Neuhausen Der Narrenpräsident sagt Adieu – „Junge Leute für Brauchtum begeistern“

Mit vielen frischen Ideen und professioneller Organisation hat Ronald Witt den Narrenbund Neuhausen geprägt. Foto: Markus Brändli

Nach 20 Jahren an der Spitze gibt Narrenpräsident Ronald Witt sein Amt in neue Hände ab. Dem Narrenbund Neuhausen bleibt er aber erhalten.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

In der Bütt fühlt sich der Neuhausener Narrenpräsident Ronald Witt zuhause. Mit Wortwitz und frechen Spitzen hält er dem Publikum bei der Fasnet den Spiegel vor. Nach 20 Jahren an der Spitze des Narrenbunds (NBN) gibt der Vereinschef sein Amt nun ab. Dem Verein in der Fasnetshochburg auf den Fildern bleibt er aber erhalten. Witt leitet unter anderem weiter die Akademie für angehende Büttenrednerinnen und –redner und will sich um das Vereinsarchiv kümmern.

 

Am Donnerstag, 16. April, wählt der Verein die Nachfolge. Als Vizepräsident im Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine (LWK) engagiert sich der Neuhausener weiterhin landesweit. Das macht dem leidenschaftlichen Vernetzer Freude. Gerade in Zeiten, da die Fasnetsveranstalter immer mehr mit bürokratischen Hürden zu kämpfen haben, ist einer wie Witt wichtig. Er kämpft mit ganzer Kraft dafür, „dass unser Brauchtum erhalten bleibt und in die Zukunft getragen wird.“ Da müsse man „hinstehen“, auch wenn es unbequem sei. Das fällt Witt leicht. Er brennt für seine Fasnet.

 

In Köln vom Karneval lernen

Nicht nur auf den Fildern lebt Witt das närrische Treiben. Im Beruf hat er viel in der Hochburg Köln am Rhein zu tun, entdeckte da den Karneval. „Da habe ich vieles abgeschaut, um die Prunkfestsitzungen und die Umzüge auch bei uns zu professionalisieren.“ Dieser Blick über den Tellerrand ist Witt wichtig. Ein Höhepunkt seiner Karriere als Präsident war, dass der NBN seit 2020 zum nationalen immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört. Dieses Prädikat bekamen schwäbisch-alemannische Zünfte bereits 2014. Die Auszeichnung „jenseits dieser Hochburgen“ zu erhalten, war für Witt herausfordernd. Das haben die Nachwuchsarbeit des NBN möglich gemacht.

Ein Orden für besondere Verdienste – so ehrten die Narren ihren scheidenden Chef. Foto: Markus Brändli

„Junge Leute für die Fasnet begeistern“, das ist für Witt das große Ziel. Mit dieser Aufbauarbeit hat er in der eigenen Familie begonnen. Mit seinem Sohn Justin steht er als Duo „Dia vom Kloschdrgässle“ auf der Bühne. Vater und Sohn nehmen nicht nur Mallorca-Urlauber aufs Korn oder verspotten die Bürokratie. Mit ihren frechen Spitzen feiern sie den Generationenkonflikt. Bei der SWR-Fasnet, die aus Donzdorf übertragen wird, stehen die zwei vor der Kamera.

Warum gibt er sein Amt als Narrenpräsident so früh ab?

Was hat Witt dazu bewogen, sein Amt schon mit 57 Jahren abzugeben? „20 Jahre an der Spitze sind genug.“ 2006 hat er zunächst als Vizepräsident beim NBN angefangen; 2009 wurde er zum Präsidenten gewählt: „So ein großer Verein lässt sich nur führen, wenn die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt sind.“

Mit seinen Stellvertretern Jörg Paertmann, Damaris Löw und Katharina Deuschle habe er viel erreicht. „Wichtig ist, dass jede und jeder seine Aufgaben hat und sich entwickeln kann.“ Wie gut das beim NBN klappt, bestätigt die dritte Vizepräsidentin Katharina Deuschle. Die 32-Jährige vertritt den Verein mit Charme, hat sich bestens in die organisatorischen Aufgaben eingearbeitet. Sie steht ebenso wie die zweite Vizepräsidentin Damaris Löw wieder zur Wahl. „Mir war es wichtig, die jungen Mitglieder frühzeitig aufzubauen“, sagt Witt. Da gelte es, „offen zu sein für Neues“.

„Mir war es wichtig, junge Mitglieder im Präsidium früh aufzubauen. So geben wir unser Brauchtum an die nächste Generation weiter.“

Ronald Witt, Narrenpräsident

Jörg Paertmann zieht sich ebenfalls ins zweite Glied des Narrenbunds zurück. Als Schaffer hinter den Kulissen stand der langjährige Vizepräsident weniger im Rampenlicht. Er hat den Verein und sein junges, vielfältiges Profil mit geprägt. Was er für den Narrenbund geleistet hat, würdigte der Landesverband Württembergischer Karnevalsvereine mit dem Hirsch am Goldenen Vlies. Das ist laut LWK „die höchste Auszeichnung, die im karnevalistischen Leben zu vergeben ist.“

Ein Gedicht vom Bürgermeister: Ingo Hackers Dankesurkunde zum Abschied. Foto: Markus Brändli

Mit seinem großartigen trockenen Humor motiviert Paertmann die Narren bei den Prunkfestsitzungen ebenso wie im Alltag. Gemeinsam mit Ronald Witt veranstaltet der begeisterte Koch im Vereinsheim kulinarische Weltreisen oder den Spargelbesen für die Mitglieder. Mit seiner Frau Nadine, ebenfalls eine leidenschaftliche Närrin, kümmert sich Paertmann unter anderem um das Vereinsheim. Für viele sind die zwei die „guten Seelen“ des NBN.

Dass das Dream-Team Ronald Witt und Jörg Paertmann ins zweite Glied zurücktritt, bedauern viele. Dass er sein Amt „mit einem weinenden Auge abgibt“, daraus macht Witt keinen Hehl. Von dem schönen Abschied, den ihm seine Narren bei der letzten Prunkfestsitzung bereiteten, ist er gerührt. Er freut sich, dass seine Vizepräsidentinnen Damaris Löw und Katharina Deuschle weitermachen und so für Kontinuität sorgen. Designierte Nachfolger gibt es.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Neuhausen Ehrenamt Fasnet Abschied