Die Newcomer Sezer und Enis Masalci haben sich gegen 28 Weindorf-Profis durchgesetzt und sind „Laube des Jahres 2025“. Wie haben die Brüder mit dem „Zum Rädle“ die Massen überzeugt?
Sie kamen, schenkten aus und siegten: Sezer und Enis Masalci, die beiden Betreiber der Weindorf-Laube „Zum Rädle“, haben den Publikumspreis „Laube des Jahres 2025“ abgeräumt – und das, obwohl sie in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt auf dem Stuttgarter Weindorf dabei sind. Damit haben sie sich gegen 28 andere Wirtinnen und Wirte durchgesetzt, viele von ihnen alte Weindorf-Bekannte. „Diese Auszeichnung ist sehr, sehr viel wert. Sie gehört dem gesamten Team, der gesamten Familie und dem gesamten Freundeskreis“, sagt Sezer Masalci.
Vom Nachrücker zur Weindorf-Sensation
Dass die Weindorf-Premiere der Brüder ein derartiger Durchmarsch werden würde, war Ende April nicht absehbar gewesen. Da hatte das Duo überhaupt erst erfahren, dass es durch das Ausscheiden eines anderen Teams nachrücken darf. „Da haben wir erst mal eine Party geschmissen“, sagt Sezer Masalci, ganz nach dem Motto: „Nochmal auf die Kacke hauen, bevor wir Gas geben müssen.“
Und Gas gegeben haben die beiden jungen Männer wahrlich, immerhin haben sie in wenigen Wochen eine ganz neue Laube aus dem Boden gestampft. Sie ist mit 400 Sitzplätzen innen und auch im Freien, mit hochwertig wirkendem Mobiliar, einer großen Bar, einer offenen Küche und schicker Deko ausgestattet. Umgesetzt habe das alles ein Architekt, aber „das waren komplett unsere Ideen“.
Sezer Masalci (28) und sein jüngerer Bruder Enis – mit seinen 25 Jahren ist er heuer der jüngste Weindorf-Wirt – stammen aus einer Gastrofamilie. Die Eltern, einst eingewandert aus der Türkei, haben in der Vergangenheit mehrere Betriebe geführt, die Söhne haben Hotelkaufmann und Koch gelernt. Heute führen sie in Stuttgart-Vaihingen das Lokal der Eltern unter dem Namen „Vaihinger Wirtshaus“.
Die Story hinter dem Namen: eine Familientradition
Woher dann der Name Rädle? „Die erste Gaststätte unserer Eltern hieß auch Rädle. In dem Haus haben wir gewohnt“, sagt Sezer Masalci. Das Logo – ein zerbrochenes Wagenrad – haben sich die Brüder tätowieren lassen. Und nicht nur sie. Auch vier Mitarbeiter haben es sich stechen lassen. „Unser Küchenchef hat es sogar auf der Hand“, sagt Enis Masalci.
Was die Sieger-Laube so beliebt macht
Die Auszeichnung „Laube des Jahres“ wurde zum dritten Mal vergeben. Abstimmen konnten die Besucherinnen und Besucher online, „Tausende Menschen haben mitgemacht“, sagt Dominik Schwab, der Geschäftsführer des Vereins Pro Stuttgart, der das Weindorf ausrichtet. Erst am Donnerstagabend habe das Ergebnis festgestanden. „Wir lassen die Abstimmung immer extra lang laufen“, betont er. Null bis zehn Punkte werden in mehreren Kategorien vergeben, es geht um Faktoren wie Atmosphäre, Qualität oder Preis-Leistungs-Verhältnis. „Zum Rädle“ ist auf eine Gesamtnote von 9,4 gekommen. „Das ist eine enorm gute Leistung“, lobt Dominik Schwab.
Laut den Brüdern sind beim Publikum die veganen Speisen beliebt, „das ist richtig gut angekommen“, sagt Enis Masalci, der Renner seien aber die Knöpfle aus dem Käselaib. Dazu gibt es Weine vom Weingut Peter Mayer aus Bad Cannstatt, mit dem Sezer Masalci über seine Ehefrau familiär verbandelt ist. Aber nicht nur deswegen geht es in der „Laube des Jahres“ so familiär-ungezwungen zu. „Uns war wichtig, dass wir jeden Gast abholen und dass wir eine Laube für jeden werden“, sagt er. Im Verein Pro Stuttgart bescheinigt man dem Duo zudem eine große Euphorie. Müdigkeit ist jedenfalls nach nahezu zweieinhalb Wochen noch nicht zu spüren. „Ich würde es noch ein Jahr durchhalten“, sagt Sezer Masalci lachend. Fest steht: Nach dem Ende des Weindorfs wird im Team wieder gefeiert. Und nächstes Jahr sind die Brüder auch wieder dabei. „100-prozentig“, sagt Sezer Masalci. Enis Masalci schiebt nach: „1000-prozentig.“