Auf dem Areal der ehemaligen Mitarbeiterwohnungen des Robert-Bosch-Krankenhauses entsteht ein neues Viertel mit Wohnungen, Parkplätzen und Einkaufsmöglichkeiten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Areal des heutigen Robert-Bosch-Krankenhauses auf dem Burgholzhof ist schon häufig einem Wandel unterworfen gewesen. Doch was nun geplant ist, stellt viele ältere Bauvorhaben in den Schatten.
Kai Ladstätter hat am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) eine komplizierte Operation vor sich – und dass, obwohl der Mann kein Mediziner sondern Bauingenieur ist. Er leitet die Abteilung Standortentwicklung, Immobilien und Bauten. Gemeinsam mit seinen zehn Mitarbeitern wird er in den kommenden Jahren den Bosch Health Campus, wie das Areal auf dem Burgholzhof nun heißen soll, nachhaltig umgestalten. Der große Umbau setzt ausgetüftelte Vorbereitungen voraus, die längst angelaufen sind.
Ex-Mitarbeiterwohnungen mussten weichen
Wer sich ein Bild von der Dimension des ersten Bauabschnitts machen möchte, muss keine Pläne wälzen. Ein Besuch am Rande des Krankenhauskomplexes, genauer am Ende der Auerbachstraße, reicht aus. Dort tun sich große Gruben in der Erde auf, wo bis vor ein paar Jahren noch Mitarbeiterwohnungen standen. Diese sind in die Jahre gekommen und sollen mehreren Neubauten weichen.
„Wir haben mehr als zwei Jahre auf die Baugenehmigung gewartet“, sagt Ladstätter – um gleich anzufügen, dass das Verhältnis zum Baurechtsamt der Stuttgart intakt sei. „Wir haben einen regelmäßigen jour fixe und auch einen festen Ansprechpartner.“ Den wird der Bauingenieur auch in der Zukunft brauchen, denn mit dem Neubau der fünf Gebäude, die im RBK unter dem Rubrum „Wohnen und Parken“ laufen, ist die angestrebte Neuordnung hoch über dem Pragsattel bei weitem nicht abgeschlossen.
Vorfreude auf neue Einkaufsmöglichkeit
Noch in diesem Jahr soll es bei den schon lange ausgehobenen Baugruben losgehen. In den fünf Baukörpern kommen 314 Wohneinheiten für Mitarbeiter des RBK unter, eine Kita für den Nachwuchs des Personals, ein Fitnesscenter und eine Supermarkt der sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet sein soll. Vor allem letzteres stößt in der gewachsenen Nachbarschaft auf großes Interesse. „Wir werden oft gefragt, wann der Laden fertig wird“, sagt Ladstätter. Offenbar sehen die Bewohner des Stadtteils Burgholzhof bei der Nahversorgung noch Luft nach oben.
Chefplaner für den RBK-Umbau: Kai Ladstätter Foto: RBK/Christoph Schmidt
Unter den Gebäuden entstehen auf drei Etagen 850 Stellplätze. Die dort geparkten Autos, sollen bei der Versorgung der Neubauten helfen. „Wir heizen vor allem mit der Abwärme der abgestellten Autos“, sagt Ladstätter. Die Frage nach Parkplätzen und Mitarbeiterwohnungen werde bei der Personalfindung immer wichtiger, so Ladstätter. Nach dem Abriss der bestehenden Gebäude habe man deshalb in Stuttgart rund 300 Wohnungen angemietet, um Personal unterzubringen. Der Neubau, der rund 140 Millionen Euro kosten wird und Ende des Jahres 2026 fertig sein soll, erlaubt es dann wieder, die Wohnungen für den allgemeinen Mietmarkt freizumachen.
Doch auch nach Abschluss des Projekts „Wohnen und Parken“ bleibt der Campus Baustelle. Nach derzeitigen Terminplan soll Mitte 2025 mit dem Abriss zweier bestehender Gebäudekomplexe im Südosten des RBK-Geländes begonnen werden. Die machen Platz für das Projekt „Neues Kernkrankenhaus“. Der Bauantrag soll noch dieses Jahr eingereicht werden, aber die Vorbereitungen andernorts laufen bereits. Denn um die Gebäude abreißen zu können, müssen die darin heute untergebrachten Funktionen verlagert werden. Deswegen saniert das RBK derzeit das Gebäude des ehemaligen Bethesda-Krankenhauses an der Hohenheimer Straße, das nun als „Standort City“ zum RBK-Reich gehört. Ein paar Höhenmeter darüber soll das ehemalige Charlottenhaus an der Gerokstraße von Mitte kommenden Jahres die Palliativ- und die Psychosomatik-Abteilung beherbergen.
Umfangreiches Investitionspaket
Der Krankenhaus-Neubau auf dem Burgholzhof und die Sanierungen der bestehenden Häuser in der Innenstadt schlägt mit gut 770 Millionen Euro zu Buche. „Bei den anstehenden Umbrüchen im Gesundheitswesen sind wir sehr froh, dass wir mit Unterstützung unseres Gesellschafters einen vorbildlichen Krankenhausneubau erhalten, mit dem wir die Zukunftsfähigkeit des RBK weit über die Folgejahre sichern werden“, sagt Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus und Medizinischer Geschäftsführer des Robert Bosch Krankenhauses.