Online-Dating ist anstrengend – eine neue Methode soll anders herangehen: mit Achtsamkeit und gemeinsamen Erlebnissen. Am Valentinstag kommt das Event erstmals nach Stuttgart.
Impuls bei der Gartenparty: Speed-Dating muss doch besser gehen
Die Idee kam der 53-Jährigen bei einer Gartenparty. „Ein Freund meines Mannes hat von einer spirituellen Frau erzählt, die er beim Speed-Dating kennengelernt hat“, sagt sie. Die Frau habe er schräg gefunden, das Speed-Dating ganz furchtbar. Da dachte Sabine Link sich: Das muss doch auch anders gehen. „Ich war schon immer der romantische Typ: Ich schaue gerne Liebesfilme, verkupple Freunde und finde Romantik und Liebe faszinierend“, erzählt sie. Also überlegte sie sich selbst etwas.
Weil sie selbst „nicht über die Maßen, aber schon spirituell“ ist, entwickelte sie ein Konzept für achtsames Speed-Dating. „Das ist ganz natürlich entstanden“, erzählt sie. Die ersten Live-Versuche startete sie in ihrer Heimat Köln. Seit Mai gibt sie dort regelmäßig Kurse, inzwischen gibt es die Events auch in Düsseldorf, Berlin, München – und ab Februar in Stuttgart.
Wie geht also achtsames Dating? Zuerst einmal melden sich die Leute in Kursen für ihre Altersklasse an. Von 25 bis 34, von 30 bis 39, solche Altersgruppen. „Am besten läuft die Gruppe zwischen 30 und 50“, erzählt Sabine Link. Unter 30 seien oft die Frauen schwierig zu bekommen, über 50 die Männer. Jüngere Frauen hätten meist noch genügend andere Optionen – und ältere Männer suchten oft nach jüngeren Partnerinnen. Das ist zumindest ihre Erfahrung aus den ersten Monaten.
Pro Kurs gibt es Platz für zehn Frauen und zehn Männer – wobei Link in Köln und Berlin bald auch Kurse für die LGBTQ-Community anbietet. 35 Euro kostet eine Teilnahme.
Wie Speed-Dating, nur achtsam – so läuft der Kurs ab
Die Events selbst starten mit einem Willkommensgetränk. „Damit alle erst mal was in der Hand haben“, sagt sie. Das helfe vielen nervösen Teilnehmenden zu Beginn. Als Eisbrecher bekommen sie Karten mit Fragen, die sie anderen stellen können. Das Ziel ist, in zehn Minuten fünf Teilnehmer anzusprechen. „Das ist ganz schön sportlich, da darf man sich nicht festquatschen“, sagt Sabine Link.
Nach der Übung seien die meisten schon lockerer. „Die Stimmung ist nicht mehr so cringe, wie meine Kinder sagen würden“, sagt Link und lacht. Anschließend folgt eine Vorstellungsrunde – wobei es vor allem um die Dinge geht, mit denen die Teilnehmenden ihre Freizeit verbringen. „Die Arbeit finde ich langweilig, die steckt viele Menschen gleich in eine Schublade“, sagt Link. Bestimmt komme das in den Gesprächen zwischen den Übungen trotzdem auf, aber sie wolle den Fokus erst mal anders legen.
Dann kommen die spirituelleren Übungen. Je eine Frau und ein Mann gehen als Paar zusammen, die Frau bewegt sich, der Mann spiegelt das. „Da ist das Gelächter immer groß“, sagt Sabine Link. Nach ein paar Minuten wird gewechselt. Danach können die Paare sich austauschen. „Ein Teilnehmer hat mal zu mir gesagt, man fängt durch die erste Übung auf einer ganz anderen Ebene an“, sagt Link.
So geht es also zwei Stunden lang weiter: Die Paare wechseln, machen eine Übung zusammen und tauschen sich danach aus. „Einige Minuten am Stück sprechen und dann gleich zum nächsten Partner wechseln ist anstrengend“, sagt sie. Deshalb dürfen die Teilnehmenden zwischendrin durch Achtsamkeitsimpulse herunterkommen.
Am Ende des Events bekommt jeder ein Formular mit den Namen der Anwesenden, und kann ankreuzen, wer einem gut gefallen hat. Wer matcht, bekommt hinterher die Mail-Adresse der anderen Person. Was dann passiert, bekomme Sabine Link meistens nicht mit. Schade, eigentlich. Bisher weiß sie von zwei Paaren, dass sie sich in ihrem Kurs gefunden haben.
Sind alle Teilnehmenden grundsätzlich der Spiritualität zugeneigt? Die meisten schon. Es seien viele naturverbundene Menschen interessiert. Aber nicht alle könnten mit Achtsamkeit etwas anfangen. Immer wieder kämen Menschen, die mal etwas Neues ausprobieren wollten.
Manche kommen sogar zu gerne wieder
Am 14. Februar finden diese Events also zum ersten Mal in Stuttgart statt. „Ich habe eine ganz nette, junge Eventleiterin“, sagt Sabine Link und wirkt ganz glücklich. Besondere Erwartungen an die Stadt habe sie nicht, „aber ein gutes Gefühl“, sagt sie. In München jedenfalls laufe es sehr gut, besser sogar als in Berlin. Für den Süden Deutschlands hat sie also Hoffnung. Und die Männerplätze für einen der Stuttgarter Termine waren schnell ausgebucht.