Neustart „Silphiepaper“ statt Scheufelen

Der frühere Scheufelen-Manager Stefan Radlmayr will mit seiner Firma Silphie Paper auf Touren kommen und hat eine Voith-Maschine von 1904 wieder in Betrieb genommen. Foto: Horst Rudel

In Lenningen wird Papier für Verpackungen hergestellt. Eine Pflanze aus Oberschwaben soll Holz ersetzen. Kunde ist die Schwarzgruppe.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Stuttgart - Auf dem Weg in die Zukunft soll eine Anlage aus der Vergangenheit helfen – eine alte Papiermaschine aus dem Jahr 1904. Damals hatte die Papierfabrik Scheufelen in Lenningen diese bei Voith in Heidenheim gekauft. Für den 1855 gegründeten Papierproduzenten – in seinen Glanzzeiten beschäftigte er 2000 Mitarbeiter – kam im Februar 2019 nach mehreren Insolvenzen das endgültige Aus. Die alte Maschine aber läuft wieder.

 

Etwas mehr Mitarbeiter

Im Juni 2019 wagte der einstige Scheufelen-Manager Stefan Radlmayr mit zunächst 25 Mitarbeitern auf dem Gelände des Traditionsunternehmens den Neuanfang. Zu Beginn wurde noch mit Graspapier experimentiert, heute produzieren inzwischen 38 Mitarbeiter Papier aus den Fasern einer Pflanze, die beispielsweise im oberschwäbischen Ostrach wächst. Nach der im Juli wieder gelb blühenden Durchwachsenen Silphie hat Radlmayr auch sein Unternehmen benannt: Silphie Paper.

Produktion soll erhöht werden

Seit September 2020 produziert die Voith-Maschine an mehreren Tagen in der Woche täglich 20 Tonnen Papier. Mehr lässt die aktuelle Betriebsgenehmigung nicht zu. Im vergangenen Jahr erreichte das Unternehmen einen Umsatz von sechs Millionen Euro, 2021 könnte es mehr werden. Der Firmengründer jedenfalls hofft, bis Mitte des Jahres eine erweiterte Betriebszulassung in der Tasche zu haben: „Dann wollen wir 72 Tonnen Verpackungspapier am Tag produzieren, an sieben Tagen in der Woche, rund um die Uhr.“ Das macht dann wohl auch zusätzliches Personal nötig, „vielleicht 15 Leute“, meint Radlmayr.

Silphiepflanze soll Bäume retten

Das Unternehmen arbeite bereits kostendeckend, mit der ab Sommer höheren Kapazität, so meint er, „werden wir dann auch Gewinn machen“. Dabei hilft auch ein großer Handelskonzern, der zunächst das Papier abnimmt – die Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm (Lidl, Kaufland). Die Lebensmittelkette verkauft dieses weiter, etwa an Hersteller von Schachteln. Von diesen kaufen die Neckarsulmer dann wieder Verpackungen zurück, um in den eigenen Filialen Plastik zu reduzieren.

Der Handelskonzern hat auch die Anlage in Ostrach gebaut, die die Fasern der Silphie von anderen Bestandteilen trennt. „Wir wollen Wege aufzeigen, wie man alternative Fasern immer besser nutzen kann“, sagt Radlmayr. „Alternativ“ – das heißt für ihn Ersatz von Holzfasern. Anders als Bäume braucht die Silphie nur ein Jahr, um nachzuwachsen. Im Moment allerdings liegt der Anteil der Silphiefasern beim Papier allerdings erst bei 50 Prozent – ohne Zellstoff aus Holzfasern geht es noch nicht. „Im Labor wurde schon mehr erreicht“, sagt Radlmayr. Sein Ziel: Möglichst viel Zellstoff von Bäumen – der zudem oft aus Skandinavien oder Südamerika kommt – durch ein regionales Produkt wie die Silphie zu ersetzen und damit möglichst auch noch Geld zu verdienen.

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