Die streng geschützte Haselmaus muss erst umgesiedelt werden. Foto: dpa
Bis die Bagger rollen, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern. Strenge Umwelt- und Artenschutzauflagen führen zu einem verzögerten Baustart des Rettungszentrums in Ehningen.
Der Weg zum neuen Rettungszentrum im Gebiet „Eingemachtes Wäldle“ in Ehningen bleibt steinig – und lang. Während die Gemeinde Ehningen den Bebauungsplan noch 2026 abschließen will, ist der Baustart allerdings noch in weiter Ferne. Der Grund sind aufwendige Umwelt- und Artenschutzmaßnahmen, denn in dem Gebiet wurden neben Zauneidechsen auch streng geschützte Haselmäuse nachgewiesen, die zunächst umgesiedelt werden müssen. Ein Baubeginn vor 2030 gilt deshalb als unwahrscheinlich.
Überraschend kommt das jedoch nicht. Der Bürgermeister Lukas Rosengrün erinnerte in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend daran, dass die Verwaltung bereits 2020 auf ein langwieriges Verfahren hingewiesen hätte, wenn man sich für den Standort „Eingemachtes Wäldle“ entscheide. Der aktuelle Zeitplan sei „keine Überraschung“, vielmehr das, was man seit Jahren kommuniziere.
Trotz aller Hürden hält die Gemeinde am Planungsfahrplan fest. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr den Satzungsbeschluss zu erreichen“, sagte der Bauamtsleiter Dan Häring in der Gemeinderatssitzung. Die notwendigen Gutachten lägen inzwischen vor und würden aktuell in den Umweltbericht und den Bebauungsplan eingearbeitet. Neben Lärm-, Verkehrs- und Bodengutachten seien vor allem natur- und artenschutzrechtliche Fragen entscheidend. So müsse etwa wegen fehlender Tragfähigkeit des Untergrunds mit aufwendiger Gründung gebaut werden. Dies führe zu Mehrkosten, die in den Planungen aber bereits berücksichtigt worden seien.
Ein interessanter Flurname: Das „Eingemachte Wäldle“ wurde als Standort für das Rettungszentrum auserkoren.
Haselmaus macht aufwendige Umsiedlung nötig
Besonders komplex ist allerdings der Artenschutz. Neben Zauneidechsen spielt vor allem die streng geschützte Haselmaus eine Rolle. „Im Plangebiet wurden zwei Individuen nachgewiesen“, erklärt Häring. Für jedes Tier müsse knapp ein Hektar geeigneter Ersatzlebensraum geschaffen werden, bevor gebaut werden kann. Die neuen Habitatflächen müssen zudem in räumlicher Nähe liegen, da Haselmäuse nur begrenzt Distanzen überwinden können und Straßen oder Gleisanlagen als Barrieren gelten. „Nach Herstellung der Habitatstrukturen sollte man etwa zwei Jahre warten, bis die Haselmäuse dort angekommen sind“, so der Bauamtsleiter.
Erst wenn diese Maßnahmen abgeschlossen sind, kann gerodet und gebaut werden. „Dann werden wir 2029 oder 2030 so weit sein, dass wir mit dem Bau loslegen können“, sagte der Bauamtsleiter. Das Ziel sei es, nach der Rodung ohne weitere Verzögerung zu starten, um zu vermeiden, dass sich auf der Fläche erneut geschützte Arten ansiedeln.
Lange Standortdebatte vorausgegangen
Die Haselmaus gilt als sehr scheu und ist in freier Natur nur selten zu beobachten. Ihr Vorkommen wird daher meist indirekt über Spuren oder Nistplätze nachgewiesen. „Direkt gesehen hat die Haselmaus keiner“, sagt Häring. Unabhängig davon sind die gesetzlichen Vorgaben eindeutig: Der Schutz der Art hat Vorrang, weshalb das Verfahren entsprechend Zeit in Anspruch nimmt.
Um das Rettungszentrum wird seit vielen Jahren diskutiert. Bereits 2019 hatte sich der Gemeinderat mehrheitlich für den Standort „Eingemachtes Wäldle“ ausgesprochen, – trotz der absehbar aufwendigen Umweltauflagen. Das Waldgrundstück befindet sich im Besitz der Gemeinde. Doch immer wieder wurden andere Standorte ins Spiel gebracht. Das „Gewann Kohler“ scheiterte am Kauf privater Grundstücke, ebenso das Gebiet „Eschbach“ an der Bühlallee. Einen Alternativstandort im Gewerbegebiet „Leimental/Mahden“ lehnte der Gemeinderat ab. Auch das Sportgelände der FKG-Schule schied schließlich aus aufgrund der hohen Kosten.