Porsche-Chef Oliver Blume informierte am Freitagvormittag die Mitarbeiter seines Unternehmens über „ein zweites Strukturpaket“. Dieses soll im zweiten Halbjahr 2025 zusammen mit dem Betriebsrat erarbeitet werden. Ziel sei es, über Maßnahmen zu verhandeln, „um die Leistungsfähigkeit des Unternehmens langfristig abzusichern.“ Wir dokumentieren die wichtigsten Passagen des Schreiben, das unserer Redaktion in Auszügen vorliegt.
„Unser Geschäftsmodell, das uns über viele Jahrzehnte getragen hat, funktioniert heute nicht mehr in dieser Form. Unsere Rahmenbedingungen haben sich in kurzer Zeit massiv verschlechtert. Zudem entwickelt sich die Elektromobilität in vielen Märkten deutlich langsamer, als wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten. Das alles trifft uns hart. Härter als viele andere Automobilhersteller.“
„Unser Unternehmen kämpft derzeit mit massiven Herausforderungen. Weltweit. Das macht sich bemerkbar. Beim Absatz und unserem finanziellen Ergebnis. Dass wir im Moment die Zahlen schreiben können, die wir schreiben, liegt an unseren umfangreichen Investitionen der Vergangenheit. Wir haben ein neues, starkes Produktportfolio, aber das allein reicht nicht aus.“
„Wir haben es mit einer ,Krise der Rahmenbedingungen’ zu tun. Obwohl wir eine Vielfalt an Spitzenprodukten haben. Obwohl wir unsere finanzielle Leistungsfähigkeit über ein Jahrzehnt ausgebaut haben. Obwohl wir historische Absatzrekorde in vielen Weltregionen verbuchen. Diese ,Krise der Rahmenbedingungen’ macht es noch wichtiger, dass wir jetzt konsequent unsere internen Optimierungspotenziale nutzen.“
Oliver Blume identifiziert drei Herausforderungen für Porsche
„China: Hier hat sich das Marktumfeld komplett gewandelt. Wir sehen einen E-Auto-Massenmarkt, der sich unterhalb des Premium-Segments abspielt. Dort hat sich ein hoch-technologischer und sehr preis-aggressiver lokaler Wettbewerb entwickelt. Unser Marktsegment teurer Luxusprodukte hingegen ist in kurzer Zeit förmlich zusammengebrochen. Genau, wie es auch für andere Luxuswaren zutrifft.“
„USA: Seit April drücken massiv gestiegene Zölle und perspektivisch vor allem die aktuelle Kursentwicklung des Dollars unser Geschäft. Trotz eines Auslieferungsrekords im ersten Halbjahr stehen wir finanziell enorm unter Druck. Die Lage hat sich auch hier in kurzer Zeit dramatisch verändert.“
„Elektromobilität: Die Transformation läuft in einigen Weltregionen deutlich langsamer als erwartet. Damit verbunden sind erhebliche Investitionen in die Flexibilität unserer Antriebe und in unser Lieferantennetz. Einerseits benötigen wir Elektrofahrzeuge zur Erfüllung der regionalen CO2-Regulierungen. Andererseits liegt das Renditeniveau aktuell noch weit unterhalb unserer Verbrenner.“
Porsche-Chef Oliver Blume will „hinter verschlossenen Türen“ über das neue Strukturpaket mit dem Betriebsrat verhandeln. Foto: IMAGO/Sven Simon
Die Verhandlungen über ein weiteres Sparprogramm haben sich bereits im Februar abgezeichnet. Der damalige Personalvorstand Andreas Haffner und der frühere Betriebsratsvorsitzende Harald Buck hatten gewarnt, dass die bisherigen Sparmaßnahmen nicht ausreichen würden.
Buck betonte damals, dass tarifvertragliche Leistungen unangetastet bleiben müssten. Haffner hingegen stellte klar, dass sich über die Jahre zahlreiche Zusatzleistungen angesammelt hätten – und „manche wird es dann vielleicht nicht mehr in der Höhe geben wie bisher“.
Mittlerweile ist Harald Buck nicht mehr Vorsitzender des Betriebsrats. Er wurde nach der Betriebsratswahl vergangene Woche von Ibrahim Aslan abgelöst. Andreas Haffner ist noch bis Mitte August Personalchef. Auf ihn folgt Vera Schwalig. Über das neue Strukturpaket werden daher nun teilweise andere Personen verhandeln als jene, die es vor fünf Monaten angekündigt hatten.