aussehen wie schwäbische Spitzbuben, aber mit Feigenmarmelade bestrichen sind.

Erst Süßes, dann Salziges

Fadila Tekerrabet bietet in ihrem Laden auch Nüsse und orientalische Gewürze an. Foto: Werner Kuhnle

Die süßen Köstlichkeiten gibt es zum Mitnehmen, man kann sie aber auch direkt in der Teestube verspeisen und dazu arabischen Kaffee, Cappuccino oder eben Tee trinken. Letzteren gibt es in verschiedenen Varianten – mit Zimt, Nelken, Ingwer und Kurkuma oder auch Kardamom. Frische Minze steht natürlich immer auf dem Tisch.

Und für diejenigen, die es nach all den süßen Sachen nach etwas Salzigem sehnt – ja, das haben Fadila Tekerrabet und Slimane Arroudj auf dem Schirm. In absehbarer Zeit sollen auch deftige orientalische Spezialitäten ins Sortiment kommen. Bis dahin (und auch danach) bleibt noch die Möglichkeit, eine Auswahl von Nüssen und Gewürzen aus 1001 Nacht für zuhause mitzunehmen.