Gemäß den Zahlen des Statistischen Bundesamts bleiben jährlich zwischen zwei und 2,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland sitzen. Die meisten von ihnen gehen trotzdem ihren Weg und machen ihren Schulabschluss dann einfach ein Jahr später. Doch für die aktuellen Sechstklässler an den Gymnasien in Baden-Württemberg bedeutet einmal sitzen zu bleiben, dass sie in aller Regel zwei Jahre dranhängen müssen.
Der Grund dafür ist die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums. Dieses gilt auch für alle Kinder, die schon die fünfte Gymnasialklasse besuchen. Die aktuellen Sechstklässler und alle älteren Schülerinnen und Schüler aber bleiben im G8-System. Doch wenn ein Kind, das derzeit in der sechsten Klasse ist, das Klassenziel nicht erreicht oder freiwillig wiederholt, rutscht es automatisch in das G9-System und braucht damit zwei Jahre länger bis zum Schulabschluss. Dieser Umstand setzt sich für die heutigen Sechstklässler auch in den höheren Klassen fort: Egal, welche Klassenstufe sie aus welchen Gründen auch immer wiederholen, sie wechseln damit immer ins neunjährige Gymnasium.
Schulleitungen ermöglichen einen guten Übergang
Das bestätigt das Kultusministerium: „Schülerinnen und Schüler, die sich im Schuljahr 2024/2025 in Klasse 6 befinden und nicht versetzt werden oder freiwillig die Klasse wiederholen möchten, werden in das neue G9 eingeordnet, besuchen also im Schuljahr 2025/2026 Klasse 6 nach G9-Modus“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Und weiter steht dort: „Die Schulleitungen werden in jedem Einzelfall den betroffenen Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang ermöglichen.“
Prinzipiell haben die Gymnasien im Land die Möglichkeit, auch künftig G8-Züge anzubieten. Doch nur sehr wenige Schulen haben sich dazu entschieden. In Stuttgart ist es lediglich das humanistische Karls-Gymnasium. Im Sinne der individuellen Förderung der Schüler sollen diese auch die individuelle Wahl zwischen einem langsameren und einem schnelleren Zug haben, hatte der Schulleiter Dieter Elsässer diese Entscheidung begründet. Das dreizügige Gymnasium mit knapp 600 Schülerinnen und Schülern in der Stuttgarter Innenstadt wird künftig einen G9- und einen G8- sowie einen G8-Hochbegabtenzug haben.